Daniel reichte Carl sein Gewehr, zog die Holzaxt aus seinem Gürtel hervor und sprang behend vom Ufer hinab. Kaum nahete er sich auf dem sandigen Grunde dem Wasserpfuhl, in welchem der Alligator lag, als derselbe den Neger gewahrte und, seinen furchtbaren Rachen öffnend, aus der Vertiefung hervor und auf ihn zuschwamm. Die Bewegungen dieses häßlichen gefährlichen Thieres sind auf dem Lande glücklicherweise ebenso unbehülflich und langsam, wie die einer Schildkröte, und weder Mensch noch Thier hat es außerhalb des Wassers zu fürchten, wenn seine Gegenwart ihm einmal bekannt ist. Liegt es aber regungslos da, so gleicht es einem alten vermoderten Stück Holz und lauert darauf, daß ein lebendes Wesen sich ihm sorglos nahet, um es mit Blitzesschnelle mit seinem schrecklichen Gebiß zu erfassen, aus welchem keine Befreiung möglich ist.

»Wart, Ungeheuer, Du sollst keinen Schaden mehr thun!« rief Daniel dem erbosten Thiere zu, welches, mit dem Rachen schnappend und mit dem Schwanze um sich schlagend, ihm entgegen kroch.

Der Neger hatte sich ihm bis auf wenige Schritte genähert und schwang die schwere Axt über sich durch die Luft, der Alligator hob sich auf seinen Vorderfüßen so hoch auf, als er konnte, und hielt den weit aufgerissenen Rachen in die Höhe, als wolle er die Axt ergreifen; doch das schwere Eisen schoß pfeifend herab und vergrub sich in dem Schädel des Ungethüms. Daniel sprang zurück, mußte aber die Axt im Stich lassen, mit welcher im Kopf, der Alligator wüthend nach ihm schnappte und ihn verfolgte.

»Werfen Sie mir Ihre Axt herunter, junger Herr, ich mag dem Teufel doch nicht zu nahe kommen,« rief der Neger seinem Gefährten zu und fing dann die Axt, welche dieser vom Ufer herabwarf.

Der Alligator schlug mit Kopf und Schwanz in der größten Wuth um sich, während der lange Axtstiel über seinem Schädel hervorstand; doch Daniel benutzte einen Augenblick, wo er sich ihm von der Seite nahen konnte, und hieb ihm mit einem Schlage den Kopf vom Rücken ab.

»So, du gräuliches, böses Thier, nun ists vorbei mit deinem Morden, gieb mir nun meine Axt wieder,« sagte Daniel, indem er dem getödteten Alligator das Eisen aus dem Kopf zog und dann wieder auf das Ufer hinaufsprang.

Nun eilte er mit Carl am Bache weiter hinauf und sie hatten etwa einige tausend Schritte zurückgelegt, als sie vor sich über dem Bette des Baches eine Wand von umgestürzten Baumstämmen, Aesten und Reisholz gewahrten, die wild durcheinander hinlagen, aber doch eng mit einander verbunden schienen. Zugleich sahen sie seitwärts den Boden des Waldes mit Wasser bedeckt, welches, von diesem Damm zurückgehalten, über das Ufer des Baches ausgetreten war.

»Hallo, seid Ihr es, die uns den Streich gespielt haben? Das sollt Ihr mit Euren Fellen bezahlen!« rief der Neger, laut auflachend, und wandte sich dann zu seinem erstaunten Gefährten: »Was meinen Sie, wer hat wohl diesen Damm gebaut?«

»Wer anders, als Indianer – das ist eine ungeheure Arbeit gewesen,« entgegnete Carl und sah verwundert auf die mehrere Fuß starken Baumstämme, die übereinander hingeworfen waren.

»Nein, nein, junger Herr, das sind ganz andere Zimmerleute, es sind Biber.«