Es gibt eine hübsche kleine Wespe, die Mauer- oder Lehmwespe (vergl. bunte [Tafel V.] 1), die man im Juni oder Juli beobachten kann, wie sie den Mörtel in einer Gartenmauer benagt oder Löcher in sandigen Abhängen gräbt. Sie ist kleiner und dunkler gefärbt als die gewöhnliche Wespe und hat einige glänzend gelbe Streifen auf ihrem Hinterleibe. Sie höhlt einen Gang im Mörtel aus und häuft die ausgegrabenen Stückchen um die Ausgangsöffnung auf. Nachdem sie dann hineingekrochen ist, um nachzusehen, ob alles in Ordnung ist, kommt sie wieder heraus und fliegt fort. Bald darauf kehrt sie mit einer kleinen grünen Raupe zurück. Sie trägt diese hinein und geht dann auf die Suche nach einer zweiten und dritten, bis sie ungefähr fünfzehn bis zwanzig herbeigebracht hat.

Wenn man nun den Mörtel an der Mauer abkratzt, um den Gang zu öffnen, so wird man an dessen Ende ein Ei finden, das an einem Faden hängt. Die Wespe hat das Ei hierher gelegt, ehe sie die erste Raupe holte. Zwischen diesem Ei und der Ausgangsöffnung liegen die 15 kleinen Raupen zusammengekrümmt nebeneinander. Das Sonderbarste dabei ist, daß sie nicht tot sind. Die Wespe hat sie nur mit ihrem Stachel gelähmt, so daß sie nicht entwischen können. Wenn man das Nest nicht zerstört, wird sie die Ausgangsöffnung mit den um dieselbe aufgehäuften Mörtelstückchen schließen und es verlassen. Nachdem die Larve dann die Raupen gefressen und sich in eine Wespe verwandelt hat, wird diese sich mit ihren Kiefern den Weg ins Freie bahnen.

Vielleicht findet ihr auch einige von den Sandwespen (vergl. bunte [Tafel V.] 2), die so viele Löcher in die sandigen Abhänge auf Heiden oder überall da graben, wo es sonnig und warm ist. Eine derselben bringt Spinnen in das von ihr gegrabene Loch, damit ihre Larven sich davon nähren können. Sie hat einen schwarzen, sehr behaarten Kopf und ein gleiches Bruststück; dann folgen drei rote oder rosarote Hinterleibsglieder, während der Rest dunkelbraun ist. Sie ist sehr stark und kann eine große Spinne in ihre Höhle schleppen.

Ich habe keine Zeit mehr, um euch noch mehr von diesen sonderbaren Wespen zu erzählen, von denen einige ihre Nester mit Käfern, andere mit Grashüpfern füllen. Aber nun ihr etwas von ihnen wißt, könnt ihr denen, die ihr seht, folgen und ihre Gewohnheiten selbst beobachten, was die beste Art und Weise ist, sie kennen zu lernen.

Suche ein altes Wespennest und zeichne es. Merke dir die Gestalt der gemeinen Wespe und vergleiche sie mit anderen, die du findest. Achte besonders auf den Unterschied in dem Röhrchen, das die Brust mit dem Hinterleib verbindet.

Lektion 8.
Einzeln lebende Bienen.

Wir alle kennen den Bienenkorb sehr gut, aber vielleicht habt ihr noch nicht bemerkt, daß noch andere Arten von Bienen im Garten umherfliegen. Einige von ihnen sind ungefähr von derselben Größe wie die Honigbiene; einige sind viel kleiner, und sie sind verschieden gezeichnet.

Die meisten dieser anderen Arten sind einzeln lebende Bienen. Es gibt unter ihnen keine geschlechtslosen Arbeiter, sondern nur Männchen und Weibchen, die paarweise leben. Andere leben in großen Mengen in den Löchern sandiger Abhänge, aber sie arbeiten nicht zusammen.

Wenn Efeu an den Wänden eures Hauses wächst, so habt ihr vielleicht schon Bienen bemerkt, die in die Blüten hinein- und herausschlüpfen. Unter diesen wird wahrscheinlich eine sein, ungefähr 2 cm lang, mit einem schwarzen Körper, der mit gelbbraunem Flaum bedeckt ist. Sie hat zwei kleine Hörner am Kopfe und heißt die „zweihörnige Mauerbiene“ (vergl. bunte [Tafel VI.] 1).

Hat man Gelegenheit, eine solche Biene zu beobachten und ihr zu folgen, so kann man sie in einen vermoderten Pfosten oder Baumstumpf fliegen sehen. Wenn man dann in der Nähe des Flugloches einschneidet, so wird man ein sonderbares Nest finden. Denn diese Biene bohrt einen langen Gang und baut eine Zelle aus Wachs an dessen unterem Ende. Hier legt sie ein Ei hinein und häuft rings herum Bienenbrot auf, das aus Blütenstaub und Blumenhonig besteht. Sie hat kein Körbchen an den Hinterbeinen wie die Honigbiene, daher trägt sie den klebrigen Blütenstaub an den dicken Haaren unter ihrem Körper herbei und kratzt ihn von diesen mit einem Kamme ab, der an ihrem Beine sitzt.