Die Wespen bauen nicht nur Zellen, sie bedecken das Nest auch mit mehreren papierartigen Hüllen, die gleich einem offenen Regenschirm von dem Klumpen an der Decke herabhängen. Diese Hüllen umschließen mehrere wagerechte Waben. Eine fertige Wabe sieht aus wie ein runder Teller, der oben glatt ist, und an dessen Unterseite eine große Anzahl von Zellen sitzen, die alle nach unten geöffnet sind.

1. Männchen. 2. Königin. 3. Arbeiter.

An mehrere Säulchen unter diese Wabe kleben die Wespen nun eine neue darunterliegende fest, die sie in derselben Weise bauen wie die erste. So geht es weiter bis zum August, wo vielleicht fünfzehn bis sechszehn flache, runde Waben untereinanderhängen; sie sind durch jene senkrechten Säulchen verbunden. Dann werden die papierähnlichen Hüllen bis zur Unterseite des Nestes heruntergebaut, so daß es eine runde oder eiförmige Gestalt hat. Diese Hüllen verhindern, daß die Feuchtigkeit in das Nest eindringt.

Tafel V

Einzellebende Wespen.
1. Lehmwespe. 2. Sandwespe.

Im August bauen die Wespen größere Zellen, aus denen männliche Wespen oder Drohnen und Königinnen auskriechen. Die Drohnen haben längere Fühler als die Arbeiter. Die Königinnen sind größer als die Drohnen und die Arbeiter. Sie fliegen bald aus dem Neste, um sich mit den Drohnen zu paaren; wenn dann der Winter kommt, töten die Wespen die übrig bleibenden Larven, werden selbst schläferig und schwerfällig und alle sterben bis auf die Königinnen, die bis zum nächsten Frühjahr schlafen. Weiß man nun, wo sich ein altes Nest befindet, so kann man es vorsichtig ausgraben und sich den langen Gang ansehen, durch den die Wespen aus- und eingingen, um die Stelle verborgen zu halten, wo sich das Nest befand.

Einige Wespen bauen unter Hausdächern, besonders die großen Hornissen, falls sie nicht einen alten Baumstamm wählen. Im Walde findet man zuweilen das Nest der Waldwespe unter den Zweigen eines Baumes hängend, obwohl man es kaum bemerken würde, wenn man nicht einer solchen Wespe bis zu ihrem Heim folgt. Diese Nester sind gebaut wie die der anderen Arten und haben nur eine mehrfache Hülle und eine dicke aus papierähnlicher Masse bestehende Säule in der Mitte.

Außer den gewöhnlichen Wespen gibt es eine große Menge kleinere, von denen ihr vielleicht einige finden könnt. Sie sind sehr interessant, weil sie Insekten in ein Loch tragen und sie mit ihren Eiern begraben, so daß die jungen Larven beim Auskriechen Futter vorfinden.