Diese Scharen verschiedener Vögel fliegen munter von einem Felde zum andern; sie halten zusammen oder zerstreuen sich zuweilen auf ihrer Suche nach Futter.
Nachdem viele unserer Zugvögel nach dem sonnigen Süden weggeflogen sind, kommen andere Vögel aus noch kälteren Ländern zu uns. Zunächst erscheinen Krammetsvögel, die aber bloß durchziehen. Sie fliegen in Scharen von 40–50 Stück, wirbeln in der Luft umher und setzen sich dann in Ebereschen- oder Holunderbüsche, um Beeren zu fressen oder suchen Würmer und Sämereien auf dem Boden. Es sind zierliche graue Vögel mit rotbraunen Schwingen und gesprenkelter Brust. Leider kann man sie selten nahe genug beobachten; denn sie sind sehr scheu. Bei dem leisesten Geräusch fliegen sie sofort auf und sind über das Gebüsch hinweg verschwunden, um an einem andern Orte weiter nach Futter zu suchen. Sie ziehen meist noch weiter nach Süden und kehren im Frühjahr nach den nördlichen Ländern zurück, wo sie brüten.
Die meisten unserer Stare ziehen auch nach Süden und vereinigen sich dazu im Herbste in gewaltigen Schwärmen, die wie kleine dunkle Wolken am Horizont erscheinen. Zu uns kommen dann aus Rußlands Norden die grauen Nebelkrähen, die sich zwischen unsere schwarzen Saat- und Rabenkrähen mischen. In sehr strengen Wintern können wir zuweilen Vögel aus den nördlichsten Gegenden Schwedens und Rußlands bei uns beobachten, wie z. B. die Seidenschwänze, Tannenhäher und Schneeammern, die aber schon im Februar, sobald das Wetter gelinder wird, wieder dem hohen Norden zuwandern.
Wenn so die Singvögel im Winter verschwunden sind, kannst du nach allen diesen andern Vögeln ausschauen und beobachten, was sie fressen, und wo sie schlafen. Stelle auch fest, wann du sie zuerst gesehen, und wann die letzten von ihnen wieder weggezogen sind. Der kleine Zaunkönig und die Amsel aber singen das ganze Jahr hindurch, auch im Winter, sobald das Wetter mild ist.
Stelle eine Liste der Zugvögel auf, die du im Winter nicht siehst. Schreibe alle Vögel auf, die im Winter bei uns sind und im Frühjahre wegziehen. Fertige eine Liste derjenigen Vögel an, die du das ganze Jahr über siehst.
Lektion 10.
Vogelfutter im Winter.
Wenn Weihnachten vorbei ist, und die wirkliche Winterkälte beginnt, haben die armen kleinen Vögel oft eine harte Zeit. So lange das Wetter mild ist, pickt die Drossel die Larven und Schnecken aus ihrem Versteck in den Mauern und Zäunen. Das Rotkehlchen und der Zaunkönig fliegen geschäftig umher und suchen nach Samen und Insekten. Die kleinen Bachstelzen laufen mit den Schwänzen wippend über den Rasen und suchen eine einzelne Larve oder einen letzten Käfer zu finden. Im Walde jagt der Baumläufer nach Spinnen und Insekteneiern in der Rinde der Bäume, und die Eichelhäher und Hohltauben suchen Nahrung unter den Buchen.
Aber beim Eintreten von hartem Froste sehen die Vögel sehr traurig aus. Die Lerchen und Hänflinge ducken sich in die Furchen der Kornfelder, um sich zu wärmen. Die Drosseln fliegen von Baum zu Baum und suchen die letzten Beeren ab. Die Finken und Goldammern fliegen um die Getreideschober der Landleute, um einige Weizen- oder Haferkörner oder etwas Grassamen zu erwischen. Die Wacholderdrosseln wandern traurig in Scharen umher. Die Krähen, Dohlen und Elstern fliegen kreischend und krächzend von Feld zu Feld und suchen eine Stelle, wo der Wind den Schnee fortgeweht hat, so daß sie in den Furchen picken können. Der Kiebitz, den man an der Federhaube erkennen kann, die auf seinem Kopfe steht, fliegt, traurig sein Kiwitt, Kiwitt rufend, im Herbste in Scharen auf die frischgepflügten Felder und wendet sich dann immer mehr dem warmen Süden zu, wo der Winter keine Schnee- und Eisdecke über Feld und Sumpf legt.
Stare bei Schnee.