»Biber – ist es möglich – Biber sollten diese Stämme abgenagt haben?«
»Freilich, sehen Sie nur die Stümpfe, die dort aus dem Wasser hervorragen; Sie können die Bisse an den abgenagten Stellen erkennen. Nun aber schnell, lassen Sie uns ein Loch in den Damm machen, damit wir das Wasser aus dem Felde kriegen. Dasselbe liegt höher als die Prairie und wird schnell trocken sein. O, wie werden sie sich im Fort freuen, wenn sie mit einem Male den Mais wieder sehen, dem die kurze Ueberschwemmung nur großen Vortheil bringt. Nehmen Sie sich aber in Acht, wenn das Wasser erst eine Oeffnung hat, so wird es mit einer furchtbaren Gewalt hervorbrechen, denn es ist an der andern Seite des Dammes wenigstens funfzehn Fuß tief.«
Es waren über ein Dutzend größerer und kleinerer Bäume von beiden Ufern her über den Bach gestürzt, die den Damm bildeten und so nahe zusammenlagen, daß derselbe nicht mehr als ungefähr dreißig Fuß Dicke betrug. Zwischen diesen Stämmen waren die Räume mit Aesten, Reisig, Buschwerk und Schlamm dicht ausgefüllt, so daß kein Wasser hindurch dringen konnte.
Daniel und Carl stiegen auf die Stämme hinauf, um zwischen ihnen dem Wasser Luft zu machen, als Daniel seinem Gefährten zurief:
»Sehen Sie nur die abgenagten Enden der Stämme und Aeste an, sieht es nicht aus, als ob sie mit einem scharfen Stemmeisen abgestochen wären. Und betrachten Sie nur die Menge von Spänen, die hier allenthalben umherliegen; man sollte glauben, man befände sich auf einem Zimmerplatze. Dort die beiden Espen sind auch schon rundum tief benagt, das steigende Wasser hat aber die Biber in ihrer Arbeit gestört, sonst hätten sie dieselben gleichfalls umgeworfen.«
»Wie künstlich die Thiere diese Tausende von Stöcken hier zwischen die Stämme unter unseren Füßen angebracht haben, um den Damm dicht zu machen und dem Schlamm Festigkeit zu geben.«
Während der Neger zu Carl sprach, zog er aus der Mitte des Dammes Stöcke, Aeste und Buschwerk hervor und warf es hinter demselben in das leere Bett des Baches, während Carl seinem Beispiel folgte und in gleicher Weise fleißig arbeitete. Sie hatten bald an der hinteren Seite des Dammes und in dessen Mitte bedeutende Oeffnungen gemacht, doch immer noch ließ er kein Wasser durch, weil seine vordere Seite, vor der sich der Bach gestaut hatte, mit einer dichten Lage von Schlamm bedeckt war. Daniel zog aber jetzt einige Büsche aus derselben hervor, das Wasser durchbrach die Schlammwand und der Strom schoß mit einer so rasenden Gewalt zwischen den Stämmen durch in das leere Bett hinter dem Damme, daß Reisig, Stöcke und Aeste sämmtlich in wenigen Augenblicken mit fortgerissen wurden und mit den hoch und wildschäumenden Fluthen dem Bärfluß zubrausten.
Daniel und Carl waren schnell auf das eine Ende des Dammes gesprungen, denn selbst die schweren Baumstämme warf der furchtbare Strom auseinander und stürzte sich in hochschlagenden Wogen zwischen ihnen durch.
»Setzen Sie sich zu mir auf diesen Stamm, junger Herr; in kurzer Zeit werden wir das Ufer am Bache hinauf wieder vom Wasser befreit sehen, dann wollen wir es versuchen, uns darauf hin einen Weg zu bahnen; es liegt etwas höher, als der Wald, und viel höher, als die Prairie außerhalb. Ich möchte gern die Häuser der Biber in Augenschein nehmen, um daraus auf die Zahl der Thiere zu schließen; es muß eine große Bibercolonie sein, sonst hätten sie diesen Damm nicht bauen können. An einem starken Baum nagen immer drei bis vier Biber zu gleicher Zeit, wenn sie ihn fällen wollen, was sie mit unglaublicher Schnelligkeit ausführen können, zumal da sie nur weiche Holzarten dazu wählen. Liegt der Baum einmal, dann fällt die ganze Colonie, die häufig aus hundert Stück besteht, darüber her und ein jeder Biber nimmt einen Ast vor. Wollen sie einen Damm bauen, so fällen sie die Bäume mit großer Geschicklichkeit so, daß sie über den Bach fallen, die abgebissenen Aeste tragen sie in den Zähnen zwischen die Stämme, so auch die dünneren Zweige und die Büsche, und dann führen sie auf ihren breiten, platten, haarlosen Schwänzen den Schlamm herbei, um alle Oeffnungen damit zu verkitten.
Der Bach, in seinem Laufe aufgehalten, steigt nun rasch und dehnt sich zu beiden Seiten aus, worauf die Biber in tiefen Stellen auf offenen Plätzen ihre Häuser in das Wasser bauen. Sie führen dieselben aus zwei bis drei Fuß langen Stöcken auf, welche sie im Kreis vom Grund des Wassers verflechten und zwischen einander so durchstecken, daß sie eine starke, dicke Mauer bilden, die sie noch drei bis vier Fuß über dem Wasserspiegel enger bauen, und dann oben in Form einer Kuppel vereinigen. Das Gebäude hat das Ansehen eines Bienenkorbes, hat aber sichtbarlich keinen Eingang, denn derselbe befindet sich auf dem Grunde des Wassers. Das Innere des Hauses ist mit einer, mitunter auch mit zwei Abtheilungen übereinander eingerichtet, von welcher die obere sich über dem Wasserspiegel befindet, und in welche der Eingang durch den Fußboden führt.