Sobald der Sommer vorbei ist, gibt es nicht mehr so viele Nahrung für die Vögel, und einige fangen an, fortzuziehen. Diejenigen, welche von Insekten leben, gehen zuerst. Der Kuckuck ist meist schon gegen Ende Juli fort. Auch die Turmschwalben ziehen schon in den letzten Tagen des Juli von Mitteldeutschland fort, und gegen Mitte September, wenn die Rauch- und Hausschwalben nur noch wenige Fliegen, Mücken und Motten finden, machen auch diese sich für ihre lange Reise fertig.

Durch scharfes Aufpassen könnt ihr unsere Schwalben gegen Mitte September sich auf einem Kirchturm oder dem Dache einer Scheune versammeln sehen; sie fliegen dann zusammen fort und lassen sich in der Nacht auf Bäumen zur Ruhe nieder. Dies tun sie niemals im Sommer. Da schlafen sie auf den Balken einer Scheune oder unter irgend einer Dachtraufe und halten sich immer in der Nähe der Häuser. Auch ehe sie im Herbst fortziehen, sammeln sie sich meist in der Nähe menschlicher Wohnstätten, z. B. gern in langen Reihen auf Telegraphendrähten.

Wegzug der Schwalben.

Hausschwalbe (unten); Rauchschwalbe, ein Junges fütternd.

IV. 5.

In der Frühe eines Morgens verschwinden sie dann alle. Sie fliegen in großen Scharen, Hunderte von Meilen weit nach Afrika, wo sie den ganzen Winter hindurch warmes Wetter und Insekten haben. Ihr werdet sie vor April des nächsten Jahres nicht wieder sehen.

Die kleinen Fliegenschnäpper und die Nachtigallen ziehen ungefähr um dieselbe Zeit fort wie die Schwalben, und der kleine Weidenzeisig geht im Oktober. Die meisten Bachstelzen und Rotkehlchen verlassen uns auch; aber oftmals versuchen einige, bei uns zu überwintern. Es ist sehr interessant, die verschiedenen Vögel zu beobachten und aufzupassen, wann sie kommen und gehen, und ob man viele oder wenige von derselben Art findet.

Man wird bemerken, daß im Winter die kleinen Vögel in Scharen umherfliegen, anstatt allein oder zu Paaren zu bleiben wie im Sommer, wenn sie ihre Nester und ihre Familien haben. Vom September an kann man sehr viele Lerchen zusammen sehen. Manchmal sieht man nur männliche Finken zusammen und ebenso die weiblichen für sich allein. Häufig gesellen sich zu den Finken noch verwandte Körnerfresser, wie Grünfinken, Stieglitze und Goldammern. Sie suchen nach Samen und schlafen nachts auf dem Erdboden oder in Büschen. Aber die Dompfaffen mit ihren blauschwarzen Flügeln und der breiten roten Brust halten nur in kleinen Scharen zusammen und fliegen in einer Linie, einer hinter dem andern, an den Hecken entlang.