»Er ist schon fort, und sagte, daß er nicht auf Antwort zu warten brauche,« entgegnete die Dienerin und verließ das Zimmer, während Turner mit den Worten: »was mögen die wollen?« nach dem Fenster trat und das Papier entfaltete.

Madame Turner war unwillkürlich mit dem Blick ihrem Gatten gefolgt; dieser wurde plötzlich bleich, das Papier bebte in seiner Hand, er las das Schreiben noch einmal durch, und faltete es dann schnell zusammen, um es in der Rocktasche zu verbergen. Da begegneten seine Augen dem ängstlich fragenden Blick seiner Gattin.

Er sagte nichts, und Madame Turner fragte nicht; es war aber ein Schweigen, wie wenn ein Gespenst in die Stube getreten wäre und hätte ihnen die Worte auf den Lippen erstarrt. Turner legte seine Serviette neben seinem Teller nieder und verließ das Zimmer.

Carl war aufgesprungen und wollte seinem Onkel nacheilen, doch Madame Turner hielt ihn mit den Worten zurück: »geh mit Arnold und Wilhelm in den Garten, bist auch ein guter Carl. Der Vater hat jetzt Geschäfte.«

Dann sandte sie Julie mit dem Tischgeräth fort und blieb allein in dem Zimmer zurück.

Mit angsterfüllter Brust stand sie einige Augenblicke, unschlüssig, was sie thun solle. Es war etwas Ernstes, etwas Schreckliches geschehen, das hatte ihr der Blick ihres Gatten gesagt – was aber konnte es sein – was in der Welt gab es, dessen Verlust einen solchen erschütternden Eindruck auf Turner machen konnte? Sie mußte es wissen – sie mußte das Unglück mit dem Gatten tragen, wie sie das viele Glück mit ihm getheilt hatte!

Schnell glitt sie aus der Stube durch den langen Corridor nach dem Zimmer ihres Gemahls und öffnete leise die Thür.

Turner saß in dem Lehnstuhl, seine Arme stützten sich auf seine Kniee, sein Kopf war auf seine Hand gesunken, und der Schreckensbrief lag vor ihm auf dem Fußboden. Er hatte es nicht gehört, als seine Gattin in das Zimmer und zu ihm an den Stuhl trat. Sanft neigte sich diese zu ihm nieder, legte leise ihren Arm um seine Schultern und weckte ihn aus seiner Erstarrung. Einen Augenblick sah er der geliebten Lebensgefährtin in die thränenschweren Augen und sagte dann mit dumpfer Stimme: »ja, ja, Marie, das Glück ist auch bei uns wandelbar geworden; wir müssen in diesem Herbst die Kluse verlassen!«

»Großer Gott! und warum denn?« fragte Madame Turner mit bebender Stimme und drückte ihre gefalteten Hände gegen die Brust.

»Der zweite Sohn unserer Gutsherrschaft soll die Kluse als Erbtheil erhalten, und will sie selbst bewirthschaften. Er ist verlobt, wird im Herbst heirathen, und dann hierher ziehen. Unsere Pacht läuft um diese Zeit ab, und die Bedingungen in dem Pachtbriefe sind der Art, daß wir nichts gegen diesen harten Beschluß einwenden können.«