Da man das Nest eines Eisvogels nicht leicht findet, so will ich euch etwas davon erzählen. Wenn das Weibchen Eier legen will, höhlen die Eisvögel eine Röhre mit einem Kessel am Ende in dem steilen Ufer aus und schießen, wenn das Nest fertig ist, so schnell hinein, daß man nicht sehen kann, wo sie geblieben sind.
Aber wenn man wüßte, wo es wäre und es von oben her aufgraben könnte, so würde man einen behaglichen Raum finden, ungefähr einen halben Fuß im Quadrat. Den Boden desselben haben die alten Eisvögel mit Fischgräten ausgepolstert. Sie bilden einen hübschen durchbrochenen Fußboden, durch den das Wasser ablaufen kann.
Auf dem Boden liegen einige glänzend weiße Eier. Gewöhnlich legt das Weibchen sieben. Und bald sind sieben kleine Eisvögel in dem Neste, von denen jeder die hübschen Farben hat, von denen ich euch erzählt habe. Der einzige Unterschied zwischen ihnen und den alten Vögeln ist der, daß ihre Schnäbel kürzer sind.
Wenn es schwer ist, das Nest eines Eisvogels zu finden, so wird man doch häufiger junge Vögel auf dem Flusse sehen. Ich ging einmal mit einem Freunde zum Angeln, und während seine Angelrute über dem Wasser hing, flogen plötzlich zwei junge Eisvögel auf und setzten sich darauf. Sie ruhten einen Augenblick und flogen dann weiter. Dasselbe Schauspiel wiederholte sich noch einmal. Es waren augenscheinlich junge Vögel, die gerade aus dem Neste kamen und noch nicht weit fliegen konnten.
Die Eisvögel sind die buntesten Vögel, die man auf dem Flusse sehen kann. Sie sehen so hübsch aus, wenn sie zwischen den grünen Blättern über dem Wasser hin und her fliegen, daß man sie immer gern wieder sieht, wenn man sie einmal beobachtet hat.
Lektion 6.
Die Wasserratte oder Wasserwühlmaus.
Habt ihr jemals eine Wasserratte gesehen? Ich meine nicht eine Landratte, die im Wasser schwimmt, sondern eine Wasserratte oder Wasserwühlmaus, wie sie genannt werden sollte, denn sie ist keine wirkliche Ratte. Ich beobachtete einmal eine solche unbemerkt. Was glaubt ihr, was sie machte? Sie saß auf den Hinterbeinen und hielt in den Vorderpfoten ein Blatt von der gelbblühenden Schwertlilie, die so dicht am Flußufer wächst. Es war das Stück des Blattes, das nahe an der Wurzel wächst und dick und saftig ist. Sie nagte so eifrig daran, daß sie mich zuerst gar nicht sah.
Es war ein tüchtiger kleiner Bursche, nicht ganz so groß wie eine Ratte. Sie nährt sich von Pflanzen. Wenn sie keine Blätter der gelben Schwertlilie bekommen kann, frißt sie Wasserlinsen oder selbst die Rinde junger Weiden. Ich konnte sehen, daß sie einen kurzen, dicken Hals und einen runden Kopf mit kurzer Schnauze hatte. Die Augen waren klein und die Ohren so dicht mit Pelz bedeckt, daß man sie kaum sehen konnte. Der runde Schwanz war nicht sehr lang und mit kurzen Haaren bedeckt.
Ich setzte mich in der Nähe still ans Ufer. Sofort blickte sie sich um und sah mich. Aber da ich mich nicht rührte, dachte sie vielleicht, daß ich nichts Lebendiges wäre und kaute an ihrem Blatte weiter.