Turner, Daniel und die Knaben hatten eilig zu ihren Waffen gegriffen, und sich damit in dem Hofe aufgestellt.
Sie hefteten ihre Blicke gegen den nächtlichen Himmel auf die Spitzen der Pallisaden, um etwaigen Feinden das Uebersteigen zu wehren, und lauschten dabei auf jeden Ton nahe und fern. Bald aber kamen die Hunde sämmtlich zurück in das Fort und gaben dessen Bewohnern durch ihre Rückkehr die beruhigende Ueberzeugung, daß kein Feind sich mehr in der Nähe befinde. Daniel bat seine Freunde dringend, sich zur Ruhe zu begeben, er selbst wolle während dem Rest der Nacht im Hofe wachen, wobei Carl es sich nicht nehmen lassen wollte, ihm Gesellschaft zu leisten.
Turners dankten ihm für seine Liebe, seine Fürsorge und gingen dann beruhigt nach ihren Lagern, worauf Daniel die vier, von Warwick erhaltenen Hunde aus dem Fort schickte, Pluto aber bei sich behielt. Dann setzte er sich mit Carl auf die Bank vor dem Hause, von wo er die Pallisaden übersehen konnte, und erzählte seinem jungen Freunde von den vielen blutigen Fehden, die er unter den Indianern mitgefochten hatte. Die Nacht verstrich aber ohne alle Störung, und als der Tag kam, und Turner wieder im Hofe erschien, ging der Neger mit Carl aus dem Fort, um sich davon zu überzeugen, was die Ursache der nächtlichen Störung gewesen sei. Er suchte um den Fuß des Hügels in dem bethauten Gras, und erkannte bald an den niedergebeugten und zerknickten Halmen die Spur der Hunde, wo sie ihren Feind verfolgt hatten. Die Fährte des Feindes selbst konnte er in dem Grase nicht unterscheiden, er ging aber der Spur bis in den Wald am Pflaumenbach nach. Dort wandte sich dieselbe am Holze hin und auf dem ersten Büffelpfad in dasselbe hinein. Hier blieb Daniel stehen, gab Carl seine Büchse zu tragen, und legte sich nun auf die Kniee nieder, um die staubige Erde auf dem Wege zu untersuchen. Er war nur eine kurze Entfernung auf demselben hingekrochen, als er Carl zu sich rief, und ihm den kaum sichtbaren Abdruck eines menschlichen Fußes in dem leichten Staube zeigte.
»Es sind Waco- oder Tonkoway-Indianer gewesen, man kann es deutlich an der Schärfe der dicken harten Sohlen unter ihren Mokassins erkennen,« sagte er.
»Diese beiden Stämme sind sogenannte Fußindianer, und zwar die einzigen, welche diese südlichen Länder bewohnen, während alle übrigen Stämme Pferdeindianer sind, das heißt, Indianer, welche ihre Jagd- und Kriegszüge zu Pferde machen und stets große Heerden dieser Thiere auf ihren Wanderungen mit sich führen.
Die Pferdeindianer sind Jahr aus Jahr ein auf der Reise, sie leben ausschließlich von der Jagd, ziehen im Frühling weit nach Norden in die großen endlosen Prairien, den unzähligen Büffelheerden nach, und kehren im Herbst wieder nach Süden zurück, wo die Weiden nie aufhören zu grünen. Diese Fußindianer dagegen verlassen diese Gegend nicht, und schleichen wie Schlangen in den Wäldern und Büschen umher, weil sie mit den Pferdeindianern in ewigem Kriege leben, und von ihnen ebenso sehr gehaßt und verfolgt werden, wie von den weißen Grenzansiedlern.
Sie sind sämmtlich mit Feuerwaffen versehen, während die anderen Wilden dieser Länder keine solche besitzen, und darum sind sie auch viel gefährlicher, als diese. Wir müssen jetzt sehr auf unsrer Hut sein, denn dies ist sicher nicht ihr letzter Besuch bei uns gewesen.«
Der Neger zeigte seinem Gefährten nun die Spur noch weiter auf dem Pfade hin, um ihn dadurch zu unterrichten, und dann begaben sie sich nach dem Fort zurück, um noch einige Vorsichtsmaßregeln gegen solche nächtliche ungebetene Gäste zu treffen.
Dort angelangt, verfertigte Daniel aus dem Bandeisen, womit die Kisten Turners benagelt gewesen waren, zwei weitläufige Geflechte in der Form von Körben, welche dazu dienen sollten, Kienspäne darin anzuzünden und die Umgebung des Forts bei Nacht schnell zu beleuchten. Er errichtete nun in jeder der beiden vorderen Ecken der Pallisadenwand aus leichten Baumstämmen hohe Galgen, und befestigte an die Spitze von deren Armen eine Rolle. Durch diese zog er eine eiserne Kette, an deren Ende er einen der Körbe anhing, so daß man denselben daran aufziehen konnte, bis er mehrere Fuß hoch über den Pallisaden in der Luft hing. Auf diese Weise wollte der Neger bei einer nächtlichen Störung die ganze Umgebung des Forts hell erleuchten, damit man durch die Schießscharten den Feind erkennen und nach ihm feuern könne. Die Vorrichtung war außerordentlich einfach und sehr bald ausgeführt, und auch noch ein tüchtiger Vorrath von Kienspänen herbeigeholt.
Diese neue Erinnerung an die Gefahr, in welcher Turners lebten, hatte ihre Besorgniß wieder frisch angefacht, mit Bangen sahen sie den Abend nahen und fuhren bei dem leichtesten Gebell der Hunde zusammen. Die Pferde wurden mit Sonnenuntergang schon aus dem Grase geholt, getränkt und in das Fort geführt, dann das Thor desselben geschlossen, und die vier neuen Hunde hinausgelassen und ausgesperrt. Die Schrotflinten waren sämmtlich für eine etwaige Vertheidigung der Festung mit Röllern geladen, und alle übrigen Waffen zum schnellen Gebrauch in Bereitschaft gesetzt.