Ich allein, gefesselt und von zwei Karabinieri begleitet, fuhr mit der Eisenbahn in einem Wagen dritter Klasse nach Foggia, machte in Benevento Rast und setzte Tags darauf meine Reise fort. Im Gefängnis zu Foggia wurde ich in ein Zimmer zu ebener Erde gebracht; hier traf ich einige dreißig Gefangene.

Man muß wissen, daß ich ein großes dickes Buch bei mir trug, in dessen Einband eine lange Messerschneide verborgen war, ähnlich der, mit welcher die Lämmer geschlachtet werden; dieses Buch und das Messer hatte mir ein Camorrist im Gefängnis zu Pizzo geschenkt. Ich trug es bei mir, um unter Umständen Gebrauch davon zu machen … Kaum war ich in dem Zimmer, als ich mir einen halben Liter Wein bringen ließ, den ich mit zwei Soldi bezahlte, denn der Liter kostete vier Soldi, ein ausgezeichneter Barlettawein, denn damals war die Traubenkrankheit noch nicht in Apulien aufgetreten.

Ich habe mich auf eines der Fenster gesetzt, das von außen mit Holzfachwerk verkleidet ist, damit man nicht sehen soll, was draußen vorgeht; ruhig und friedlich trinke ich meinen halben Liter Wein, um den Magen zu wärmen, der seit zwölf Stunden trocken war. Während ich den Göttertrank schlürfte, freute ich mich, daß ich müde war und mich an einem mir unbekannten Ort befand. Ein hübscher bartloser Jüngling von sechszehn bis siebzehn Jahren, anständig gekleidet und aufgeputzt wie ein Dämchen, mit einer schief auf den Kopf gestülpten roten Kappe, wie sie im Gefängnis zu Catanzaro angefertigt werden, mit Flittern von verschiedener Farbe geschmückt, nähert sich mir und sagt:

»Freund, könnte ich die Ehre haben, Ihnen zwei Worte sagen zu dürfen?«

»Auch hundert,« antwortete ich mit verdrießlicher Stimme.

»Hier ist die Societa del Diritto, sie möchte etwas von Ihnen beanspruchen.«

»Haben Sie ein wenig Geduld, mein lieber Picciotto, nachher werden Sie bedient, aber sagen Sie mir, wer sind Sie?«

»Ich bin ein Picciotto di sgarro.«

»Schön. Haben die das Amt des Picciotto du jour

»Zu dienen.«