»Die Vorschriften der Anstalt gebieten es; jeder Neuling muß in einer Zelle abgesondert werden und wird behandelt wie alle anderen Gefangenen: jeden Morgen spricht der Arzt vor, um den Ankömmling genau zu untersuchen, aus Besorgnis, daß irgend eine ansteckende Krankheit sich entwickeln könnte. Wenn der Monat der Einzelhaft um ist, macht der Arzt dem Direktor Mitteilung; ist der Neuankömmling krank, so wird er im Krankenhaus untergebracht, ist er gesund, so kommt er mit den anderen Gefangenen zusammen.«

»So muß ich einen Monat hier bleiben?«

»Gewiß.«

Wenn ich daran dachte, daß ich einen Monat hier allein in der engen Zelle eingeschlossen verbringen sollte, dann empörte sich mein Gemüt und ich verfluchte wiederholt den Direktor des Gefängnisses zu Lucera, Herrn B…[31], der mich zum besten gehabt hatte, wie jener Karabiniere sagte.

Man muß wissen, daß ich, nachdem ich in Foggia fortging und die zwanzig Chininpillen genommen hatte, kein Fieber mehr hatte; ich glaube, es ist die Luftveränderung gewesen. Der Arzt kam, Herr Biondi, ein Neapolitaner, ein schöner Mann mit langem schwarzen Bart und einer blitzenden Brille auf der Adlernase; ich muß mich nackt ausziehen, und er untersucht mich langsam von Kopf bis zu Fuß, bald meine Haut, bald meine Augen, Nase, Stirn und so weiter betrachtend; dann legt er das Ohr an meine Brust und meinen Rücken und sagt:

»Sagen Sie drei!«

»Drei, drei, drei«, sage ich.

Und ich denke, warum drei und nicht vier oder zwanzig oder hundert. Will sich der elende Schüler Aeskulaps über mich lustig machen? Und ich war im Begriff, ihm einen Schlag auf die Brille zu geben.[32]

»Was für eine Krankheit haben Sie gehabt?«

»Das Wechselfieber, einundzwanzig Monate lang.«