Still! Macht kein Geräusch! Da sitzt ein Eisvogel auf dem Zweige eines Weidenbaumes, der über den Fluß hinüberhängt. Wenn wir ihn erschrecken, wird er fortfliegen, und wir werden ihn nicht wiedersehen.
Wie hübsch er sich aus dem Hintergrunde der grauen Blätter abhebt. Mit seinem langen Schnabel und stumpfen Schwanz ist er nicht viel größer als ein Sperling; er scheint alle Farben des Regenbogens an sich zu tragen.
Er hat einen blauen Streifen auf dem Rücken, Kopf und Flügel sind meergrün, mit blauen Flecken auf den Spitzen der Federn. Der Schnabel ist schwarz, Hals und Kehle sind weiß. Am Auge hat er einen von weichen weißen Federn umgebenen roten Streifen, und die Brust ist rostrot. Selbst die Füße sind rot und sehen auf dem dunklen Zweige ganz bunt aus.
Er sieht in die ruhige, tiefe Stelle des Flußes unter der Weide hinunter und beobachtet die dort schwimmenden Fische. Da! jetzt schießt er hinab! Nun ist er wieder oben und trägt etwas im Schnabel. Es ist ein kleiner Weißfisch. Er schlägt ihn mit dem Kopfe gegen den Zweig und schlingt ihn hinunter, mit dem Kopfe voran.
Eisvögel, unten das Männchen fischend.
II. 3.
Er fängt mehrere Fische in derselben Weise. Während er den letzten frißt, kommt ein anderer Eisvogel und setzt sich neben ihn. Es ist sein Weibchen, das in einiger Entfernung gefischt hat. Es ist nicht ganz so bunt wie das Männchen und hat einen kleinen roten Fleck unter der Kehle.
Nun fliegen sie fort und stoßen im Fluge einen scharfen Schrei aus, der wie „Tit-tit-tit“ klingt. Sie leben in den Büschen und Bäumen am Flußufer. Denn man muß nicht denken, daß Vögel immer in Nestern wohnen. Das Nest ist nur eine Wiege für ihre Eier und die Kleinen. Sobald sie fliegen können, verlassen es die jungen Vögel mit den Alten und wohnen in keinem Neste mehr, bis sie eins für ihre eigenen Eier bauen.