Untersuche eine tote Ente. Achte auf die Schwimmhaut, die Teile des Schnabels, die dicke Daunenschicht, die glänzenden fettigen Federn, die im Wasser nicht naß werden. Zeichne den Fuß der toten Vögel, die du findest.
Lektion 15.
Die Feinde der Vögel.
Fast jeden Morgen, wenn ich erwache, höre ich einen sonderbaren Schrei wie „dack, dack, dack“ aus meinem Garten, und ich weiß, daß, wenn ich hinausgehe und mich umsehe, ich die Katze irgendwo entdecken werde. Manchmal stoßen alle Vögel zugleich denselben Schrei aus, und wenn die Katze sich auf dem Rasenplatz befindet, so habe ich schon gesehen, wie manche Vögel nach ihr herunterschießen und drohen, sie in den Rücken zu stoßen, und wieder emporsteigen, ehe sie sich umdrehen kann.
Die Vögel wissen nämlich sehr gut, daß die Katze ihr Feind ist, und erheben bei ihrem Herannahen ein scheltendes Geschrei, besonders wenn sie Junge haben.
Habt ihr wohl, wenn ihr behaglich im Bette liegt, schon einmal daran gedacht, wie viele Gefahren es für die kleinen Vögel draußen gibt? Die Eule, die an der Hecke umherstreift, sieht nach brütenden Weibchen und jungen Vögeln aus. Die Katze klimmt vielleicht am Baum empor und faßt mit ihren scharfen Krallen ins Nest. Wiesel und Iltis machen Jagd auf alle Vögel, die dicht am Erdboden oder selbst auf diejenigen, die in Bäumen schlafen, und Schlangen fressen gern Eier zum Frühstück und lieben sie ebenso sehr wie wir.
Der Fuchs ist ein schlimmer Feind der am Boden lebenden Vögel. Rebhühner, Fasanen und Birkhühner fürchten den Fuchs bei Nacht ebenso sehr wie das Geflügel auf den Bauernhöfen, während bei Tage der Habicht der Schrecken aller Vögel ist. Die brütende Lerche duckt sich in ihr Nest in der Hoffnung, daß das Gras sie verbirgt; das Männchen sucht, wenn es singend in der Luft schwebt, dem Räuber durch schnelles Steigen und Fallen zu entgehen. Andere kleine Singvögel verstecken sich in die Büsche; Rebhühner suchen Deckung, und wilde Tauben verbergen sich im Walde, wenn ein Habicht in der Nähe ist.
Wiesel auf der Jagd nach jungen Rotkehlchen.
Alle diese Feinde der Vögel müssen natürlicherweise diese umbringen, um sich Nahrung zu verschaffen, wie auch der Mensch Vögel tötet, um sie zu verzehren. Aber wir sollten nicht ihre Nester zerstören oder ihre Eier fortnehmen, oder sie, wie viele tun, in Netzen fangen, um sie in Käfige zu setzen oder ihre Federn als Schmuck zu verwenden.
Viele Vögel, die vor dreißig Jahren noch ganz gewöhnlich waren, sind jetzt selten, weil große Mengen von Eiern und Vögeln vernichtet werden. Um dieser Verminderung Einhalt zu tun, ist im Jahre 1908 ein „Vogelschutzgesetz“ erlassen. Dieses verbietet nicht nur das Ausnehmen von Eiern und Töten der jungen Vögel, sondern auch das Zerstören und Ausheben von Nestern oder Brutstätten der Vögel. Nur Möwen- und Kiebitzeier dürfen eine kurze Zeit gesammelt werden. Ferner wird jede Art des Nachstellens und des Fangens von Vögeln mit Netzen, Schlingen, Leimruten oder anderen Fangapparaten nachdrücklichst verboten. Wenn an manchen Orten, wie z. B. Weinbergen, Obstgärten, Feldern und Schonungen Vögel sich in Scharen ansammeln und Schaden anrichten, so können die Eigentümer der Grundstücke sich der ungebetenen Gäste durch Scheuchen wehren; zum Töten mit Schußwaffen müssen sie sich zuvor Erlaubnis geben lassen. Einige wenige Vogelarten, die vorwiegend schädlich sind, stehen nicht unter dem Schutze dieses Gesetzes; dazu gehören Sperling, Würger, die Rabenarten, sowie Elster und Eichelhäher, die Wasserhühner, Reiher, Säger und die meisten Raubvögel, von denen aber Turmfalke, Bussard, Gabelweih, Adler, Eule und Kauz nicht verfolgt werden dürfen.