Im Fort wird man uns nicht zurückerwarten, da unsere Freunde an dem Fallen des Wassers erkennen werden, daß wir an der Arbeit sind. Verstecken Sie sich in den Busch an jener Pappel, von dort können Sie das Wasser übersehen. Wenn ein Biber sich auf der Oberfläche zeigt, so müssen Sie ihn auf den Kopf schießen und schnell zu ihm ins Wasser springen und ihn ergreifen, ehe ihn der Strom mit sich fortnimmt. Treffen Sie ihn nicht in den Kopf, so entgeht er Ihnen. Das Wasser hier ist nicht tief. Seien Sie sehr vorsichtig und bewegen Sie sich nicht; denn der Biber ist eins der schlausten Thiere; und verlieren Sie die Geduld nicht, wir müssen darauf rechnen, vielleicht bis zu einbrechender Nacht zu sitzen. Wenn es so lange dauern sollte, und Sie können nicht mehr zum Schießen sehen, so gehen Sie am Ufer hinauf bis zu mir, dann gehen wir bis an das Ende des Wassers, welches in der Prairie zurückgeblieben ist, und nehmen unsern Heimweg im trocknen Grase.«

Indem Daniel seinem Gefährten noch guten Erfolg wünschte, eilte er auf dem Ufer hin, und fand in nicht großer Entfernung von Carl eine Menge Biberhäuser aus dem Bache hervorsehen, so wie auch mehrere, die seitwärts in dem Walde in Vertiefungen standen und nur noch von wenig zurückgebliebenem Wasser umgeben waren. Er wußte aber, daß diese bereits von ihren Bewohnern verlassen seien, und nahm sich darum nicht die Zeit, sie zu durchsuchen. Er wollte aber nicht in der Nähe Carls bleiben, um demselben nicht durch einen Schuß die Jagd zu verderben, deshalb schritt er weiter am Bache hinauf, und gelangte dahin, wo das Wasser nicht aus seinem Ufer ausgetreten gewesen war, und der Wald zu beiden Seiten mehr aus hohen Bäumen und nur einzelnen Büschen bestand. Es war dieselbe Gegend, wo Carl an jenem Abend den Bären erlegt hatte. Hier fand Daniel noch ein Biberhaus in dem Bache, dessen Ufer sich auf dieser Stelle weit von einander entfernten und eine Art von kleinem See bildeten. Der Neger wählte einen hochgelegenen Platz am Ufer, von wo aus er den ganzen Wasserspiegel übersehen und mit Genauigkeit bis an das Biberhaus schießen konnte.

Es stand dort ein alter Ahorn, an dessen Stamm er sich niedersetzte, nachdem er einige Büsche vor sich in die Erde gesteckt hatte, um sich dem Blick der Biber zu entziehen. Es war Nachmittag geworden und die Sonne begann ihre Strahlen schräg durch den Wald zu werfen.

Alles war still und lautlos, weder in dem Laube der hohen Baumkronen, noch auf dem glatten Wasserspiegel war eine Bewegung zu erkennen, und der goldene Streif, den das Sonnenlicht über den Teich warf, wurde nur zuweilen durch einen aufspringenden Fisch gekräuselt. Stunden eilten dahin, ohne daß ein Biber seine Gegenwart verrathen hätte, obgleich der sprühende scharfe Blick des Negers fortwährend das Wasser überwachte. Die Schatten der Bäume dehnten sich länger und dunkeler über die Erde aus, und hier und dort wurden zwischen den Stämmen Hirsche und Antilopen sichtbar, die vertraut und sorglos dem Bache zuschritten, um ihren Durst in dessen kühlen Fluthen zu stillen. Daniel sah ihnen zu, wie sie mit einander scherzten, ihre Gehörne an einzelnen Stämmchen rieben, oder die zartesten Kräuter in dem Grase suchten; da plötzlich fuhren mehrere derselben, wie durch irgend etwas erschreckt, zusammen und hielten lauschend die Köpfe in die Höhe.

Daniel blickte schnell um sich durch den Wald, so weit sein Auge aber reichte, konnte er Nichts erkennen, was die Veranlassung zu der plötzlichen Aufmerksamkeit der Thiere hätte geben können. »Vielleicht war es ein großer Raubvogel, der sie erschreckt hat,« dachte Daniel und blickte wieder nach dem Biberhause; da sah er unweit desselben eine Bewegung im Wasser, es erschien ein dunkeler Punkt auf der Oberfläche und derselbe bewegte sich jetzt schnell dem Ufer zu. Es war ein Biber, der schwimmend mit der Nase das Wasser theilte, und von derselben aus zwei lange Streifen in einem spitzen Winkel hinter sich auf dem glatten Spiegel zurückließ.

Daniel hatte behutsam die Büchse an den Backen gehoben, und zielte dem nahenden Thiere auf den Kopf, bis dasselbe nur noch wenige Schritte vom Lande entfernt war, dann gab er Feuer. Der Biber überschlug sich im Wasser und warf dasselbe hoch um sich auf, da hatte der Neger aber schon seine Büchse an den Baum gestellt und war in einem Satze bis zu der sterbenden Beute ins Wasser gesprungen. Er ergriff das Thier beim Schwanze und schwamm in wenigen Augenblicken mit ihm an das Land zurück.

Hier schüttelte er das Wasser von sich, hing seine Kugeltasche um und ladete den abgeschossenen Lauf seiner Büchse. Kaum hatte er dies vollbracht, und bückte sich, um sich wieder an dem Baume niederzusetzen und Carl zu erwarten, da fiel ein Schuß, und die Kugel schlug neben Daniels Kopf in den Baumstamm.

In weiten Sätzen sprang der Neger von der Anhöhe herab nach einer umgefallenen kolossalen Cypresse, die nur einige zwanzig Schritte von ihm entfernt lag, und warf sich hinter dem Stamme in das Gras nieder. Das scharfe, geübte Auge Daniels hatte aber beim ersten Umblicken den Schützen erkannt, einen Indianer, der hinter einer Eiche hervorsah und nach dem Schusse sich wieder hinter derselben verbarg. Diese Eiche stand weiter am Bache hinunter, etwa hundert Schritte von dessen Ufer entfernt, und der erste Gedanke des Negers war Carl zugewandt, der nun bald von dort her kommen mußte. Er schob die Holzaxt durch den Gürtel, den er um den Leib trug, und war im Begriff, den Indianer sofort anzugreifen, ehe derselbe seine Büchse wieder laden konnte, denn er wußte, daß die Wilden keine Doppelgewehre führten; doch hob er zuerst nur seinen Hut über dem Baumstamm hervor. In demselben Augenblick fielen von anderen Bäumen her wieder zwei Schüsse, und eine Kugel flog durch den Filz. Der Neger hatte gleichfalls die beiden Indianer gesehen, welche jetzt geschossen hatten.

Er war unschlüssig, ob er hervorspringen und den Kampf offen beginnen, so wie versuchen solle, den Weg zu Carl zu gewinnen; da kam ihm der Gedanke, daß möglicherweise eine noch viel größere Zahl von Wilden in der Nähe verborgen sein könnte und er dieselben bei einer Flucht seinem Gefährten gerade entgegenführen würde. Der Baum, hinter welchem er lag, war durch einen Sturm umgeweht und mit den Wurzeln aus dem Grunde gerissen, so daß diese mannshoch über dem Boden emporragten und tief in das Loch hinabhingen, welches sie in der Erde zurückgelassen hatten. In diese Vertiefung sprang Daniel jetzt hinein, weil er durch das Wurzelwerk des Baumes den Blicken der Feinde entzogen wurde und selbst doch zwischen demselben hindurch nach ihnen hinsehen konnte. Nur mit dem Kopfe ragte er über dem Erdboden empor, und vermochte die ganze Waldfläche nach den Indianern hin zu übersehen; so sehr sein Auge sich aber auch anstrengte, so konnte er doch Nichts von denselben gewahren. Er spähete unverwandt nach den drei Bäumen hin, von wo die Schüsse gekommen waren, und hielt selbst die sichere Doppelbüchse zum augenblicklichen Gebrauch fertig.

Die letzten Sonnenblicke waren verschwunden und der Abend breitete sein Düster durch den Wald aus, während die Besorgniß des Negers um seinen Gefährten von Minute zu Minute zunahm, und sich bis zu einer entsetzlichen Angst steigerte.