Ihr könnt es ebenso machen, und obgleich man in einigen Jahren nicht viel fertig bringen kann, wird man doch für seine Mühe belohnt werden dadurch, daß man viel schönere Pflanzen erhält. Man muß die Pflanze beobachten, alle welken Blätter abpflücken, den Boden ordentlich hacken und düngen und ihn frei vom Unkraut halten. Dann muß man feststellen, welche Pflanzen die besten und glänzendsten Blüten haben. Nun bindet man einen Wollfaden um den Stengel dieser Blüten und wartet, bis ihre Samenkapseln reif sind, dann sammelt man deren Samen für die Aussaat im nächsten Jahre. In einigen Jahren wird man auf diese Weise weit bessere Blumen ziehen.

Die Nelken gehören zu den schönsten und lieblichsten unserer Gartenblumen. In unserer Heimat wachsen verschiedene Nelkenarten wild, und auch die Seite 38 abgebildete Kuckuckslichtnelke gehört zu dieser Familie.

Wenn man ihre Blüten mit denen der Nelke vergleicht, so wird man finden, daß beide schmale Blätter haben, die einander gegenüberstehen. Der Stamm ist an dem Gelenk, wo sie sitzen, verdickt. Sie haben einen langen, grünen Kelch mit Spitzen und fünf blaßrote oder weiße Blumenkronblätter, die am Rande gezähnt sind. Zehn Staubgefäße stehen im Innern und in ihrer Mitte ein großer Fruchtknoten mit zwei oder drei klebrigen Hörnern, die die Narbe bilden.

Nun suche eine reife Samenkapsel zu finden. Sie wird an der Spitze offen und nach dem Grunde zu ausgebuchtet sein wie eine Vase. Im Innern steht ein senkrechtes Säulchen, und um dieses herum liegen die Samen. Findest du alle diese Merkmale in einer Blüte vereinigt, so weißt du, daß sie zu den Nelkengewächsen gehört.

Vogelmiere, Sternblume, Lichtnelke, Seifenkraut, Kuckuckslichtnelke und wilde Nelke sind alle ohne Zweifel leicht in den Feldern und an den Hecken zu finden.

Aber ihr habt jedenfalls auch einige gefüllte Blumen in euren Gärten, z. B. Levkoien, Goldlack und Rosen. Diese haben sehr viele farbige Blumenkronblätter und kaum irgendwelche Staubgefäße und Fruchtknoten, manchmal überhaupt keine. Die Gärtner haben diese gefüllten Blumen dadurch hervorgebracht, daß sie die Blumen in sehr fetten Boden einpflanzten und die Samen derjenigen aussäten, welche am meisten Blumenkronblätter an Stelle der Staubgefäße hatten.

Wilde Pflanzen haben fast niemals gefüllte Blüten. Sie müssen sehr viel Samen hervorbringen. Wenn man eine Pflanze mit gefüllter Blüte in mageren Boden bringt und sie wild wachsen läßt, so wird sie bald wieder eine einfache Blüte treiben. Aber Gärtner brauchen schöne Blumen. So ziehen sie gefüllte Malven, Dahlien, Päonien und Primeln neben den einfachen.

Vergleiche die wilde und die Gartenrose, das wilde und das Gartenstiefmütterchen, Schlüsselblume und Primel, Nelke und Kuckuckslichtnelke.

Lektion 11.
Die Rosenblütler und ihre Früchte.

([Sechstes Vollbild.])