Am folgenden Morgen gab es nun viele Arbeit im Fort. Turner und dessen Frau und Tochter zerlegten das Fleisch und salzten es ein, einen Theil davon aber hingen sie, in dünne Scheiben zerschnitten, auf Stöcken über ein stark rauchendes Kohlenfeuer, wo auch die Sonnenstrahlen darauf einwirken konnten, um es schnell zu trocknen. Daniel und Carl nahmen die beiden Büffelhäute vor und reinigten sie mit dem Ziehmesser von allen Fleischtheilen, welche noch an der Haut saßen; dann bestrichen sie die schönste derselben mit dem Gehirn der beiden Büffel und falteten sie zusammen, um sie am folgenden Tage zu gerben; die zweite Haut aber legte Daniel mit dem Haar nach unten auf einen ganz ebenen Platz, und nagelte sie auseinandergespannt mit hölzernen Pflöcken auf die Erde fest. Dann stach er sein sehr scharfes Messer in die Mitte derselben ein, drehte es in einen kleinen Halbzirkel, so daß er die Haut hier fassen konnte, und begann nun einen zollbreiten Streifen aus derselben zu schneiden, indem er ihn mit der linken Hand an sich zog und ihn im Kreise immer weiter aus der Haut löste, bis er endlich die Holzpflöcke erreichte und das ganze Fell in einen, mehrere hundert Fuß langen Streifen zerschnitten war. Dieses Band wurde nun zwischen einzelnstehenden Bäumen von einem Stamme zum andern ausgespannt und die Haare davon mit scharfen Messern abgeschabt. Außer Carl mußten Arnold und Wilhelm dem Neger bei dieser Arbeit behülflich sein, und nachdem sie sauber vollendet war, wurden schwere Holzstücke an den Hautstreifen gehangen, damit derselbe sich so lang als möglich ausdehne. Dabei wurde er naß erhalten und am folgenden Morgen in fünf gleich lange Stücke zerschnitten. Dieselben rollte Daniel zu Knäueln auf, band deren Enden zusammen und hing sie an den Ast eines Baumes. Nun begann er, diese fünf Streifen fest zusammen zu flechten, so daß er einen Strick daraus bereitete, der über vierzig Fuß lang war. Denselben spannte er abermals zwischen zwei Bäumen aus, rieb ihn tüchtig mit Bäröl ein und hing schwere Gewichte daran, um ihn möglichst auszudehnen, wodurch er dünn und rund wurde und die einzelnen Streifen sich fest ineinander zogen. Nachdem dieses Lederseil mehrere Tage so ausgespannt und vollkommen getrocknet war, verflocht Daniel das eine Ende desselben zu einer Schlinge, wodurch der Lasso fertig wurde. Er war sehr glatt und geschmeidig und von außerordentlicher Stärke. Die andere Büffelhaut hatte Daniel gegerbt, sie war weich und zart, wie ein Tuch, und gab für Carl eine prächtige Bettdecke.

Eines Morgens beim Frühstück, als Madame Turner das Gefäß mit Honig auf den Tisch setzte, welchen sie zum Versüßen des Kaffee's von Warwicks erhalten hatte, sagte sie: »Hier ist aber der letzte Honig, wir müßten einmal versuchen, ob wir nicht von Warwicks welchen kaufen könnten.«

»Honig kaufen?« rief Daniel lachend, »das wäre schön – wir wohnen ja in dem Lande, wo Honig fließt. Nein, Madame Turner, Sie brauchen deshalb nicht zu Warwicks zu schicken, ich will Ihnen sogleich so viel holen, wie Sie bedürfen. Geben Sie uns nur einige Eimer, und in ein paar Stunden sollen dieselben mit Honig gefüllt sein.«

Madame Turner hielt Daniel beim Wort, und nach dem Frühstück nahm er die drei Knaben mit sich nach dem Ufer des Flusses, wo dasselbe sich sandig abflachte. Dort setzte er sich nieder und hielt seinen Blick auf den Wasserrand geheftet. Nach wenigen Minuten schon kamen mehrere Bienen geflogen und ließen sich zum Trinken an dem Wasser nieder. Als sie sich wieder in die Luft erhoben, folgte Daniel ihnen mit dem Blick, so weit er sie sehen konnte, ging dann bis dorthin und steckte einen Stock in die Erde, auf welchem er ein mit Honig bestrichenes Papier befestigt hatte. Nach kurzer Zeit fielen mehrere Bienen auf dasselbe nieder und beluden sich schnell mit der Süßigkeit. Als sie nun wieder davon flogen, folgte ihnen Daniel abermals mit dem Stock und pflanzte denselben da auf, wo er sie zuletzt gesehen hatte. So ging es nun wohl eine Viertelstunde weit am Waldsaume hin, bis die Bienen, deren Zahl sich schnell vermehrt hatte, sich von dem Papier nach einer alten Platane wandten, die an dem äußersten Ende des Waldes stand.

»Dort in jenem Baume wird wohl ihre Wohnung sein,« sagte Daniel, indem er nach der Platane ging und deren Aeste betrachtete.

»Richtig, da oben sind sie,« rief er den Knaben zu, »sehen Sie den schwarzen Fleck an jenem starken Aste? Das sind die Bienen vor dem Eingange ihres Baues. Carl, zünden Sie ein tüchtiges Feuer hier an, ich will mich auf den Baum machen und den Ast abhauen.«

Der Neger warf nun den Lasso über einen der Aeste des ungeheuren Baumes, so daß die beiden Enden an dem Stamme herunterhingen, befestigte sie um denselben und kletterte nun an dem Seile hinauf. Dann ließ er eine Leine von oben herab, an welche die Knaben die Holzaxt binden mußten, die er daran zu sich heraufzog. Nun stieg er nahe zu dem Aste hin, in welchem die Bienen hausten, und begann ihn dicht am Stamme abzuhauen. Es war keine leichte Arbeit, denn der Ast hatte über drei Fuß im Durchmesser und der Stand des Negers war unbequem, so daß dieser sich oftmals ruhen mußte; dennoch begann nach einer Stunde der Ast sich zu neigen und stürzte plötzlich mit lautem Krachen zur Erde nieder. Er zerbrach im Falle in mehrere Stücke, und die Aushöhlung, in welcher der Honig sich befand, war geöffnet. Die Bienen wirbelten sich, wie eine schwarze Wolke über ihrer zertrümmerten Wohnung auf, und Daniel rief den Knaben zu, beim Feuer zu bleiben, bis er hinabgestiegen sei. Er ließ sich nun wieder an dem Lasso zur Erde nieder, eilte zum Feuer und ergriff einige Feuerbrände. Die Knaben mußten desgleichen thun, und nun trugen sie die rauchenden Stücke Holz zu dem zerbrochenen Aste, unbekümmert um die Bienen, die denselben dicht umschwärmten. Der starke Rauch vertrieb die erzürnten Thiere schnell, und ihre Räuber begannen nun, mit den Messern die Wachszellen aus der Höhlung des Astes zu schneiden und die mitgebrachten Gefäße damit zu füllen. Der Honig war so hell, wie Wasser, und von so köstlichem gewürzigen Geschmack, daß die vier Bienenjäger sich während der Arbeit nach Herzenslust daran labten. Sie hatten vier Eimer damit gefüllt und traten schwer beladen ihren Rückweg nach dem Fort an, wo Madame Turner durch den herrlichen Honig freudig von ihnen überrascht wurde.

»An Honig soll es nie fehlen, denn ich will mich verbindlich machen, in ganz kurzer Zeit über hundert Bienenstöcke aufzufinden,« sagte Daniel, erfreut, seinen Freunden sich abermals nützlich erwiesen zu haben. »Es wäre aber schade, wenn wir uns die Bienen entgehen lassen wollten, denn es ist ein kräftiger junger Schwarm; wir wollen sie heute Abend einfangen und hier beim Fort aufstellen.«

Um dies auszuführen, wurde im Walde ein Stück von einem umgefallenen hohlen Baume abgeschnitten und mit den Ochsen nach dem Fort geschleift. Dort wurde es mit der unteren Oeffnung auf ein Brett gestellt, die obere mit einem solchen vernagelt und ein Eingang an dem untern Rande eingeschnitten. Als nun der Abend kam, begaben sich die Bienenjäger wieder nach dem abgehauenen Aste, wo sie die Bienen auf einen Haufen versammelt fanden. Daniel schüttete sie in einen Sack, trug sie nach dem Fort, und schüttelte sie dort in den hohlen Baumstumpf hinein, der dann wieder auf das Brett gestellt wurde. Schon am folgenden Morgen fingen die Bienen an zu arbeiten, und ihre neue Wohnung mit Zellen zu versehen.

Alles gedieh unter der Arbeit und der Sorge der fleißigen Ansiedler; der Garten lieferte ihnen ununterbrochen einen Ueberfluß an herrlichen Gemüsen und Früchten; die köstlichsten Melonen kamen trotz der Winterzeit zur Reife, sehr schmackhafte Kürbisse wurden geerntet und andere wegen ihrer äußern Schale gezogen, die zu Gefäßen aller Art benutzt wurden, und süße Kartoffeln und Erdnüsse wuchsen in Menge. Auch der Viehstand hatte sich vermehrt, es waren mehrere Kälber geboren, die Sau hatte acht niedliche Ferkel zur Welt gebracht und die Hühner waren kaum noch zu zählen. Diese wurden gänzlich sich selbst überlassen, sie schliefen während der Nacht in den nächststehenden Bäumen, brüteten in den Büschen ihre Eier aus, und führten dann ihre Kleinen nach dem Fort, wo eine solche Schaar jungen Anwuchses immer freudig begrüßt wurde.