Im Juni steht die wilde Rose in Blüte. Es sieht sehr hübsch aus, wenn sie ihre rotweißen Blüten aus der Hecke hervorsteckt. Obwohl sie Dornen haben, kannst du es doch wohl fertig bringen, einen Zweig abzupflücken und ihn mit zur Schule zu nehmen. Wir wollen heute etwas von den Rosenblütlern lernen.

Ich wünsche, daß ihr eine Menge Blüten und Früchte aus Hecke und Garten außer der Rose mitbringt. Ihr erinnert euch, daß unsere besten Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler stammen. Nun werdet ihr sehen, daß die Familie der Rosenblütler uns die besten Früchte liefert.

So holt also aus der Hecke einen wilden Rosenzweig. Es muß eine wilde Rose sein, denn, wie ihr euch erinnert, haben unsere Gartenrosen die meisten ihrer Staubgefäße in Blumenkronblätter verwandelt. Dann sucht, wenn möglich, einen Brombeerzweig mit einer Blüte und holt von dem Abhange eine wilde Erdbeerpflanze, möglichst eine mit Blüte und Frucht zugleich. Denn es gibt eine andere Pflanze, das Fingerkraut, das der Erdbeere so ähnlich ist, daß man es mit ihr verwechseln könnte, wenn keine Frucht dabei ist.

Dann hole aus eurem Garten eine Erdbeere, eine Himbeere, eine Kirsche und eine Pflaume, einen unreifen Apfel und eine Birne. Was für eine Menge das schon ist! Und doch könnten wir noch einen Pfirsich, eine Mispel, eine Quitte und eine Aprikose hinzufügen, denn alle diese Früchte gehören zu den Rosenblütlern. Ich glaube aber kaum, daß alle diese Früchte in eurem Garten wachsen. Laßt uns zuerst die Blüten betrachten. Ihr werdet sehen, daß die wilde Rose einen sehr tiefen, krugförmigen Blütenboden hat, um dessen Rand fünf grüne Kelchblätter mit langen Spitzen stehen.

Wenn es eine wilde Rose ist, so wird die Blumenkrone aus fünf hübschen hellroten Blättern gebildet. Sie stehen alle getrennt, so daß man sie einzeln aus dem grünen Kelch ziehen kann, ohne die anderen zu beschädigen. Wenn man sie alle abgepflückt hat, so findet man eine große Menge von Staubgefäßen, die auf dem Rande des grünen Blütenbodens wachsen.

Nun betrachte die Stempel. Ihre klebrigen Spitzen gucken aus dem Kelch hervor. Aber man muß den krugförmig vertieften Blütenboden aufreißen, wenn man nach ihnen sucht. Sie stehen alle einzeln, und jeder hat eine eigene klebrige Spitze, die Narbe.

Wir untersuchen jetzt die Blüte der Erdbeere; auch sie hat fünf grüne Kelchblätter, fünf weiße Blumenkronblätter und sehr viele Staubgefäße, gerade wie die Rose. Aber sie hat keinen vertieften Blütenboden. Ihre Stempel stehen auf einer kleinen Erhöhung zwischen den Kelchblättern. Allmählich wird diese Erhöhung schwellen und weich und saftig und süß werden, und die kleinen Samenkapseln stecken darin, wie Nadeln in einem Nadelkissen. Wenn man die kleine Frucht der Walderdbeere und die große der Gartenerdbeere ansieht, so wird man sie leicht erkennen. Die Leute nennen diese trocknen Kernchen oft „Samen“, aber es sind keine Samen, es sind winzige Samenkapseln, von denen jede einen Samen in sich trägt.

Nun kommen wir zur Blüte der Brombeere. Es ist bei ihr ebenso wie bei der Erdbeere: die Stempel wachsen auf einem erhöhten Blütenboden. Aber wenn die Frucht reif ist, wird man sehen, daß diese Erhöhung nicht größer geworden ist. Bei der Brombeere werden die Fruchtknoten selbst weich und wachsen zu kleinen Bällen heran, die voll von süßem Safte sind. Man kann sie voneinander trennen und wird in jedem einen Samen finden.

Bei der Himbeere ist es ebenso, nur ziehen sich die kleinen roten, saftigen Samenkapseln von der Erhöhung etwas zurück. So kann man sie wie eine Mütze von der weißen spitzen Erhöhung abziehen.

Und wie ist es nun mit den anderen Früchten? Im nächsten Frühling, wenn die Pflaumen und Kirschen blühen, wirst du sehen, daß sie dieselbe Art von Blüten haben wie die Rose. Aber jede Blüte enthält nur einen Fruchtknoten. Dieser wird nach außen hin saftig und behält im Innern um den Samen herum eine sehr harte Schale. Man ißt also die saftige Umhüllung, und muß die harte Schale zerknacken, ehe man an den Kern oder Samen kommen kann.