»Was kostet denn dort das Land?« fragte Turner.

»Das ist sehr verschieden, schlechtes Land kauft man für zehn Dollar und ganz gutes für hundert Dollar.«

»Also doch so hoch wird es dort bezahlt. Man schrieb mir, daß man das beste Land für zehn Dollar kaufen könne,« fiel Turner überrascht ein.

»Ja, ja, in Amerika redet ein Jeder in seinem eigenen Interesse. Wer Ihnen das geschrieben hat, wird auch wohl seinen Vortheil dabei im Auge gehabt haben.«

»Doch nicht, es war mein eigener Vetter, der es mir schrieb,« antwortete Turner, halb in Gedanken versunken, und setzte dann schnell hinzu, »aber im Westen, dort ist das Land noch billig.«

»Regierungsland kostet zwei und einen halben Dollar, gut oder schlecht, wie man sich es wählen will. Doch in der Nähe der Ansiedelungen ist alles gute Land schon von Speculanten angekauft, man muß also weiter hinaus in das Territorium der Indianer gehen. Man kauft aber auch zwischen den Ansiedelungen bestes Land zu vier bis zehn Dollar den Acker,« versetzte der Neger.

»Der Unterschied wäre also doch sehr bedeutend,« bemerkte Turner und sagte, indem er aufstand: »Ich habe Dich aber in Deiner Unterhaltung mit den Knaben unterbrochen, nun erzähle ihnen noch von den Jagden, denen Du in jenen schönen Ländern gefolgt bist. Wäre nicht mein künftiger Wohnort schon bestimmt, wahrhaftig, ich hätte selbst Lust, dort einen Versuch zu machen.«

»Der Sie auf die Dauer wahrscheinlich mehr befriedigen würde, als in den alten östlichen Staaten,« bemerkte der Schwarze noch, als Turner zu seiner Gattin und Tochter zurückging.

Einige Tage später änderte sich die Temperatur auffallend schnell, es wurde kühl und immer kälter, so daß die Passagiere abermals ihre Mäntel hervorsuchten. Obgleich sich der Kapitain nicht darüber äußerte, so zeigten doch die verschiedenen Anstalten, die auf dem Schiffe gemacht wurden, daß er irgend etwas befürchtete. Die Segel wurden trotz dem nicht heftigen Wind bis auf sehr wenige eingezogen, so daß das Schiff ungewöhnlich langsam durch das Wasser strich, es wurden zwei Matrosen auf die spitzen Masten des Goliath gesandt, um fortwährend die See zu überspähen, und mehrere male stieg der Kapitain selbst in den Mastkorb hinauf. Gegen Mittag zog ein immer dichter werdender Nebel von Norden her über das Meer und hüllte bald das Schiff so sehr ein, daß man kaum mehr vom einen Ende desselben bis zum andern sehen konnte. Dabei nahm die Kälte immer noch zu und, wie es schien, in gleichem Maße die Besorgniß des Kapitains. Turner fragte ihn um die Ursache dieses Nebels, worauf Bosse ihm ausweichend erwiederte, daß das Schiff sich auf der Bank von Neufoundland befinde, wo solche Nebel sehr häufig einträten. Der Mittag verstrich ohne die mindeste Aenderung in der Luft, nur auf dem Schiffe wurde die Vorsicht verdoppelt, und sehr oft sahen die Passagiere, daß der Kapitain ein Thermometer in die See hinab ließ und dasselbe beim Herausheben aufmerksam betrachtete. Die Dämmerung nahm rasch zu, als Daniel zum Abendessen rief. Die Passagiere ließen sich stets durch den Kapitain zu den Mahlzeiten geleiten, diesmal aber bat derselbe nur vorauszugehen, er würde nachfolgen. Erst nachdem Turners ihr Abendessen bereits beendigt hatten, erschien Bosse und zwar in großer Eile, um sich bald wieder auf das Verdeck zu begeben. Turner wandte sich abermals an ihn, um die Ursache seiner augenscheinlichen Besorgniß zu erfahren, doch wich er wieder wie früher einer erklärenden Antwort aus. Daniel hatte dem Kapitain Thee eingeschenkt, und derselbe hob die Tasse an seinen Mund, als ein furchtbarer Stoß und ein Krach das Schiff erschütterte, wie wenn es in Trümmer zerschlagen sei.

»Eis, Eis, Gott sei uns gnädig!« schrie der Kapitain und stürzte mit den Passagieren, den Stühlen und Allem, was auf dem Tische stand, bis an die hintere Wand der Kajüte; denn deren Eingang hatte sich so sehr empor gehoben, daß es kaum möglich war, ihn zu erklimmen. Das Zetergeschrei, womit sich Madame Turner und die Kinder umklammerten, wurde von den Angstrufen, die auf dem Verdeck erschallten, übertönt, und donnernd und krachend hörte man Fässer, Kisten und Ballen über das Schiff poltern.