Diese Schuppen sind denen ähnlich, die wir bei der Eichel sahen. Sie wachsen zu einer harten, mit Stacheln bedeckten Schale heran und schließen allmählich zwei oder drei kleine Nüsse ein. Wenn dann der Herbst kommt, fällt die Buchenmast (vergl. [bunte Tafel IV], 2), wie sie genannt wird, herunter, die Schale zerspringt in vier Teile, und dann sieht man im Inneren die dreieckigen Nüsse, die die vertrocknete Narbe noch auf der Spitze tragen.
Buchenknospen im Winter. Von der oberen Knospe sind die braunen Schuppen entfernt.
Was ist nun wohl der Grund, daß diese Schuppen zu einer harten Schale zusammenwachsen, und warum springen sie im Herbste auf? Weil die Eichhörnchen und Feldmäuse sich hauptsächlich von Bucheckern nähren und alle Nüsse fressen würden, ehe sie reif sind, sind diese mit einer Schale umgeben, die sie in ihrem grünen Zustande schützt. Aber nun platzt die Schale und fällt ab, gerade wenn die Früchte reif sind. Der Baum kann eine Menge von ihnen den Eichhörnchen und anderen Tieren zur Nahrung überlassen, wenn diese nur einige in den Boden treten oder sie so eingraben, daß sie aufwachsen. Buchen wachsen so leicht aus dem Samen auf, daß es nicht nötig ist, sie zu pflanzen. Aber will man einen Buchenwald gesund erhalten, um sein Holz später als Nutzholz zu verwenden, so muß man sehr sorgfältig sein. Die Bäume werden mehr als zweihundert Jahre alt, obgleich sie in einem Alter von ungefähr neunzig Jahren gefällt werden können.
Tüchtige Forstleute lassen immer nur ein Revier des Waldes fällen, damit ein Teil desselben stets als Nutzholz Verwendung finden kann. In der Abteilung, die gefällt werden soll, werden zuerst die anderen Bäume und die jungen, verkümmerten Buchen niedergeschlagen, um Luft und Licht einzulassen. Dann warten sie einige Jahre, bis ein Herbst kommt, wo die Buchenmast gut geraten ist, und die Samen kräftig und zur Aufzucht geeignet sind. Dies geschieht gewöhnlich alle drei oder vier Jahre. Dann fangen sie an, Stämme zu Bauholz auszuschlagen, und schaffen auf diese Weise Raum für die jungen Schößlinge, die bald lustig emporwachsen.
Darauf fällen sie jedes Jahr einige Bäume und holzen den Wald in ungefähr zehn Jahren ab. Um diese Zeit haben die jungen Buchen schon eine hübsche Blattkrone an der Spitze und wachsen kräftig auf, während der Forstmann einen anderen Teil des Waldes abholzt.
Wohl ist die Buche im Frühling schön, aber noch viel schöner nimmt sie sich im Herbst aus, wenn ihre Blätter sich gelb, braun und rot färben und den Boden des Waldes mit einem bunten Teppich bedecken. Die jungen Buchen behalten ihre Blätter den ganzen Winter hindurch ebenso wie die Buchenhecken, die beschnitten werden, so daß sie nicht zu Bäumen heranwachsen können.
Ihr kennt nun vielleicht noch einen anderen Baum, der gleichfalls seine Früchte in eine Schale, die aus stacheligen Schuppen besteht, einschließt. Dies ist die süße oder Eßkastanie (vergl. [bunte Tafel IV], 3), die in den wärmeren Gebieten Deutschlands und des südlichen Europas gut gedeiht und anderwärts vielfach in Gärten gezogen wird. Sie öffnet ihre Blätter später als die Buche und blüht nicht vor Juli. Im Oktober platzt die Schale, und die Früchte sind reif. Und wenn ihr diese einsammelt, um sie zum Rösten mit nach Hause zu nehmen, so könnt ihr die Überbleibsel der Blüte bemerken, die eine Art von borstiger Krause an der Spitze der Früchte bildet (vergl. [bunte Tafel IV], 4). Ganz spät im Herbste ist die edle Kastanie ein Baum, der einen imposanten Anblick gewährt. Ihre langen schmalen, am Rande scharf eingekerbten Blätter färben sich goldbraun und bleiben lange am Baume hängen.
In den Ländern, wo die edle Kastanie gut gedeiht, sind viele Balken an alten Häusern aus ihrem Holze hergestellt, während die schlanken Stämme junger Bäume zu Hopfenstangen verwendet werden. Buchenholz wird in großen Mengen zur Anfertigung von Stühlen gebraucht.
Birke und Erle sind gleichfalls Bäume mit Kätzchen und hartschaligen Früchten. Sie blühen früh im Jahre, ehe die Blätter heraus sind. Die Erle wächst am Ufer von Flüssen oder auf feuchtem Boden. Die Birke findet sich in Wäldern und ist an ihrem schlanken Stamme zu erkennen, dessen silberweiße Rinde weithin leuchtet, an ihren dunkelbraunen Zweigen und ihren dunkelgrünen Blättern, die nach dem Regen sehr stark duften, weil das Harz aus ihnen herausquillt. Manche kranke Birken haben große Büschel von Zweigen, die auf den oberen Ästen wachsen und wie Krähennester aussehen.