Säge sie in der Mitte durch und kratze alles Fleisch aus der einen Hälfte heraus. Bohre zwei Löcher in den Rand, hänge sie an einer durchgezogenen Schnur auf und gieße etwas Wasser hinein. Die Vögel werden sich auf den Rand setzen und trinken. Da sie die Nuß dabei in schwingende Bewegung setzen, so wird das Wasser nicht gefrieren. Dann hänge die andere Hälfte in derselben Weise auf, aber laß den Kern darin. Die Meisen werden daran picken und sich um die süße Nahrung streiten, bis alles verzehrt ist.
Eine große Zahl von Vögeln wird herbeikommen: Finken, Sperlinge, Zaunkönige, Gold- und Grauammern, Haubenlerchen, Amseln, Dohlen, Krähen und viele andere. Dann kannst du viele von ihnen näher betrachten und dir ihre Unterschiede in Körperbau und Färbung einprägen. Selbst der so scheue Eichelhäher kommt im strengen Winter bis in die Gärten der Dörfer.
So kann man die Vögel aus einer viel geringeren Entfernung beobachten als sonst, und im nächsten Sommer, wenn sie in den Bäumen singen, werden sie uns alte, gute Freunde sein.
Macht eine Liste der Vögel, die im Winter zu euch kommen, um Futter zu holen.
Lektion 11.
Andere kleine Vögel.
Es gibt noch viele andere kleine Vögel, die ihr vielleicht selbst ausfindig machen würdet, aber ich möchte euch doch von einigen, die interessant sind, erzählen. Da ist zuerst der Stieglitz, der uns so nützlich ist, weil er Distel- und Löwenzahnsamen frißt. Er baut ein hübsches kleines Nest aus feinen Wurzeln, Wolle und Pferdehaaren und polstert es oft mit dem weichen Flaum des Huflattichs aus, jener großen gelben Blume, die im Frühling blüht, und deren Fruchtknoten wie mit Federn besetzt ist. Der Stieglitz hat eine schönrote Stirn und Kehle und schwarze Flügel mit einem leuchtendgelben Spiegel und weißen Tupfen. Ihr könnt ihn leicht vom Dompfaffen unterscheiden, da seine Brust hellbraun ist, während der Dompfaff eine leuchtendrote Brust und grau und schwarze Flügel hat.
Dann ist da der Hänfling mit roter Brust, braunen Flügeln und einem roten Fleck auf dem Kopfe. Die Hänflinge wechseln in den verschiedenen Jahreszeiten die Farbe. Im Winter ist die Brust grau und braun gestreift.
Alle Vögel mausern sich, d. h. sie wechseln wenigstens einmal im Jahre ihre Federn. Die Männchen sind fast immer bunter gefärbt, wenn sie ihre Nester bauen. Man wird auch bemerken, daß die Weibchen kaum je so bunt sind wie die Männchen. Das hat wahrscheinlich seinen Grund darin, daß die brütenden Weibchen unscheinbar gefärbt sein müssen, um verborgen zu bleiben.
Hänflinge sieht man im Winter in großen Scharen in Gesellschaft anderer Vögel. Abends fallen sie massenhaft in Sträucher und Büsche ein, um dort zu schlafen. Es ist traurig, daß Stieglitz und Hänfling gefangen und als Stubenvögel verkauft werden. Das trägt auch dazu bei, daß es lange nicht mehr so viele von diesen Singvögeln in Deutschland gibt, als früher vorhanden waren.
Hoffentlich seht ihr auch einmal die Spechtmeise oder den Kleiber, einen kleinen Vogel mit graublauem Schnabel mit dunklerer Spitze, aschgraublauem Rücken und Flügeln und rötlich-rostgelber Brust. Man kann ihn oft in Obstgärten im Herbste sehen, wenn die Nüsse reif sind. Manchmal erblickt man ihn, wie er mit dem Kopfe nach unten an einem Nußbaum hinunterklettert. Er steckt die Nüsse in die Ritzen der Bäume und hämmert mit dem Schnabel darauf, bis die Schalen springen. Gelegentlich findet man auch einen kleinen Vorrat von Nüssen, den er am Fuße des Baumes versteckt hat. Er nährt sich auch von anderen Sachen außer Nüssen und Bucheckern und wird gern im Winter an einem Stückchen Speck picken, das man für ihn hinhängt.