Kätzchen der Eiche.
Man kann den Grund davon erkennen, wenn man den jungen Baum ansieht ([Seite 12]) oder den Ast eines alten Baumes. An der Spitze der Zweige sitzt nicht nur eine Knospe wie bei der Roßkastanie, sondern zwei, drei oder sogar noch mehr. Alle diese Knospen drängen sich zusammen, und die mittlere stirbt gewöhnlich ab. Die anderen wachsen nach verschiedenen Richtungen hin und bilden die sogenannten „Kniegelenke“, wie die Tischler sie nennen. Sie wurden in alten Zeiten zum Schiffsbau gebraucht, weil sie sehr stark sind. Aber jetzt, wo die Schiffe aus Eisen gebaut werden, wird dies Holz nicht so viel mehr benutzt, und gerade Planken und Pfähle sind wertvoller. Es ist daher besser, Eichen in Wälder zu pflanzen, wo ihre Stämme gerade und glatt aufwachsen.
Eichenholz ist immer wertvoll gewesen. Die eichenen Deckenbalken in manchen alten Häusern sind viele hundert Jahre alt und halten noch immer so gut wie früher. In vielen Bauernhäusern finden sich alte Truhen und geschnitzte Möbel aus Eichenholz, die ein sehr hohes Alter haben, denn das Kernholz der Eiche ist sehr stark und fest.
Man kann Stamm und Zweige der Eiche am besten im Winter erkennen. Wenn dann der April vorüber ist, bekommen alle Knospen eine hübsche rote Farbe, die Blätter öffnen sich, und die losen Kätzchen hängen zwischen ihnen nieder, während die zierlichen Fruchtblüten sich zwischen den Blattstielen und den Zweig einschmiegen.
Sobald die Blätter völlig heraus sind, und die Eicheln anfangen, sich zu formen, versucht, ob ihr die beiden Arten der deutschen Eiche herausfinden könnt. Ihre Blätter haben im großen und ganzen dieselbe Form. Die Stiel- oder Sommereiche hat langgestielte Eicheln (daher der Name!), während die Blätter auf so kurzen Stielen stehen, daß sie beinahe den Zweig berühren. Bei der zweiten Art, der Stein- oder Wintereiche, ist’s umgekehrt, die Eicheln sitzen auf ganz kurzen, die Blätter dagegen auf langen Stielen.
Die immergrüne Eiche, die oft in Gärten wächst, ist aus Italien gekommen. Ihre Blüten gleichen fast denen der Steineiche.
Beobachte an einem Eichenzweige die Knospen. Beachte an einem Eichenklotz das dunklere Kernholz und die Jahresringe, sowie die rauhe Rinde. Suche die beiden Arten der Eiche zu finden und zu unterscheiden. Beachte die Schuppen, die zusammenwachsen und den Becher der Eichel bilden.
Lektion 6.
Gäste der Eiche.
Die Eiche nährt mehr Geschöpfe als irgend ein andrer Baum. Nicht nur fressen das Schwein, der Igel, das Eichhörnchen und die Feldmaus Eicheln, sondern mehr als fünfzig Arten von Insekten holen sich ihre Nahrung von irgend einem Teile des Baumes.