»Ich soll Deinen Schimmel reiten?« fragte der Knabe erstaunt.

»Ja wohl, meinen Schimmelhengst, und ich hoffe, daß Du ihm als Reiter Ehre machen und mir nicht erlauben wirst, ihn einzuholen; denn das ist bis jetzt noch keinem Rosse möglich gewesen.«

»Es soll an mir nicht liegen, Du wirst zufrieden mit mir sein,« entgegnete Carl freudestrahlend; denn auf die Ehre, den Schimmel zu reiten, hatte er nicht gehofft. Derselbe wurde nun statt des Falben gesattelt, Carl mußte ihn besteigen, Leopard schwang sich auf sein Roß und der Fluß, in welchem das Wasser nicht tief war, ward überschritten. Der Wald wurde hier lichter, so daß die Reiter nicht abzusteigen brauchten, und ihre Pferde in raschem Schritte halten konnten. Bald sah man durch die Laubmassen die Prairie liegen, und nach wenigen Minuten hielt Leopard an dem Ausgange aus dem Walde sein Pferd an.

»Jetzt mußt Du mir voranreiten, unser Rennen wird von hier aus beginnen, ich hoffe, Du lässest Dich nicht von mir einholen,« sagte er zu Carl mit einem strahlenden Blicke.

»Wohin wollen wir denn rennen?« fragte Carl verwundert.

»Reite nur hinaus, dann wirst Du schon die Richtung finden,« entgegnete der Häuptling, und zog sein Pferd zur Seite, um dem Knaben Raum zu geben.

Carl ritt, erstaunt um sich sehend, unter dem letzten Baume hervor, warf einen Blick am Waldsaume hin und schrie:

»Großer Gott – das Fort!«

»Vorwärts!« rief der Häuptling, und dahin sauste Carl auf dem Schimmelhengst, als flöge er über das Gras, dem heimathlichen Hügel zu, auf dem das Fort seines Onkels stand, und hinter ihm her stürmte der Häuptling in gestrecktem Laufe.

Carl wollte rufen, wollte schreien, die Stimme aber versagte ihm, und statt der Worte von seinen Lippen flossen die Freudenthränen von seinen Augen. Der Häuptling aber hinter ihm ließ das Jagdgeschrei der Delawaren ertönen, daß es laut und jubelnd nach dem Fort hinaufschallte und dessen Bewohner erschrocken in das offene Thor rief.