»Warum habt Ihr aber das Thier nicht an Ort und Stelle ausgeweidet? Ihr hättet dadurch doch weniger Gewicht auf den Wagen zu heben brauchen,« fragte Turner, indem er auf den kolossalen Umfang des Bären schaute.

»Weil wir dann das feinste und beste Feist verloren haben würden. Das Fett, welches zwischen den Eingeweiden des Bären liegt, ist so zart, daß es, so lange es noch warm ist, Einem zwischen den Fingern zerfließt, und es wäre Schade gewesen, es zu verlieren, denn es giebt das köstlichste Oel. Wir wollen den Petz auch ruhig liegen lassen bis morgen,« entgegnete Daniel, indem er die Stränge der Pferde vom Wagen löste, und diese in ihre Stände an der Pallisadenwand führte, wo sie mit den anderen Rossen jede Nacht befestigt wurden.

Bald nachher saßen die Kolonisten sämmtlich vergnügt um den Tisch und erfreuten sich des Abendbrods.

»Daniel, kurz vorher, ehe Ihr kamet, muß irgend Etwas bei den Kühen gewesen sein, denn sie fingen mit einem Male schrecklich zu brüllen an, und sprangen wie toll in der Einzäunung umher,« sagte Turner zu dem Neger.

»Das kann ein Panther, möglicherweise aber auch ein Jaguar gewesen sein, diese Gesellen werden uns überhaupt noch viel zu schaffen machen. Ich will morgen, ehe wir die Kühe hinauslassen, spüren, um mich zu überzeugen, was es gewesen ist; denn wir dürfen solche Besuche nicht dulden,« entgegnete der Neger. In diesem Augenblicke ertönten abermals die lauten erzürnten Stimmen der Kühe und Daniel sprang rasch auf, ergriff seine Büchse, rief Pluto und eilte zu dem Thore. Er öffnete dasselbe schnell und glitt, von Carl gefolgt, hinaus und durch die Dunkelheit der Einzäunung zu, in welcher die Kühe brüllend umhertobten. Es war umsonst, in der Finsterniß einen Gegenstand erkennen zu wollen, darum schoß Daniel und auch Carl die Büchse ab, und Beide ließen laute, gellende Schreie ertönen, indem sie den Hund hetzten.

Pluto sprang zwar bellend in die Finsterniß hinaus, kam aber sogleich wieder zurück und Alles ward still; denn auch die Kühe hatten sich beruhigt.

Die Nacht verstrich ohne weitere Störung, und als der Morgen anbrach, begab sich Daniel nach den Kühen, um nach dem nächtlichen Besucher zu spüren. Bald entdeckte er denn auch die Fährte eines mächtigen Jaguars, der die Einzäunung umschritten, es aber doch nicht gewagt hatte, zu den erbosten Kühen hineinzuspringen. Daniel spürte nun seiner Fährte nach und fand, daß er von dem Pflaumenbache hergekommen war. Dort aber das Lager des Raubthiers aufzufinden, war ohne dazu abgerichtete Hunde nicht möglich, und man mußte sich damit begnügen, dasselbe bei einem wiederholten Besuche in der Nähe des Forts zu belauern. Nun machte sich Daniel dabei, den Bären zu streifen, zu zerlegen und dann die prächtige Haut zum Trocknen aufzuspannen. Mit dem größten Erstaunen sahen Turners den Rücken des Thieres von der Haut entblößen, wo derselbe mit einer sechs Zoll hohen Lage Feist bedeckt war; in gleichem Maße befand sich das Innere des Bären mit Fett durchwachsen, und die Vorrathskammer der Madame Turner erhielt einen wesentlichen Zuwachs an köstlichem Oel. Nach dem Frühstück begaben sich Carl und Daniel in den Wald hinter dem neu angelegten Feld, um dort ein Vorhaben auszuführen, welches sie schon lange besprochen hatten. Sie wollten nämlich eine Falle bauen, um wilde Truthähne zu fangen, deren sich unzählige in diesem Walde aufhielten, weil dort sehr viele Pecanußbäume standen, deren Früchte sie außerordentlich lieben und deren Genuß sie sehr fett macht. Auf einer Blöße im Walde baute Daniel eine Hütte, indem er junge Baumstämmchen im Kreis tief in den Boden steckte, sie oben mit den Spitzen zusammenband und sie dann mit dünnen Stöcken durchflocht. Die Hütte war mannshoch und so dicht, daß man kaum den Arm zwischen den Stämmchen durchstecken konnte. Nun begann Daniel in einiger Entfernung von derselben einen Pfad zu graben, der nach der Hütte hin immer tiefer wurde, so daß er wohl zwei Fuß tief unter dem Geflecht hin in dieselbe hineinführte und sich innerhalb wieder erhob. Die Stämmchen, unter welchen dieser Weg durchführte, wurden über demselben durch Stöcke und Weidengeflecht an ihren Enden verbunden. Nun streute Daniel um den Anfang des Pfades und auf demselben hin bis in die Hütte hinein losen Mais, welchen die Truthähne sehr lieben. Wenn nun die Vögel beim Aufpicken der Körner dem Pfade folgen und unter dem Geflecht in die Hütte hineingehen, so finden sie den Weg niemals wieder heraus, da sie die Köpfe erheben und an dem Geflecht hin- und herlaufen, um zwischen demselben einen Ausgang zu finden, nie aber daran denken, sich zu bücken und eben so hinauszugehen, wie sie hereinkamen. Die Arbeit war nach einigen Stunden vollbracht, und Daniel hoffte, daß sie schon heute Abend einige Gefangene gemacht haben würden. Carl konnte kaum den Sonnenuntergang erwarten, wo er mit dem Neger wieder nach der Falle gehen würde; um so fleißiger aber war er Tags über bei einer Arbeit, die er auf Anrathen Daniels begonnen hatte. Er verfertigte nämlich eine lange starke Leiter, die von dem steilen Uferabhange innerhalb des Forts bis auf ein Felsstück hinabführen sollte, welches unten aus dem Strome hervorsah. Es war eine Vorsichtsmaßregel des Negers für den Fall, daß einmal die Wilden das Fort stürmen würden, wo die Leiter dann dessen Bewohnern die Flucht aus demselben möglich machen sollte. Man konnte auf ihr leicht den Felsen im Flusse erreichen, und von da in dem Kanoe nach dem jenseitigen Ufer in den Wald gelangen, wo Daniel einen Fußpfad bis zu dem Fahrwege ausgehauen hatte. Bis jetzt war zwar noch kein Indianer wieder gesehen worden, Daniel sagte jedoch, daß man gerade darum am meisten auf seiner Hut sein müsse. Während Carl an der Leiter beschäftigt war, schlugen Turner und der Neger lange eiserne Nägel, an denen sie die Köpfe abgefeilt hatten, in die Spitzen der Pallisaden, damit dieselben bei einem etwaigen Sturm den Indianern das Uebersteigen erschwerten.

Unter solchen und ähnlichen Arbeiten verstrich der Tag, Carl legte vergnügt sein Handwerkszeug bei Seite und hing das Jagdgeräth um. Voller Erwartung eilte er nun mit Daniel den Hügel hinab und dem Walde zu, wo sie die Falle erbaut hatten. Sie traten in den Wald ein, und schlichen sich durch denselben hin, als plötzlich von fern her ein lautes Rauschen und Schlagen zu ihren Ohren drang.

»Wahrhaftig, es sitzen schon welche darin, hören Sie nicht, wie sie mit den Flügeln schlagen!« rief Daniel und sprang voran durch das Dickicht, während Carl ihm mit allem Eifer folgte.

Bald hatten sie die Hütte erreicht und gewahrten fünf kolossale Truthähne in derselben, die mit hochgehobenen Hälsen darin umherrannten und mit den Flügeln schlugen, als wollten sie davonfliegen.