Carl sah die Seinigen, wie sie die Hände nach ihm ausstreckten; auch er breitete jauchzend ihnen seine Arme entgegen, und der Häuptling hielt sein Roß im Lauf zurück und winkte mit dem Tuche durch die Luft, um jeden Schein von Feindseligkeit zu beseitigen. Der Schimmel flog am Hügel hinauf, Turners rissen den geliebten Knaben vom Pferde, er verschwand in ihren Umarmungen, und Daniel hielt mit einer Hand den Schimmel und streckte die andere zwischen seinen überglücklichen Freunden nach seinem geliebten Carl aus, um wenigstens dessen Arm zu erfassen. Das unverhoffte Glück, die Seligkeit des Wiedersehens überwältigte Alle für den Augenblick so sehr, daß sie nicht bemerkten, wie der Häuptling unbeweglich neben ihnen stand, und selbst das Glück, welches er hier geschaffen hatte, wonnig in sein Herz einziehen ließ; als aber der erste Freudenrausch verwogte und die Blicke der Beseligten sich fragend auf ihn richteten, hub er mit ernster Stimme an:
»Der Knabe hat dem Manne Freundschaft und Dankbarkeit gelehrt, er ist dem Häuptling der Delawaren ein treuer Freund gewesen, er hat ihm das Leben gerettet, und das Herz des Leoparden enthält jetzt nicht weniger Freundschaft und Dankbarkeit, als das Herz des Knaben. Der Delawarenhäuptling giebt seinen Freund Carl dessen Lieben zurück, er schenkt ihm sein bestes Roß, seinen Schimmelhengst, und er ertheilt dem schwarzen Panther die Freiheit, damit derselbe nun seinen Freund Carl niemals wieder verlasse. Der schwarze Panther ist und bleibt ein Delaware, und wer seine und seiner Freunde Ruhe stört, der wird der Todfeind der Delawaren sein.«
Kaum hatte der Indianer aber das letzte Wort gesagt, so warf sich Carl ihm an die Brust und umschlang seinen Nacken unter heißen Thränen des Dankes und des Glücks, und Turners sämmtlich und der Neger drückten den hochherzigen Indianer an ihre Herzen und stammelten unter Freudenthränen ihren Dank hervor.
Mein Herz ist nun wieder froh und meine Zunge wieder leicht; Leopard hat jetzt viele Freunde am Bärflusse! sagte der Häuptling, überwältigt von dem Wonnegefühl, mit welchem das von ihm geschaffene Glück seine Brust füllte.
Er ließ sich von seinen Freunden nun in das Fort führen, wo sie ihn jubelnd und jauchzend willkommen hießen. In Freude und glücklicher Eintracht verbrachte er hier den Tag, schlief mit Carl in einem Zimmer, und sagte am folgenden Morgen seinen Freunden mit dem Versprechen Lebewohl, sie zweimal im Jahre zu besuchen.
Fünf Jahre später, während welcher Zeit der Verfasser dieses Buches wiederholt aus dem Munde des Delawaren-Häuptlings Begebenheiten aus dem Leben Carl Scharnhorsts vernommen hatte, besuchte er selbst die Familie Turner in ihrer Niederlassung am Bärflusse, und erfuhr dann von ihnen und von Carl Scharnhorst selbst ihre Schicksale, die in diesem Buche geschildert sind.
Das Fort war verschwunden, ein freundlicheres, von blühenden Lianen umschlungenes Haus stand statt seiner auf dem Hügel, und wurde von Turner, dessen Gattin und ihren beiden Söhnen bewohnt.
Das Feld war weit in die Prairie am Pflaumenbache hinauf ausgedehnt und theils mit Mais, theils mit herrlicher Baumwolle bestellt.
Julie war an den zweiten Sohn Warwicks am Choctawbache verheirathet, und Carl Scharnhorst hatte seine eigene Farm an der andern Seite des Pflaumenbaches gegründet, die er mit Daniel musterhaft bewirthschaftete. Die Prairie vor beiden Niederlassungen war mit herrlichen Viehheerden belebt, Alles in und um die Ansiedelungen zeugte von Wohlhabenheit und glücklichem ungestörten Frieden der Eigenthümer, und in einer großen Einzäunung vor Carls Hause weideten der Falbe, der Rappe und der Schimmel.