Zaunkönige bauen an allen möglichen sonderbaren Plätzen, in Mauern und Bäumen, in Felsenspalten, in Hecken und an Flußufern. Wenn man sich in der Nähe eines Nestes, in das der Zaunkönig seine Eier gelegt hat, umsieht, so wird man oft einige ganz gleich gebaute Nester in der Nähe finden, die aber nicht mit Federn ausgepolstert sind. Sie werden meist nur von männlichen Vögeln bewohnt, denen sie als Schlafnester dienen. Genaueres aber, weshalb die Vögel sie bauen, wissen wir nicht. Vielleicht findet ihr es einmal heraus, wenn ihr aufpaßt. Der kleine Weidenlaubsänger (Weidenzeisig) versteckt sein Nest in Hecken oder an Ufern, und die weißköpfige Schwanzmeise baut gern in dichte Sträucher und Hecken. Man beobachtete einmal zwei Zaunkönige, die ihr Nest in einem Wacholderbusch bauten. Sie fingen um sieben Uhr morgens an. Das Weibchen brachte Blätter von einer Linde. Es legte ein Blatt in die Gabelung zweier Zweige und die anderen darum herum. Dann holte es mehr. So ging es den ganzen Tag; es holte Blätter und webte sie zusammen mit Moos, und inzwischen sang ihr das Männchen aus der Spitze des Busches sein Lied.
Gegen sieben Uhr abends hatte es die Außenseite des Nestes fertig in der Form eines Balles mit einem Loch in der einen Seite.
Am nächsten Tage fingen die beiden Vögel um halb vier Uhr morgens an, zusammen zu arbeiten.
Sie arbeiteten acht Tage lang und brachten Moos und Federn herbei. Als sie fertig waren, bildete das Nest eine feste kleine Kugel, im Innern mit einer dicken Schicht von Federn ausgepolstert, damit die winzigen Kleinen warm darin liegen könnten, wenn sie ausgebrütet wären.
Dann legte das Weibchen fünf kleine weiße Eier mit roten Punkten und brütete 14 Tage, während das Männchen ihm etwas vorsang und ihm Insekten zur Nahrung brachte.
Untersuche Nester. Von Lehm gebaute — Rauchschwalbe, Hausschwalbe. Grob gewobene — Haussperling. Tassenförmige — Hecken-Braunelle, Fink. Gewobene und mit Lehm ausgelegte — Drossel.
Lektion 4.
Vogeleier.
Wenn ihr die Nester verschiedener Vögel betrachtet habt, so werdet ihr wahrscheinlich den Wunsch haben, auch die Eier kennen zu lernen. Versucht zuerst, einige Nester zu finden, die in der Nähe eures Hauses sind. Einige sind so gut verborgen, daß ihr darauf achten müßt, wo die alten Vögel ein- und ausgehen, ehe ihr sie finden werdet. Andere, wie die Nester von Krähen, Elstern und Dohlen, sind leicht zu sehen, aber nicht leicht zu erreichen.
Nimm die Eier nicht aus! Aus jedem wird sich ein glücklicher kleiner Vogel entwickeln, und wenn du das Ei nach Hause tragen wolltest, würde es nur zerbrechen. Euer Lehrer wird wahrscheinlich in seiner Sammlung von jeder Art eins haben, das genügen wird, um es der Klasse manches Jahr lang zu zeigen.
Aber sieh dir die Eier im Neste aufmerksam an. Dann wirst du sie wiedererkennen, wenn du sie irgendwo wiederfindest. Zähle, wie viele es sind, und achte darauf, ob später noch mehr gelegt werden. Dann berechne, wie lange es dauert, bis die Eier ausgebrütet sind, nachdem das letzte gelegt worden ist. Ihr werdet finden, daß das Brüten bei kleinen Vögeln 14 Tage, bei Krähen und Tauben einige Tage länger dauert. Dann könnt ihr das Füttern der Jungen beobachten, über die wir in den beiden nächsten Lektionen sprechen wollen.