Der Arzt Biondi beklagte sich über den Chirurgen, weil dieser mir Chinin verschrieben hatte; er sagte, daß er mich getötet habe und befahl dem Chef der Wache, daß keiner mit mir sich abgeben solle, da ich unter seiner eigenen Behandlung stände.

Nachts wurde es schlimmer mit mir; gräßliche Gespenster, furchtbare Grüfte mit Gespenstern und Ungeheuern standen vor mir und quälten mich; ich hörte nichts mehr; ein eiserner Ring schloß meine Eingeweide ein; in Zwischenräumen litt ich an Erbrechen und Durchfällen, ich konnte mich nicht bewegen und mit vieler Anstrengung und Vorsicht mußte ein Genosse mich hin und her wenden; ich lag im Sterben.

Nach der Arznei wurde mir übel – aber was bedeutete das! Zwei Tage und zwei Nächte wußte ich nichts von mir – ich war tot!

Nach achtundvierzig Stunden heftigen Fiebers gewann ich soweit die Herrschaft über meine Sinne wieder, daß ich mir meine kritische Lage klar machen konnte.

Der Arzt kommt, er sperrt den Mund auf, sieht den Krankenwärter an und spricht mit ihm und den Gefährten, die mich bedienten; ich hörte nichts, denn ich war gänzlich taub, aber ich sah, wie der Wärter kopfnickend sein Einverständnis mit dem ausdrückte, was der Arzt sagte. Als der Arzt ging, fragte ich, was er gesagt habe. Man wollte es mir anfangs nicht sagen, bis auf mein wiederholtes Bitten einer meiner Genossen mir Folgendes aufschrieb:

»Der Doktor sagte, daß es sehr schlecht mit Ihnen steht, und daß Sie vielleicht heute Nacht sterben werden, daß der Priester gerufen werden solle, um Ihnen die letzte Tröstung der Religion zu spenden.«

Ein elektrischer Schlag hätte mich nicht so erschüttern können, wie die Worte, die ich las und die mein Todesurteil enthielten; mit übermenschlicher Kraft erhebe ich mich im Bett, die Augen weit geöffnet, die Arme mit drohend geballten Fäusten gegen ein großes Kruzifix ausgestreckt und rufe:

»Und Du, Christus, Du Gott, willst es zugeben, daß ich am Ende meiner Strafzeit sterbe, daß ich sterbe, fern von meiner Heimat, in diesen Mauern, im Kerker! daß ich an der Cholera sterbe, niedergebeugt vom Unglück, im Fieber meiner Leiden! Und Du lebst? O Gott, Gott, ist es wahr, daß Du lebst? Sagen es nicht Millionen von Schlafwandelnden? Ist nicht das Firmament das Werk Deines Willens, entzündet sich nicht der leuchtende Glanz des Tagesgestirns an Deinem Blick? Rauschen es nicht die tosenden Meere, daß Du lebst? Der thörichte Zweifler leugnet Dich mit dem Wort, aber in seiner Brust klingt es träumend: Ein Gott lebt!«

»Und Du, der Du lebst, läßt mich sterben, den letzten Schrei aus trockener Kehle ausstoßen! Nein, das wirst Du nicht, das kannst Du nicht thun! Ist es denn nicht wahr? Bist Du denn nicht der zärtliche Vater aller Deiner Geschöpfe; ist Deine Geduld nicht lang, wie die Jahrhunderte lang sind? Und Du lässest zu, daß ich sterbe? Nein, das kannst Du nicht!«

Am Abend kam der Pfarrer und fragte mich ich weiß nicht was, denn ich war taub, ich antwortete nur ja, ohne zu verstehen, was er wollte. Der Krankenwärter sagte ihm, daß ich taub sei von dem Chinin, das der Chirurg mir verordnet hatte, und daß er mir seinen Wunsch aufschreiben möge. Darauf schrieb er: