Man wird traurig, wenn man darüber nachdenkt, wie viele kleine Vögel verhungern. Die Kälte schadet ihnen nicht so viel, denn, wie ihr wißt, hält die Luft unter den Federn sie warm. Aber in einem strengen Winter sterben sie oft aus Mangel an Nahrung. Wenn man ein totes Rotkehlchen oder einen Star, der im Herbst nicht rechtzeitig wegzog, oder eine Krähe nach einem langen Froste aufhebt, so wird man finden, daß die Knochen nur noch mit Haut und Federn bedeckt sind. Das Fleisch ist fast gänzlich verschwunden.
Da ist es höchste Zeit, freundlich gegen die kleinen Vögel zu sein, die euch den ganzen Sommer durch ihren Gesang erfreut haben. Damals waren sie nützlich, indem sie Raupen, Larven, Drahtwürmer, Maden und Schnecken vertilgten und das Unkraut dadurch niederhielten, daß sie dessen Samen fraßen. Jetzt kannst du sie eine kurze Zeitlang füttern, bis Frost und Schnee vorbei sind.
Auf diese Weise wird man sehr viele Vögel kennen lernen, und man braucht ihnen nur etwas Abfall zu geben, den man sehr gut entbehren kann. Einige Vögel lieben, wie ihr euch erinnern werdet, Samen, Krumen und grüne Nahrung. Andere, die im Sommer von Insekten leben, werden Knorpel und etwas Fett vorziehen.
Man muß also jeden Abfall von den Mahlzeiten aufheben — Brotkrusten, Krumen, kalte Kartoffeln und Kartoffelschalen. Man kann die Mutter bitten, Pellkartoffeln zu kochen, deren Schale die Vögel lieben. Vielleicht kann man auch Kohlblätter, Abfall von Äpfeln und etwas Fett aufheben.
Alles dies gibt eine gute Nahrung für die hungernden Vögel, wenn man es zusammenhackt und etwas heißes Wasser darübergießt. Und lebt man auf dem Lande, so kann man Getreidekörner in den Ställen zusammenfegen, ehe sie mit dem Dünger fortgeworfen werden.
Fressende Vögel im Winter.
Dann fegt man den Schnee vor der Haustüre fort, streut das Futter aus und zieht sich zurück. Bald werden die Vögel herbeikommen, und in einigen Tagen werden sie schon dasitzen und auf ihr Frühstück warten, ehe man es ihnen bringt.
Man darf auch nicht vergessen, eine Speckschwarte in einen Baum zu hängen, damit man die Meisen beobachten kann, wie sie mit dem Kopfe nach unten an dem Bindfaden hängen und an der Schwarte picken. Und wenn man einen Knochen mit etwas Fleisch daran aufhängt, so werden sich neben den Meisen auch zuweilen andere Kostgänger einfinden.
Denkt dabei auch daran, daß die Vögel auch trinken müssen. Man gießt etwas Wasser in einen Napf, muß es aber bei Frostwetter öfters erneuern. Hat man aber einige Groschen für eine Kokosnuß übrig, so kann man sie in doppelter Weise benutzen.