»Die Leute werden doch unmöglich so an uns handeln, sie können uns nicht so ohne Weiteres davonjagen, ehe wir eine andere Pachtung haben,« sagte Madame Turner, nach Trost haschend.

»Sie können es, Marie, und sie wollen es.«

»Es wäre ja eine unerhörte Rücksichtslosigkeit, eine Grausamkeit sonder Gleichen. Das Gut ist schon über hundert Jahre in den Händen Deiner Familie gewesen, Du hast mit Freuden die verlangte höhere Pacht bezahlt und Alles in so guten Stand gesetzt, wie es niemals früher gewesen ist – es wäre unerhört, ja sündlich, so gegen uns zu verfahren!« fuhr Madame Turner fort, und suchte gefaßt zu erscheinen, während die Thränen über ihre Wangen rollten.

»Und doch wird es geschehen,« entgegnete Turner; »sie schreiben, daß eine Aenderung in dem Beschlusse unmöglich sei. Wir kommen in eine verzweifelte Lage. Großes Vermögen besitzen wir nicht, wenn wir unser Inventar verkaufen müssen, werden wir bedeutend dabei verlieren, und dann, wo wollen wir so schnell wieder eine Pachtung finden? Eine zweite Kluse giebt es für uns nicht; der Goldbaum hat uns seine letzten Früchte getragen; das Glück will uns verlassen, Marie!«

»Gott hat uns ja noch nie verlassen, Max, und er wird es auch jetzt nicht thun! Auf einem andern Gute können wir ebenso glücklich sein, wenn wir uns auch etwas mehr einschränken müssen,« entgegnete Madame Turner, indem sie unbemerkt sich die Thränen von den Augen wischte.

»Ein anderes Gut, das ist leicht gesagt; wenn uns aber die Mittel nun nicht ausreichen sollten!« erwiederte Turner vor sich hinblickend.

»Turner – wir haben viele reiche und gute Freunde,« nahm die Frau wieder das Wort, indem sie die Hand ihres Gatten ergriff und ihm, wie mit einem Trost in die Augen sah.

»Du hast Recht, Marie,« sagte Turner nach kurzem Schweigen, »ich habe nicht an sie gedacht; sie werden, wenn es nöthig sein sollte, uns gern helfen, da sie wissen, daß sie es mit rechtlichen Leuten zu thun haben. Ich will übrigens gleich nach Tisch zu meiner Gutsherrschaft reiten, und sie zu bereden suchen, daß sie mir die Kluse wenigstens noch auf ein Jahr in Pacht läßt. Dann kann ich mich nach einem anderen Gute umsehen und Vorbereitungen zu unserem Umzuge treffen. Die Leute werden ja billig sein.«

Mit diesen Worten ergriff Turner, leichter aufathmend, den Brief und legte ihn auf den Tisch, während seine Gattin ihren Arm in den seinigen schlang und nun mit ihm im Zimmer auf und nieder schritt.

»Ich habe seit vergangenem Jahre wiederholt auf Erneuerung meines Pachtcontracts gedrungen, es wurde aber immer hinausgeschoben und ich hielt es wahrlich kaum noch für nöthig, einen Contract mit den Leuten zu machen, weil die Kluse ja die langen Jahre in meiner Familie geblieben ist. Wer hätte so etwas denken können!« sagte Turner im Auf- und Niedergehen.