»Nun Daniel, ich muß doch auch einmal etwas über Dein früheres Leben hören; Du bist ja unter den Indianern aufgewachsen.«

»Ja wohl, Herr, meine Eltern waren Sklaven unter einem der Indianerstämme, welche die fernen westlichen Länder Amerika's Jahr aus Jahr ein durchwandern und, dem Büffel folgend, im Frühling nach Norden und im Herbst wieder nach Süden ziehen. Sie leben ausschließlich von der Jagd und führen große Heerden von Pferden und Maulthieren mit sich, für welche sie stets die besten Weiden aufsuchen,« entgegnete der Neger.

»Dann hast Du Gelegenheit gehabt, die verschiedenen Länder Amerika's zu sehen und mit einander zu vergleichen; wo sind denn Deiner Ansicht nach die besten für einen Farmer zu finden?«

»Jedenfalls im Südwesten, denn dort sind die reichsten immergrünen Weiden, wo das Vieh Winter und Sommer im Freien gehen kann, stets reichliche Nahrung findet und seinem Eigenthümer weder Geld noch Mühe kostet. Wer dort eine Neigung zur Viehzucht besitzt, muß durch sie zum reichen Manne werden. Im Norden, wo im Winter Monate lang Schnee liegt und der Frost das Gras tödtet, kann der Farmer nur so viel Vieh halten, wie er im Winter in dem Stalle zu ernähren vermag. Dort ist er mehr auf den Ackerbau angewiesen, und auch damit steht der Norden gegen den Süden sehr zurück, wo man während des ganzen Jahres säen und ernten kann.«

»Das ist einleuchtend; aber im Süden ist es sehr ungesund, und ein weißer Mann kann die Arbeit nicht lange aushalten.«

»Darum nannte ich den Südwesten,« entgegnete Daniel; »dort ist es gesund, in den offenen waldlosen Prairien kann die Luft sich frei bewegen, und es giebt keine stehenden verdorbenen Gewässer, keine Sümpfe, wie in den südöstlichen Staaten.«

»Jene westlichen Länder aber sind noch im Besitze der Wilden und ein Ansiedler ist dort großen Gefahren ausgesetzt,« nahm Turner wieder das Wort. »Bist Du denn einmal in Baltimore gewesen und kennst Du das Land an den Ufern der Chesapeake-Bay?«

»Ich habe über ein Jahr dort auf einer Farm gearbeitet. Es ist ein herrlicher, reicher Landstrich, wenngleich auch dort der oft sehr strenge Winter die Viehzucht beschränkt. Auch herrschen im Herbste an den Ufern der Bay die Fieber, wenn sie auch nicht so bösartig sind, wie weiter im Süden.«

»Du hast also auch auf einer Farm gearbeitet, – was hast Du denn dort gethan?«

»Nun, Alles, was dem Farmer zu thun obliegt. Ich hatte mich bei einer Wittwe vermiethet und besorgte mit noch einem Neger, dem Sklaven der Frau, die ganze kleine Wirthschaft; ich pflügte, säete, pflanzte, machte Einzäunungen, und brachte die Ernte ein. Wir bauten Mais und Taback, und verdienten der Wittwe vieles Geld,« sagte der Schwarze.