Das Rauchhaus war mit Fleisch gefüllt, die durch Daniel und Carl verfertigten Bütten mit Salzfleisch versehen, ein großer Vorrath von Heu war im Fort aufgestapelt, und eine zweite Ladung Mais war vom Choctawbache herbeigeschafft worden. Die Familie Warwicks hatte Turners wiederholt besucht, und alle deren Mitglieder freuten sich innig über das segensreiche Gedeihen der Ansiedelung. Warwick war jederzeit eine Gelegenheit willkommen, wo er Turners gefällig oder dienlich sein konnte, und er brachte ihnen bei seinen Besuchen immer irgend ein nützliches Geschenk mit. So hatte er ihnen einen Beutel voll Pfirsich-, Pflaumen- und Aprikosenkerne geschenkt, um sie zu pflanzen, da in diesem Lande aus den Kernen die vortrefflichsten Obstbäume gezogen werden, und meist schon im vierten Jahre Früchte tragen. Auch hatte er bei seinem letzten Besuche vier ausgewachsene junge Hunde mitgebracht, damit dieselben helfen sollten, das Fort zu bewachen.
Bei dieser Gelegenheit sprach er auch sein großes Erstaunen darüber aus, daß Turners so ganz und gar von den Feindseligkeiten der Indianer verschont geblieben waren, und erklärte, daß dies zu den wirklich ungewöhnlichen Ausnahmen gehöre. Er hoffte und wünschte, daß diese Ruhe nicht diejenige sein möge, welche einem schweren Sturme voranzugehen pflege, und rieth besonders unausgesetzte Vorsicht an.
Die Weihnachten naheten und Madame Turner konnte nicht umhin, auch hier Vorbereitungen für das Begehen des Festes zu treffen, wie sie so oft frohen Herzens in dem alten theuren unvergeßlichen Deutschland gethan hatte.
Es wurden aus dem Wachs der wilden Bienen kleine Kerzen bereitet, es wurden Honigkuchen gebacken, zu welchem Zwecke von Warwicks ein Fäßchen Weizenmehl gekauft worden war, Nüsse, und zwar die allerherrlichsten, hatte der Wald geliefert, nur der Tannenbaum, wie er in Deutschland das Weihnachtsfest zierte, war hier nicht zu finden. Statt seiner schaffte aber Daniel einen schönen Cederbaum an, und stellte ihn am Weihnachtsabend in einem der Häuser auf. Der Neger, der noch nie dies Fest hatte begehen sehen, der aber so viel durch die Kinder darüber erfahren hatte, freute sich selbst wie ein Kind darauf, und konnte kaum den Abend erwarten, bis er die Lichter an dem Baume brennen sehen würde.
Die Nacht brach herein und Alle, bis auf Madame Turner, hatten sich in dem Wohnzimmer versammelt, während diese in der Stube bei dem Baume beschäftigt war. Endlich ertönte die Schelle, die Thür in dem andern Hause öffnete sich, der helle Kerzenschein drang aus ihr hervor, und die Kinder stürmten mit ihrem Freunde Daniel, und von Turner gefolgt, in das blendend erleuchtete Gemach. Da hob sich der geschmückte Baum im prächtigen Lichterglanz, Kisten mit bunten Tüchern überdeckt, vertraten die Stelle der Tische, und auf ihnen lagen Geschenke für alle Anwesenden und standen Teller mit allerlei Backwerk und Nüssen.
Dabei war das Zimmer mit blendend weißen Leinentüchern behangen und mit frischem immergrünen Laub geziert, und neben dem Kamin, in welchem ein lustiges Feuer flackerte, stand auf einem improvisirten Tische ein großer Suppennapf mit dampfendem Punsch, wozu Warwicks gleichfalls die Ingredienzen geliefert hatten. Die Freude, der Jubel Aller war groß, der Neger aber schien am Tiefsten ergriffen.
Er stand verwundert und sprachlos da, und wußte nicht, wohin er seine Blicke wenden sollte, bis Madame Turner ihn freudig bei der Hand ergriff und ihn zu dem Tische führte, auf welchem seine Geschenke lagen. Sie hatte für ihn, so wie für Carl, eine Weste aus Hirschleder gearbeitet und schön mit bunter Seide gestickt, Turner hatte sich vom Choctawbache her eine Pfeife und Taback für ihn verschafft und außerdem ihn mit Baumwollenzeug zu einem ganzen Anzug beschenkt. Die dankbare Rührung des Negers überwältigte ihn vollständig, bebend küßte er Allen die Hände, und Thränen der Freude netzten seine schwarzen Wangen. Carl fand auf seinem Tische eine goldene Uhr, welche Turner für ihn aus Deutschland mitgebracht hatte, und eine Menge kleiner Handarbeiten von seiner Tante und von Julie prangte daneben im hellen Lichtscheine.
Arnold und Wilhelm waren von ihrer Mutter mit ledernen Jacken beschenkt, die sie aus den Häuten von Hirschen verfertigt hatte, welche durch die Knaben selbst erlegt worden waren.
Wenn nun auch Manches fehlte, was in Deutschland dazu beigetragen hatte, die Feierlichkeit und den Glanz des Weihnachtsfestes zu erhöhen, so war die Heiterkeit und das Glück der Ansiedler deswegen nicht weniger groß, und mit wonnig bewegten Herzen gaben sie sich der Freude hin, die ihnen der heilige Abend bot.
Er verstrich in sorgloser Fröhlichkeit, und Mitternacht mahnte daran, daß es Zeit sei, sich zur Ruhe zu begeben, als die Hunde außerhalb des Forts plötzlich ein wüthendes Gebell anstimmten. Sie waren durch die, für sie angelegten kleinen Oeffnungen in den Pallisaden hinaus gerannt, und schienen im Anfang ganz in der Nähe der Festung irgend einen Feind vor sich zu haben, bald aber entfernte sich der Lärm in der Richtung nach dem Pflaumenbache hin, wo er zuletzt verhallte.