»Lassen Sie sie nahe herankommen und schießen Sie dann dicht hinter das Schulterblatt, aber sehr tief nach unten, sonst fällt der Büffel nicht,« sagte der Neger leise, indem er sich nahe an Carl drückte. »Nehmen Sie sich die Zeit, schießen Sie ruhig und werfen Sie sich nach dem Schuß in das Gras, damit die Büffel Sie nicht sehen – da kommen sie.«

Bei diesen Worten spannte Daniel gleichfalls seine Doppelbüchse und Carl hob sich vorsichtig aus dem Grase empor. Als sein Blick über dasselbe hinstrich, stand eine schwere, schwarze Riesengestalt auf vierzig Schritte vor ihm, die sich wie ein Berg von dem glühend rothen Abendhimmel abzeichnete. Es war ein kolossaler männlicher Büffel, der seiner Heerde in einiger Entfernung voranging. Er war stehen geblieben und schüttelte seinen schwer umlockten ungeheuren Kopf, wobei die langen Mähnen, die sein ganzes Vordertheil bis hinter die Schultern bedeckten, ihn wild umwogten. Dann blickte er sich nach der Heerde um, die wie eine schwarze Masse langsam herangezogen kam.

»Lassen Sie ihn näher kommen, junger Herr,« flüsterte Daniel, denn er sah, daß die Aufregung es Carl unmöglich machte, die Büchse ruhig zu halten.

Der Büffel schritt wieder vorwärts und blieb auf zwanzig Schritte von den Jägern entfernt abermals stehen. Carl hob die Büchse wieder empor, doch Daniel sagte kaum hörbar: »Noch nicht, warten Sie, bis er zur Seite tritt.«

Carl hatte seinen Hut abgeworfen, um sich nicht durch denselben dem Thiere zu verrathen, und er wagte kaum, nach diesem durch die Grashalme hinzublicken. Jetzt wandte sich aber der Büffel mit einem dumpfen Brummen etwas seitwärts und gab Carl seine ganze Schulter preis. Im Augenblick hatte dieser die Büchse am Kopf. »Schießen Sie nicht zu hoch,« flüsterte der Neger. Das Feuer flog aus dem Rohre, der Büffel bäumte sich mit lautem Wuthgebrüll und stürzte dann vorwärts, bis er wenige Schritte vor den Jägern zusammenbrach. Die Heerde aber stürmte zu ihrem gefallenen Führer heran und würde die beiden Schützen unfehlbar unter ihren Füßen zermalmt haben, wäre Daniel nicht aufgesprungen und ihr mit einem Zetergeschrei entgegengerannt, indem er seinen Hut hoch über sich durch die Luft schwang. Links und rechts stoben jetzt die kolossalen Thiere in wilder Flucht auseinander und suchten das Weite, während der verwundete Büffel sich wieder auf seine Vorderfüße erhoben hatte, seinen wüthenden Blick auf Daniel richtete, und Anstrengungen machte, ganz aufzustehen. In diesem Augenblick krachten aber die Büchsen der beiden Jäger zugleich, und, durchs Herz geschossen, sank der Büffel todt zur Erde nieder.

Der Jubel Carls war groß, als er das ungeheure Thier hingestreckt vor sich liegen sah.

»Sie haben ihn sehr gut getroffen, junger Herr; Ihre erste Kugel würde ihn schon nach kurzer Zeit getödtet haben, doch es war besser, daß wir ihm noch Eins gaben. Ihr zweiter Schuß ist ihm durchs Herz gegangen,« rief Daniel freudig, indem er sein Messer aus der Scheide zog. »Das heißt, wenn es Dein Schuß nicht war, der ihn ins Herz getroffen hat,« entgegnete Carl lachend. »Nein, wirklich, junger Herr, ich habe etwas zu weit nach hinten geschossen; sehen Sie, dies ist meine Kugel,« sagte der Neger, indem er auf eine blutige Wunde zeigte, welche auf den Rippen des Thieres saß; denn er wollte Carl die Freude lassen, daß er allein den Büffel erlegt habe. Er schnitt nun schnell dem Thiere die Zunge unter der Kinnlade heraus, da seine und Carls Kräfte nicht hinreichten, demselben das Maul zu öffnen, spaltete dann die Haut auf dem Höcker, welcher sich über den Schultern des Büffels erhob, und löste ihn von dem Rücken ab.

»Dies ist das beste Stück am ganzen Thiere, sehen Sie nur, wie es mit Fett durchwachsen ist,« sagte Daniel, indem er dasselbe und die Zunge mit einem Seil zusammenband und über die Schulter hing.

»Was sollen wir denn aber mit dem übrigen Fleische anfangen?« fragte Carl.