Mücke mit Larve. (Die Linien geben die wirkliche Größe an.)
Wie geschäftig die Fliegen mit den langen Flügeln und den drei langen Borsten an dem Hinterleibe sind! Es sind Eintagsfliegen, die über dem Wasser hin- und herfliegen. Sie suchen keine Nahrung, denn Eintagsfliegen fressen nicht und leben nur kurze Zeit. Aber sie haben lange Zeit als Larven unter dem Wasser gelebt wie die Larve der Wasserjungfer. Sie legen nur ihre Eier und sterben dann.
Die Mücken, die über jener tiefen, ruhigen Stelle in der Nähe der Mühle fliegen, sind ganz anders. Die eine hat mich gerade in die Hand gestochen und mir Blut ausgesogen und so weiß ich, daß sie Nahrung zu sich nimmt. Aber die Mücken haben auch kein so langes Leben im Wasser wie die Eintagsfliegen.
Diese Mücken sind erst vor einigen Wochen ans Licht der Welt gekommen. Die weibliche Mücke legt einige klebrige Eier, nicht größer als die Spitze einer Stecknadel, auf die Oberfläche des Wassers. Bald kriechen aus den Eiern Larven aus, die wie winzige Würmchen aussehen und feine Härchen an den Seiten haben. Sie schwimmen im Wasser umher und nähren sich von kleinen Stückchen der Wasserpflanzen.
Warum schwimmen sie wohl mit den Köpfen nach unten? Weil sie nur durch eine Öffnung am Hinterleib atmen können und deshalb denselben in die Luft emporstrecken müssen.
In ungefähr drei Wochen wechselt jede Larve ihre Haut dreimal. Nach der vierten Häutung ist die Larve von einer Hülle umgeben, und wenn man genauer hinsieht, erkennt man eine vollständige Mücke mit Flügeln im Innern der Umhüllung.
Nun muß sie auskriechen, und das ist sehr gefährlich. Denn wenn sie dabei ins Wasser fällt, muß sie ertrinken. Darum streckt sie sich vorsichtig auf der Oberfläche des Wassers und beginnt den Kopf durch einen Schlitz in der Umhüllung zu stecken. Dann kriecht sie langsam heraus und steht auf den Fußspitzen auf der leeren Haut, die wie ein Boot auf dem Wasser schwimmt. Sie breitet die Flügel aus, und nun ist sie endlich in Sicherheit: sie fliegt fort. Manchmal weht der Wind sie um, ehe sie ganz auskriechen kann, und dann ertrinkt sie.
Wenn man im Monat Mai einen Eimer Wasser aus einem Teiche holt und ihn im Freien hinstellt, kann man vielleicht die Mücke aufwachsen sehen, denn es ist sehr wahrscheinlich, daß eine Menge darin sind. Aber man muß scharfe Augen haben, da die Larven sehr klein sind.
Und nun geht die Sonne unter, und Vögel, Tiere und Blumen gehen zur Ruhe. Bald werden die Nachtschmetterlinge, die Eulen und Fledermäuse hervorkommen. Wir müssen nach Hause gehen.