Mehrere Wochen eilten aber wieder dahin, ohne daß von Indianern Etwas gesehen worden wäre, und die Besorgniß der Ansiedler nahm abermals nach und nach in der Gewöhnung an die Gefahr ab. Die Zeit war gekommen, daß das Feld mit Mais bestellt werden mußte, bei welcher Arbeit abwechselnd bald Turner, bald Carl dem Neger behülflich war, Einer von ihnen aber immer in dem Fort zurückblieb.
Während das Feld nun nochmals gepflügt und dann besäet wurde, mußten die Hunde dessen Umgebung bewachen, zu welchem Zwecke Daniel sie auf allen vier Seiten desselben ankettete.
Auch diese Arbeit wurde ohne alle Störung ausgeführt, und nach wenigen Wochen zeigte der Mais sich in frisch grünen Reihen über dem Felde. Die Freude der Colonisten über diese üppig aufschießende Hoffnung für die erste Ernte war groß, und mit Leidwesen zogen sie auf das Anrathen Daniels die vielen überflüssigen Pflanzen aus den schönen Reihen, obgleich der Neger ihnen erklärte, daß an einer geringern Zahl derselben bedeutend mehr und besserer Mais wachsen würde. Bei dieser Arbeit halfen auch Arnold und Wilhelm, so wie sie sich auch fleißig dabei betheiligten, als mit der Hacke die Erde um die Pflanzen aufgehäuft wurde. Von dem Hügel aus konnte man nach dem Felde hinsehen, und sobald das Fort am frühen Morgen geöffnet wurde, erfreuten sich die Bewohner desselben an dem hellgrünen Schein, womit der Mais zu ihnen herüberglänzte. Man mag sich nun den Schrecken der Ansiedler denken, als sie eines Morgens aus der Festung traten und sahen, daß das Feld, so wie die ganze Grasfläche vom Fuße des Hügels an bis in die Ecke am Pflaumenbach, sich in einen See verwandelt hatte. Carl war der Erste, der die Ueberschwemmung gewahrte, und auf seinen Ruf kamen alle Uebrigen herausgeeilt, um eben so traurig überrascht zu werden.
»Das ist Wasser aus dem Pflaumenbache, denn der Bärfluß ist ja nicht gewachsen,« sagte Daniel, indem er sinnend auf den ruhigen Wasserspiegel blickte, der sich wohl eine halbe Meile weit an dem Walde des Pflaumenbachs hinaufzog. »Sicher ist der Abfluß des Baches in den Bärfluß gehemmt, und darum hat sich das Wasser seitwärts Luft gemacht. Wie kann dies aber geschehen sein?«
»Sollten uns die Indianer vielleicht einen Streich gespielt haben, um unsere Ernte zu zerstören?« bemerkte Turner.
»Nein,« entgegnete Daniel mit Bestimmtheit, »von Indianern haben wir nur verborgene oder offene Angriffe auf unsere Person zu erwarten, sie werden, wenn es in ihrer Macht steht, uns tödten; uns aber nur Schaden zuzufügen, das fällt ihnen nicht ein. Warum bringen sie unsere Kühe nicht um, die oftmals so weit in die Prairie hinausgehen, daß wir sie von hier aus nicht mehr sehen können? Wenn sie das Wasser so hoch zu stauen im Stande wären, daß wir darin ertrinken müßten, oder wenn sie es uns bei einer Belagerung gänzlich entziehen könnten, um uns verdursten zu lassen, so würden sie es thun; aber eine solche schwere Arbeit auszuführen, wie das Abdämmen des Pflaumenbaches, ohne daß sie unser Leben dadurch gefährdeten, daran werden sie nicht denken. Es hat eine andere Ursache, mag sie sein, welche sie will. Wir werden sehr bald darüber ins Klare kommen; nehmen Sie Ihre Waffen, junger Herr, wir wollen gleich nach dem Pflaumenbache hingehen.«
Hiermit sprangen der Neger und Carl in das Fort, Beide ergriffen ihre Büchsen und eilten an der Einzäunung des Gartens hin bis an das Ufer des Bärflusses, denn dasselbe lag höher, als die Prairie, und war noch von Wasser frei. Sie folgten dem Ufer in den Wald hinein, und konnten nur mit großer Mühe dort ihren Weg darauf fortsetzen, weil dasselbe dicht mit Dornen und Büschen bedeckt war. Dennoch bahnten sie sich ihren Weg und trafen schon hier und da das Wasser bis auf das Ufer des Bärflusses vorgedrungen. Sie schritten bald bei dem überschwemmten Felde vorüber und näherten sich der Mündung des Pflaumenbaches, hörten aber das gewohnte heftige Rauschen nicht, womit derselbe seine Fluthen in den Bärfluß hinabstürzte. Hier war der Boden des Waldes auch trocken, und als sie nun das Ufer des Pflaumenbaches erreichten, fanden sie dessen Bett größtentheils von Wasser frei, und nur hier und dort eine Vertiefung mit demselben angefüllt.
»Wie ich es vorhersagte, der Bach ist abgedämmt, aber weiter nach oben,« sagte Daniel, von dem Ufer hinabblickend, »ich bin doch wirklich neugierig, wie dies geschehen ist; ich kann mir nicht denken, daß es die Indianer gethan haben sollten. Kommen Sie, wir wollen am Bache hinaufgehen, um uns das Räthsel zu lösen.«
Der Neger voran, und Carl ihm folgend, waren sie nur eine kurze Strecke gegangen, als Daniel stehen blieb und in das Bett des Baches hinabzeigte, indem er sagte:
»Dem Burschen da unten wollen wir aber doch das Lebenslicht ausblasen; sehen sie den ungeheuren Alligator, wie er aus dem Wasserloch hervorsieht, es ist zu seicht für ihn. Halten Sie meine Büchse, ich will ihm den Kopf abhauen.«