Diesen oberen Raum, welcher niemals vom Wasser berührt wird, füttern die Biber sauber mit Moos aus, und verwahren hier ihre Jungen. Im Norden, wo die Winter kalt sind, bringen sie im Herbst in den untern Raum des Hauses große Vorräthe von abgebissenen Stöcken, deren junge Rinde ihnen während der Zeit zur Nahrung dient, in welcher das Wasser mit Eis bedeckt ist und sie nicht an das Land gelangen können, um frische Zweige zu benagen; denn der Biber lebt ausschließlich nur von Baumrinden, und nicht, wie irrthümlich so vielfach geglaubt wird, von Fischen.
In einer Bibercolonie wird niemals ein fremder Biber aufgenommen, er muß sich entfernen, oder wird todtgebissen.
Ist die Gesellschaft zu zahlreich geworden, so theilt sie sich in zwei oder mehrere Partieen, und jede sucht sich einen andern Wohnort. Auch verlassen sie die Ansiedelung, sobald das weiche Holz in der Nähe des Wassers spärlich wird. Die Biber machen oft weite Reisen und wandern zusammen Stunden Weges über Berg und Thal, um sich eine Heimath zu suchen.«
»Das müssen ja einzige Thiere sein, können wir nicht eines derselben habhaft werden?« sagte Carl nach dieser Mittheilung des Negers.
»Eines derselben? nein, die ganze Gesellschaft wollen wir fangen, es soll uns auch nicht Einer davon entgehen. Ich werde nach dem Choctawbache reiten, und mir von den dortigen Ansiedlern sämmtliche Fallen borgen, die sie besitzen. Nur einen männlichen Biber müssen wir schießen, ehe wir die andern fangen können; denn wir müssen von ihm das Bibergeil erhalten, um seine Kameraden damit nach der Falle zu locken. Er trägt dasselbe, eine ölige Flüssigkeit, in zwei Drüsen bei sich.«
Während sich die beiden Jäger in dieser Weise unterhielten, brauste und tobte das Wasser mit wildem Ungestüm durch den geöffneten Damm, und sank dabei schnell oberhalb desselben. Nach Verlauf von einigen Stunden wurden auch die Ufer des Bachs wieder sichtbar, und jetzt, wo das Wasser aus der Prairie nicht mehr über dieselben abfließen konnte, nahm die Strömung im Bache auch sehr ab.
»Unser Feld muß schon ganz von Wasser frei sein, denn dasselbe liegt vollkommen so hoch, wie dieses Ufer hier,« sagte Daniel, indem er aufstand. »Nun kommen Sie, wir wollen es versuchen, ob wir am Bache hinaufgehen können.«
Hiermit sprang er von dem Baumstamme hinab auf das Ufer, und Carl folgte ihm nach. Der Boden war außerordentlich weich und schlüpfrig, so daß das Gehen auf demselben sehr erschwert wurde, die Jäger aber schritten demungeachtet frisch darauf los, wenn sie auch mitunter bis an die Kniee einsanken, oder eine Strecke Wasser zu durchwaten hatten. Je weiter sie durch die Büsche, Ranken und Dornen vorrückten, um so lichter wurde der Wald, und sie hatten eine umfangreiche Blöße in demselben erreicht, durch welche der Bach sich hinwand, da blieb Daniel stehen und zeigte auf einen hohen, oben abgerundeten Reisig- und Knüppelhaufen, der sich wohl zehn Fuß aus dem Bache erhob.
»Das ist eins der Biberhäuser, es sieht aus, wie ein riesiges Stachelschwein. Die Bewohner desselben werden bereits in großer Noth sein, weil das Wasser so sehr gefallen ist. Ich bin überzeugt, daß sie sich sämmtlich zu dem Damme begeben, um ihn auszubessern; sie werden sich aber sehr wundern, wenn sie das große Loch in demselben bemerken. An diesem Biberhause können Sie sehen, weshalb die Thiere den Damm gebaut haben. Sie haben das Wasser so hoch gestaut, daß ihre Wohnung von einem unabsehbaren Wasserspiegel umgeben war, und dieselbe dadurch ihren Feinden verborgen und unzugänglich blieb. Jetzt ist das Ufer kaum noch zehn Schritt von derselben entfernt, und ein Jaguar, ein Panther, oder ein Bär kann vom Lande aus leicht die Thiere in ihrem Gebäude wittern und sie darin überfallen; denn der Reisighaufen ist leicht auseinandergerissen. Wenn die alten Biber nun auch selbst dadurch nicht gefährdet würden, weil sie nur in dem untern Raum in das Wasser zu springen brauchen, um sich dem Feinde zu entziehen, so würden doch ihre Jungen demselben ein Opfer werden, und deshalb setzen sie die ganze Umgegend unter Wasser. Nun will ich Ihnen einen Vorschlag machen, junger Herr: Ich glaube nämlich, daß es gerade jetzt ein sehr günstiger Augenblick ist, um einen Biber zu schießen, weil dieselben wegen des fallenden Wassers hin- und herschwimmen, und sich auf der Oberfläche sehen lassen werden, was sie sonst nur in der Nacht thun.
Sie können hier sitzen bleiben, und ich will weiter am Bache hinauf ein anderes Biberhaus wählen, um dabei zu lauern.