»Hallo – hier ist eine Poolkatze gewesen!« rief Daniel, als sie das Thor der Festung erreichten, wo ihnen der immer noch starke Geruch des durch Pluto getödteten Thieres entgegenkam. Auch in dem Hause war derselbe noch nicht ganz beseitigt, und Daniel unterrichtete nun seine Freunde, daß das Thier eine Poolkatze oder Stinkthier gewesen sei, eine Art Iltis, welcher sich gegen seine Feinde durch Ausspritzen des stinkenden Saftes vertheidige.

Das Mittagsessen wurde nun schnell eingenommen und darauf der leichte Wagen bespannt, um das Fleisch des erlegten Büffels herbeizuschaffen. Carl fuhr, und Daniel folgte ihm zu Pferde. Bald sahen sie die rothe Fahne im Winde flattern, und über ihr viele hunderte von Geiern die Luft durchschwärmen, die sich nicht in die Nähe des rothen Tuches wagten. Als sich die Jäger näherten, ergriffen auch viele Wölfe die Flucht, die sich in einiger Entfernung um den Büffel gesammelt hatten, aber gleichfalls durch das wehende Tuch von ihm zurückgehalten worden waren.

Daniel band sein Pferd an den Wagen und beeilte sich nun, mit Carls Hülfe dem Büffel die prächtige Haut abzunehmen. Dann wurde derselbe ausgeweidet, in Stücke gehauen und dieselben auf den Wagen gehoben. Das Fleisch war ganz mit goldgelben Fettadern durchwachsen und Daniel erklärte, daß man nur selten einem so außerordentlich feisten Büffel begegne. Kaum hatten sich die Jäger einige hundert Schritte von den zurückgelassenen Ueberresten des Thieres entfernt, als die Geier sich zu Hunderten aus der Luft herabschwangen und sich auf dieselben niederließen. Die Fahrt ging des sehr hohen Grases wegen nur langsam von Statten und nicht in gerader Richtung nach dem Fort zurück, weil Carl sich auf den Höhen zu halten suchte, wo das Gras weniger hoch war. Sie naheten sich einer der Waldinseln, die hier in der Prairie zerstreut lagen, als Daniel, der etwas seitwärts vom Wagen ritt, plötzlich sein Pferd diesem zulenkte und zu Carl sagte: »Halten Sie an, dort hinter der Insel stehen mehrere Büffel, denen Sie sich mit leichter Mühe auf Schußweite nähern können. Die schöne Haut, welche wir im Wagen haben, möchte ich nicht gern zu einem Lasso zerschneiden, es wäre schade dafür. Schießen Sie einen von jenen Büffeln, damit wir noch eine Haut bekommen. Schnell, eilen Sie in das Holz, ich will bei den Pferden bleiben.«

Hiermit stieg der Neger ab und führte sein Roß zu den Wagenpferden, während Carl von seinem Sitze sprang und eilig durch das hohe Gras der Waldinsel zulief. Dieselbe bestand aus hohen prächtigen Eichen, Tulpenbäumen, Platanen und Ahornen, deren Stämme sich aus üppigem dichten Gebüsch erhoben, während das ganze Wäldchen nur einige hundert Schritte im Umfang maß. Carl hatte bald das Dickicht erreicht, und schlich sich vorsichtig durch dessen tiefes Dunkel der andern Seite zu. Es lag viel trockenes Reisig auf dem Boden, auf welches zu treten er sorgfältig vermied, um sein Nahen den Büffeln nicht zu verrathen, und je näher er dem Waldsaume kam, um so behutsamer setzte er den Fuß an die Erde. Bald aber gelangte er hinter den letzten Büschen an den Stamm einer alten Eiche, und blickte neben ihm hinaus in die Prairie. Ein freudiger Schreck durchzuckte ihn, denn nur wenige Schritte vor ihm standen fünf kolossale männliche Büffel in dem hohen Grase und schauten regungslos in das Dickicht. Sie mußten doch Etwas gehört haben, welches ihnen verdächtig schien, denn sie verwandten keinen Blick von der Richtung, in welcher Carl stand. Dieser aber war durch die Eiche verdeckt und hob mit der größten Vorsicht die Büchse an die Schulter; dann beugte er sich langsam auf die Seite des Stammes und richtete den Lauf auf eines der riesigen Thiere. Die große Nähe desselben erfüllte ihn mit einem unheimlichen Gefühl, er kam sich selbst so klein, so winzig gegen dieses Ungeheuer vor, und er dachte daran, daß ein Fußtritt desselben ihn zermalmen würde. Es war aber nur ein Augenblick des Bangens, dann gab er Feuer. Der Donner der Büchse und das Getöse, mit welchem die Büffel in das Dickicht hereinstürzten, betäubten Carl, er drückte sich fest hinter den Eichenstamm und fühlte denselben erbeben, als die Riesenthiere an ihm vorüberschossen und im Dunkel des Wäldchens verschwanden. Er hörte ihre dröhnenden Schritte weithin verhallen, zugleich aber vernahm er in dem Dickicht ein Rauschen und Schlagen und Brechen, welches auf ein und demselben Platze ertönte. Carls Herz schlug hoch vor Freude, denn dies Getöse mußte von dem verwundeten Büffel verursacht werden. Er wollte schon in das Dickicht hineinspringen, da fiel ihm der Jaguar ein und die Gefahr, in welche er damals gerathen war. Er eilte nun hinaus in die Prairie und um die Waldinsel, bis er Daniels ansichtig wurde, der ihm schon mit dem Wagen entgegen kam und ihm zurief: »Haben Sie einen geschossen?«

»Wie viele Büffel hast Du fortrennen sehen?« fragte ihn Carl.

»Vier Stück,« entgegnete der Neger.

»So habe ich einen erlegt, denn es waren ihrer fünf und ich hörte es eben noch im Walde schlagen. Wollen wir hineingehen?«

»Lassen Sie mich dies thun und bleiben Sie bei den Pferden; ein angeschossener Büffel ist ein gefährlicher Gesellschafter.«

Carl trat nun zu den Pferden und Daniel schlich sich mit der Büchse in der Hand in das Dickicht hinein. Nach wenigen Augenblicken aber rief er jubelnd aus: »Hier liegt er mausetodt, Sie haben ihn durch das Herz geschossen.«

Gleich darauf trat der Neger wieder aus den Büschen hervor, band die Zügel der Pferde an einen Baum und begab sich dann mit seinem jungen Freunde zu dem erlegten Büffel, um sich der Haut desselben gleichfalls zu bemächtigen. Außer dieser wurden noch die besten Stücke Fleisch, die Zunge und die Markknochen von dem Thiere auf den Wagen gebracht, und dann setzten die mit reicher Beute versehenen Jäger ihren Heimweg fort. Die Sonne war schon im Scheiden, als sie das Fort erreichten und dort freudig bewillkommnet wurden.