»So zeige es mir, daß Du mein Freund bist, ich fordere einen Freundschaftsdienst von Dir und will Deinen Schaden nicht. Verkaufe mir den Neger, ich bin bereit, Dir einige tausend Dollar für ihn zu geben; mehr Geld besitze ich nicht,« sagte Turner, und ergriff bittend die Hand des Häuptlings.
»Geld kann kein Unrecht gut machen, welches einem Delawaren zugefügt ist. Behalte Du Dein Geld und gieb mir meinen schwarzen Panther,« antwortete der Häuptling mit unerschütterlicher Bestimmtheit.
»Nun, so will ich versuchen, ob meine Freunde am Choctawbache mir auf mein ganzes Eigenthum noch Geld borgen wollen, ich zahle Dir Alles, was ich aufbringen kann für den Neger,« nahm Turner wieder das Wort.
»Und wenn Du mir alles Geld der weißen Männer geben könntest, so würde ich Dir den schwarzen Panther nicht dafür verkaufen,« entgegnete Leopard mit einem finstern Blick, und blieb gegen alle Vorschläge, alles Flehen Turners unerbittlich.
Mit blutendem Herzen kehrte dieser unverrichteter Sache in das Fort zurück, und gab sich dort mit den Seinigen dem Schmerz und dem Jammer über das unvermeidliche Schicksal des geliebten Freundes hin.
Den Tag verbrachten die schwer Bedrängten unter Wehklagen und Thränen, nur Carls Augen waren trocken geworden, und es glänzte ein Gedanke auf deren Spiegel, der in seiner Seele immer lebendiger aufstieg. Er wurde stumm und nachdenkend, und erst, als die Sonne sich neigte, sagte er zu Turner: »Ich will noch einmal mit dem Häuptling reden, vielleicht gelingt es mir, ihn milder zu stimmen; er ist mir sehr gut gewesen.«
Turner schlang seinen Arm um den braven Knaben und drückte ihn innig an seine Brust, indem er sagte: »Du meinst es so gut, Carl, der Himmel mag Dich unterstützen, ich fürchte aber, es wird auch umsonst sein. Gehe mit Gott und versuche es, das Herz des Wilden zu erweichen.« Darauf geleitete Turner den Knaben zu dem Thore und ließ ihn hinaus.
Als Carl den Hügel hinabschritt, kam ihm der Häuptling schon von Weitem entgegen und empfing ihn mit den Worten: »Warum willst Du mich zwingen, auch Dir eine Bitte abzuschlagen, da Du weißt, daß ich sie Dir nicht gewähren kann, und da Du weißt, wie gut ich Dir bin? Habe ich Dir doch gesagt, wie leid es mir thut, daß Du nicht als Delaware geboren bist!«
»Und wenn ich nun dennoch ein Delaware werden wollte, ein treuer Delaware mit Leib und Seele, würdest Du mich nicht lieber haben, als ihn?«
Bei diesen Worten Carls war es, als ob ein plötzlicher Sonnenschein über die finstern Züge des Häuptlings führe, er sah den Knaben überrascht und in höchstem Erstaunen an, ergriff plötzlich dessen beide Hände, zog ihn an seine Brust und schlang seine sehnigen Arme um ihn.