Der Stengel der Blume ist nicht rund wie der der meisten Pflanzen; er ist vierkantig. Hieran kann man sie stets von einer Brennessel unterscheiden, selbst wenn sie nicht blüht. Die runzeligen Blätter stehen einander gegenüber, und zwar die oberen gerade in den Lücken der unteren, wie wir in Lektion 2 gesehen haben.

Laßt uns nun die Blüte betrachten. Man nimmt dazu am besten eine weiße, da sie sehr groß ist. Fasse den Helm und ziehe leise daran. Er wird sich loslösen, so daß der grüne fünfzähnige Kelch zurückbleibt. Aber wahrscheinlich wirst du auch den langen fadenförmigen Griffel mit den 2 Narbenlappen mitgenommen haben, welcher auf dem Fruchtknoten wächst, denn er löst sich leicht los.

Trenne nun bei einer anderen Blüte den Helm sorgfältig auseinander. Du wirst auf dem Boden des Kelches den Fruchtknoten mit vier kleinen Samenanlagen finden, die wie Nüßchen aussehen, und in deren Mitte der lange fadenförmige Griffel aufwächst. Er hat als Narbe zwei Lappen.

Bienen im Wiesensalbei.

A. Längsschnitt der Blüte, um die Bewegung der Staubbeutel (a) zu zeigen, sobald eine Biene in die Röhre kriecht.

Sieh jetzt in eine neue Blüte hinein. Du wirst vier Staubgefäße finden, die inmitten der hinteren Wand der Blütenröhre wachsen. Zwei von ihnen sind so lang, daß sie bis oben in die Oberlippe hinaufreichen. Wenn du die Oberlippe jetzt zurückschiebst, so sind die Lappen der Narbe von den Staubbeuteln umschlossen. Unten in der Röhre ist sehr viel Honig, aber kriechende Insekten können nicht hinzugelangen; denn ein dichter Saum von Haaren verhindert sie daran.

Aber wenn die Biene kommt, steckt sie ihren Rüssel durch die Haare hindurch, und wenn sie den Honig saugt, bürstet sie den Blütenstaub aus den Staubbeuteln. Dann fliegt sie zu einer anderen Blume und läßt ihn dort auf den Lappen der Narbe zurück. Es gibt sehr viele Pflanzen, die Lippenblüten haben wie die Taubnessel. Minze, Salbei, Melisse, Thymian, Pfefferminze, Lavendel, Rosmarin und der hübsche blaue und weiße Günsel in den Hecken gehören alle zu den Lippenblütlern. Man erkennt sie an dem vierkantigen Stengel, den gegenständigen Blättern und den Fruchtknoten mit den vier kleinen Samenanlagen.

Im Salbei bilden die Staubgefäße eine Art Schlagbaum. Die Biene stößt mit dem Kopfe gegen das untere Ende, und so kommt der volle Staubbeutel auf ihren Rücken zu liegen (s. S. 48).

Eine andere Pflanze, die die Biene sehr liebt, ist die Erbse. Auch da ist sie sicher, Honig zu finden. An einem schönen Morgen kann man die Bienen im Gemüsegarten um die Erbsen und Bohnen summen und ihren Kopf bald in diese, bald in jene Blüte stecken sehen.