Lektion 10.
Die Familie des Fischotters.
Gegen fünf Uhr morgens untersuchte Wilhelm, der Sohn des Wildhüters, die Fallen, die für Wiesel, Iltisse und anderes Raubzeug gelegt waren. Sein Weg führte ihn über eine Brücke, die über den Fluß ging, und als er in die Nähe derselben kam, hörte er ein sonderbares Pfeifen.
Fischotter, einen Fisch fressend.
II. 7.
Nun hatte Wilhelm, der auf dem Lande groß geworden war, ein scharfes Ohr für die Stimmen der Tiere. Er wußte, daß dieses Pfeifen von einem männlichen oder weiblichen Otter herrührte, der im Flusse mit seinen Jungen fischte.
Gerade unter der Brücke, wo das Ufer sehr hoch war, wuchs eine alte Weide mit weit über das Wasser hängenden Zweigen. Das Wasser hatte das Ufer unter der Weide fortgewaschen, so daß zwischen ihren starken Wurzeln ein großes Loch entstanden war.
Wilhelm wußte nun, daß dieses Loch der Bau eines Fischotternpaares war. Manchesmal hatten die Otterhunde im Wasser bei diesem Loche gestanden und mit aller Kraft gebellt. Aber sie konnten nicht hinein, und die Otter waren viel zu vorsichtig, um herauszukommen.
Die Hunde waren jetzt weit fort, und alles war an diesem frühen Morgen ganz still. Daher legte sich Wilhelm in das dichte Gras oben auf dem Ufer und wartete: Nach einer Weile kam der Otter geräuschlos dahergeschwommen, und zwar so, daß nur die Nase aus dem Wasser hervorsah.