Viele derselben sind zu klein für euch, als daß ihr sie finden könntet, aber es wird euch Spaß machen, nach den andern zu suchen. Wenn ihr einen Eichbaum im Mai untersucht, werdet ihr wahrscheinlich einige seiner Blätter aufgerollt finden, entweder von der Spitze nach dem Stiele hin oder von einer Seite nach der anderen. Wenn man die Rolle aufwickelt, wird man eine Raupe oder vielleicht eine Puppe im Innern finden. Es gibt zwei Arten von Raupen, die Eichenblätter aufrollen. Die eine, die des Eichenkahnspinners, ist ziemlich groß. Sie rollt das Blatt in unordentlicher Weise auf und spinnt einen Kokon rund herum in der Form eines kleinen Kahnes. Wenn der Spinner auskriecht, hat er hellgrüne Vorderflügel mit zwei hellgelben, geraden Schräglinien.

Die andere Raupe, die ihr sicher finden werdet, verrichtet ihre Arbeit ordentlicher. Sie macht eine sehr saubere Rolle und befestigt sie mit feinen Fäden. Dann nährt sie sich von dem Innern der Rolle, bis sie sich verpuppt und später als Schmetterling auskriecht. Wenn man im Juni eine Eiche schüttelt, so werden viele solcher Schmetterlinge auffliegen. Es ist der grüne Eichenwickler, dessen Vorderflügel hellgrün, dessen Hinterflügel aber grau gefärbt sind. Die Raupe ist viel kleiner als die vorige, die den kahnförmigen Kokon spinnt, woher sie auch einfach Kahnspinner genannt wird. Ein anderes Insekt, welches ihr viel leichter finden werdet, ist die Larve des großen Hirschkäfers. Um diese zu finden, müßt ihr in die Rinde alter Bäume schneiden, wo die dicke Larve ein Bett für sich unter der Rinde aushöhlt. Sie verweilt da und nährt sich von dem Holze des Baumes drei oder vier Jahre lang, bis sie sich in den Käfer verwandelt. Ihr erinnert euch, daß der Specht mit seinem Schnabel an den Baum klopft, wenn er daran emporklimmt. Es sind Larven wie diese, die er zu finden versucht.

Aufgerollte Eichenblätter mit Puppe im Innern.

Aber die sonderbarsten Heimstätten an einer Eiche sind die Gallen, die von weiblichen Insekten gebildet werden, die ihre Eier an irgend einen Teil des Baumes legen. Jedes Landkind kennt diese an den Spitzen der Zweige wachsenden braunen, rotbäckigen Eichengalläpfel, die von vielen Leuten fälschlich für Früchte gehalten werden.

Wenn man die Galläpfel mit einem scharfen Messer durchschneidet, so wird man finden, daß sie weich und schwammig sind und im Innern aus einer Anzahl Kammern bestehen. In jeder dieser Kammern sitzt entweder eine Larve oder ein Kokon oder ein fertiges Insekt, das im Begriff ist, auszukriechen. Oder der Gallapfel ist vielleicht auch leer; alle Bewohner sind schon ausgeflogen.

Eichen-Gallapfel. Querschnitt durch den Gallapfel, der die Larvenkammern im Innern zeigt.

Laßt uns sehen, wie diese Eichengallen zustande kommen. Früh im Jahre läßt sich eine kleine Wespe, Eichengallwespe genannt, auf dem Zweige nieder und durchbohrt die Rinde mit einer Röhre, die eine scharfe Spitze hat. Sie trägt diese Röhre am hinteren Ende ihres Körpers zusammengerollt, bis sie dieselbe gebraucht. Dann sticht sie damit in den Zweig und preßt mit etwas Saft einige Eier zugleich in das Loch.

In sehr kurzer Zeit entsteht eine Schwellung, und die schwammige Galle wächst um die Eier herum, von denen jedes in einer Kammer für sich sitzt. Wenn nun die Larven auskriechen, finden sie reichlich weiche Nahrung, bis sie ihre Kokons spinnen.