Es ist besser, die Eier gar nicht zu berühren; denn einige Vögel, wie die Holztaube, werden das Nest sofort verlassen, wenn die Eier angefaßt worden sind. Andere Vögel sind nicht so eigen. Ein Naturforscher erzählt, daß er als Knabe die Nester von Regenpfeifern aufsuchte und sich damit vergnügte, das breite Ende der Eier in die Mitte des Nestes zu drehen. Sobald die ordentliche Mutter zurückkam, drehte sie die Eier stets wieder mit der Spitze nach der Mitte hin. Der junge Vogel kriecht immer am breiten Ende aus, und so gibt ihnen die Lage nach außen mehr Platz, wenn sie auskommen.

Buchfink mit Nest, oben das Weibchen.

IV. 2.

Wenn ihr eine Taxushecke im Garten habt, so werdet ihr vielleicht ein Drosselnest in ihr finden mit 4 oder 6 schönen blauen Eiern darin, ungefähr einen Zoll lang und mit schwarzen Flecken am breiten Ende (siehe [bunte Tafel I]). Die Drossel-Mutter wird euch tüchtig auszanken und vielleicht das Nest nicht verlassen; so müßt ihr den Augenblick wahrnehmen, wenn sie fort ist. Ihr findet auch vielleicht ein Amselnest in der Nähe. Ihr könnt es leicht vom Drosselnest unterscheiden, da es mit feinem Gras ausgepolstert und nicht so hart im Innern ist. Die Eier sind grünlich mit rotbraunen Flecken. Die Misteldrossel baut ihr Nest gewöhnlich in einen Baum und legt lichtgraugrünliche Eier, die rötlichbraun und hellila gefleckt sind.

Der Buchfink nistet gern in der Nähe der Häuser oder in den Apfelbäumen des Obstgartens; und ein Dompfaffenpaar baut vielleicht sein Nest im Efeu der alten Gartenmauer, obwohl sie sehr scheue Vögel sind. Die Eier des Finken sind von einer grünlichen Farbe mit bräunlichen Flecken (siehe [bunte Tafel II]). Sie sind ungefähr ein Drittel so groß wie die Eier der Drossel. Die des Dompfaffen sind hellblau mit braunen Flecken.

Seid vorsichtig, wenn ihr in das Nest des Dompfaffen sehen wollt. Sollte auch das Weibchen still sitzen bleiben, so wird das Männchen doch zornig werden und es vielleicht veranlassen, vom Neste zu gehen, sobald es euch sieht.

Ihr müßt eine Leiter haben, wenn ihr in ein Nest der Hausschwalbe sehen wollt, denn sie bauen unter der Dachtraufe, und wenn ihr nun ein wenig von dem Neste abreißt und hineinblickt, so vergewissert euch, daß ihr die rechten Eier zu sehen bekommt; denn Sperlinge pflegen oft Schwalbennester einzunehmen und ihre Eier hineinzulegen. Man kann dies leicht herausfinden, wenn man aufpaßt, was für ein Vogel in das Nest hineinfliegt. Aber wenn dies nicht möglich ist, so muß man nach der Farbe der Eier urteilen. Das Ei der Hausschwalbe ist weiß und nicht gefleckt. Das Ei eines Sperlings ist grau mit braunen Punkten. Wenn der Sperling sein eigenes Nest baut, so macht er es aus Stroh oder Heu und polstert es mit Federn aus. Es enthält 5 oder 6 Eier.

Es ist leichter, in das Nest einer Rauchschwalbe hineinzusehen als in das einer Hausschwalbe, da das erstere oben offen und oft auf einem Balken im Stalle angebracht ist. Man wird ungefähr fünf weiße Eier mit dunkelroten Flecken darin finden. Beobachtet diese Nester sorgfältig! Wenn die Eier ausgebrütet sind, ist es hübsch zu sehen, wie die alten Schwalben ihre Jungen lehren, Fliegen zu fangen (siehe [bunte Tafel V]).

Wir dürfen die Rotkehlchen nicht vergessen, obgleich ich annehme, daß ihr die Eier derselben kennt. Sie sind weiß mit hellroten Flecken, und man kann sie leicht finden, weil im Frühling Rotkehlchennester im Gebüsch lebender Zäune nicht selten sind.