»Hierbleiben! Wohin? Hierbleiben, zum Teufel!«
Die aufgerufenen Gefangenen gingen hinaus, das Gitter wird geschlossen, ich ging mit Sansosti auf und ab, der zu mir sagte:
»Jetzt glaube ich's; er ist noch nicht durchgekommen, soviel ist sicher. Der elende Perrone, hier muß er durch; hier werden wir unsere Rechnung glatt machen, da es in Calabrien nicht möglich war, was sagst Du, M…?«
»Ich glaube es, ich glaube es gern; wenn er noch nicht durch ist, muß er noch kommen, – wenn er nicht mit der Eisenbahn transportiert wird.«
»Mit der Eisenbahn? Du meinst, daß ihn die Regierung zum Vergnügen in Italien herumreisen lassen wird?«
»Wenn er noch nicht durch ist«, erwiderte ich, »muß er sicher hier vorbei – aber, lieber Sansosti, was geht es Dich an, daß Perrone dem Haupt der Gesellschaft, dem Guardavalle, das Gesicht mit einem Messer aufschnitt? Was für ein Interesse hast Du daran, Dich in diese Dinge zu mischen! Genügen Dir nicht die traurigen Strafen und die Leiden, die er jetzt duldet?«
»Welche Strafen, welche Leiden? Und bist Du M…, der so spricht? Hast Du Dich seit den zwei Jahren so verändert? Haben wir nicht geschworen, die Schmach zu bekämpfen? Habe ich Dir nicht die Worte auf die Brust eingeschnitten: Tod der Schmach! Hast Du nicht mit Deinen Genossen geschworen, die Schmach auszurotten!?«
»O, damals waren andere Zeiten, ein anderes Herz schlug mir damals in der Brust, und glaube mir, Sansosti, nachdem ich die Strafe erhalten habe, habe ich Mitleid mit allen Unglücklichen und Entehrten, ich liebe sie alle wie meine Brüder, die Guten und die Bösen, die Armen und die Reichen, ob sie Genossen der Camorra sind oder nicht.«
»Nein, M…, nein; die Schmachvollen sind immer schmachvoll, sie verdienen keine Rücksicht und kein Mitleid. Erinnerst Du Dich, als ich Dir im Gefängnis zu Catanzaro einen Stoß gab? Damals kannte ich Dich nicht; und Du, der Du die Beleidigung empfandest, verschafftest Dir ein scharfes Eisen, um mich zu ermorden, während ich auf dem Abtritt meine Bedürfnisse verrichtete. Und warum? Weil ich Dich beleidigt hatte, und heute willst Du nicht, daß ein Elender, der die ganze Camorra beleidigt, verstümmelt wird.«
Das waren die Gespräche, die ich mit diesem Galeerenhunde führte in den drei Tagen, die ich im Gefängnis del Carmine war.