Carl that wie ihm Daniel rieth, und so kamen sie den sorglosen Büffeln bald sehr nahe, von denen her der frische Wind den Jägern entgegen zog und sie kühlend umwehte.

Die Prairie hob sich hier wellenförmig auf und nieder, und die Reiter suchten immer in der Vertiefung zu bleiben, die sie jetzt in das kleine Thal führte, in welchem die Büffel grasten. Es lagen kaum noch funfzig Schritte zwischen ihnen und den Thieren, da hoben mehrere derselben die finster umlockten Köpfe aus dem Grase empor und schauten verwundert nach den Reitern hin.

»Hurrah!« schrie Daniel jetzt mit seiner gewaltigen Stimme und »Hurrah« ließ auch Carl die seinige mit aller Kraft ertönen, und Beide gaben ihren Rossen Zügel und Sporen. Das ganze Thal ward in dem Augenblicke lebendig, das Gras theilte sich und wogte verworren hin und her, wohl vierhundert Büffel rannten in wilder Bestürzung durcheinander hin, wie Donner erdröhnte die Erde unter ihren Füßen, und eng zusammengedrängt jagten sie in schwerfälligem Galopp der nächsten Höhe zu. Die ganze Heerde, die fliegend über die Grasflur dahineilte, war in der dichten, um sie aufwirbelnden Staubwolke verschwunden, während die Jäger ihr auf den flüchtigen Rossen in Carriere folgten. Die gellenden Jagdrufe der Reiter schienen die Thiere zu immer schnellerer Flucht anzutreiben und ihre Angst zu steigern, die sie durch wildes verworrenes Brüllen zu erkennen gaben. Fort ging es in Sturmeslauf Hügel auf, Hügel ab, über steinige Höhen, durch mannshohes Gras in den Thälern, über umgefallene Baumstämme, durch breite, tiefe ausgetrocknete Wassergräben, ohne Rast, ohne Aufenthalt, umsaust von dem stürmischen Tumult der Jagd, so wie eine Windsbraut über die Erde fliegt. Wohl mehrere Meilen weit jagte die Heerde dem frischen Winde gerade entgegen, so daß derselbe den Jägern die Staubwolke zuwehte, die unter den Füßen der Thiere aufstieg; jetzt aber wandten diese sich mehr zur Seite, und ihre riesigen, von fliegenden Mähnen umwogten dunkeln Körper wurden in dem seitwärts verwehenden Staube wieder sichtbar. Der Anblick der Jäger aber mehrte das Entsetzen der Büffel, ihre Flucht wurde immer rasender und die schwersten, die feistesten unter ihnen begannen, hinter der Heerde zurückzubleiben. Namentlich einem alten Bullen schien der tolle Lauf beschwerlich zu werden, seine Flanken hatten sich mit weißem Schaum bedeckt, keuchend ließ er seine brennend rothe Zunge über den langen Bart seines Unterkiefers herabhängen und mit wuthblitzenden glühend gerötheten Augen blickte er seitwärts nach seinen Verfolgern. Mehr und mehr entfernte sich die Heerde von ihm, und vergebens waren seine Anstrengungen, ihr nahe zu bleiben, sein Lauf wurde immer schwerfälliger, seine Sprünge wurden kürzer, und mit dumpfem zornigen Gebrüll schüttelte er wiederholt die schwarzbraunen glänzenden Mähnen. Dennoch blieb er im Galopp und folgte auf dem niedergetretenen Grase der Spur seiner davoneilenden Kameraden.

Da sprengte Daniel mit gellendem Jagdruf näher zu diesem Büffel heran, er hob sich strack in den Steigbügeln auf, schwang mit der Rechten den gelösten Lasso hoch über sich im Kreise durch die Luft, und schleuderte die Schlinge sausend auf das Gras hinab vor das flüchtige Thier, welches im Sprunge seinen linken Vorderfuß in dieselbe niedersetzte. In derselben Secunde zog Daniel den Lasso zurück, denn er hatte sein Pferd zur Seite gewandt, und die Schlinge zog sich um den Fuß des Büffels fest. Hoch bäumte sich jetzt das plötzlich parirte Pferd des Negers und der Büffel, in seinem Sturmlauf an dem Fuße zurückgehalten, stürzte über Kopf donnernd zu Boden, daß die Erde unter ihm erzitterte. Das ungeheure Thier lag mit emporgestreckten Gliedern auf dem Rücken und mit Blitzesschnelle spornte der Neger sein wild aufgeregtes Roß im Kreise um dasselbe und wand, noch ehe der Büffel sich erheben konnte, das starke lederne Seil um dessen vier Beine.

Mit jedem Kreise, den er um das Thier beschrieb, zog er dessen Glieder fester zusammen, während der Gefangene die Luft mit seinem Gebrüll erfüllte.

Wuthschäumend warf er sich hin und her, und riß und dehnte den Lasso mit seinen Riesenkräften, während er mit den scharfen Hörnern den Boden zerwühlte.

»Wir haben ihn, wir haben ihn!« rief Carl triumphirend aus, und sprengte sein entsetztes Roß näher zu dem gegen seine Fesseln kämpfenden Koloß hinan, als Daniel ihm zurief:

»Zurück, zurück, nehmen Sie sich in Acht, das Seil hat nicht gut gefaßt, er kommt wieder los.« Zugleich ließ er sein Pferd rückwärts schreiten, um den Strick, welcher mit dem Ende an dem Sattelknopf befestigt war, fester anzuziehen; der Büffel aber zuckte und schlug so gewaltig mit seinen Gliedern, daß er das Seil über seine Kniegelenke streifte und plötzlich alle vier Beine aus dem Gewinde befreite. Daniel warf sein Roß zur Seite, um davon zu jagen und so den Büffel abermals an dem gefangenen Fuße niederzureißen; derselbe aber war mit ebenso großer Schnelligkeit aufgesprungen und stürzte jetzt mit entfesselter Wuth seinem Gegner nach. Das Gras war hier ungewöhnlich hoch und hemmte die Flucht des Pferdes, während dieses für den Büffel die Bahn brach und derselbe mit größerer Leichtigkeit folgen konnte. In tollem Laufe sausten sie vorwärts, ohne einander näher zu kommen, oder sich weiter von einander zu entfernen; ein Fehltritt des Rosses aber würde diesem und seinem Reiter sicher einen schnellen Untergang bereitet haben. Kaum gewahrte Carl jedoch die Gefahr, in der sein Freund schwebte, als er dem Falben die Sporen in die Flanken stieß und in fliegender Carriere an die rechte Seite des Büffels sprengte. In gestrecktem Laufe richtete er die Büchse auf die Schulter des wüthenden Thieres und feuerte beide Läufe auf dasselbe ab. Im Augenblick wandte es sich nach seinem neuen Gegner, doch der Sprung zur Seite streckte den Lasso, der seinen Fuß gefangen hielt, und das Pferd des Negers riß den Büffel abermals daran zu Boden. Daniel war darauf vorbereitet und wandte sein Roß geschickt und schnell dem Gefangenen zu, den er nun wieder umkreiste und ihn mit dem Lasso umwand. Diesmal gelang es ihm, die Glieder des Büffels so fest damit zusammenzuschnüren, daß dessen Anstrengungen dagegen erfolglos blieben und derselbe sich bald in sein Schicksal ergab. Seine Kräfte nahmen auch rasch ab, denn die beiden Schüsse Carls waren tödtlich und ließen das Thier sich schnell verbluten.

»Das hätte bös für mich ausfallen können,« sagte Daniel, indem er vom Pferde sprang und demselben die Vorderfüße zusammenband; »es war ein Uebermuth von mir, denn wir hätten ja den Büffel mit halb so vieler Mühe erschießen können; ich wollte Ihnen aber doch zeigen, daß man auch ohne Schußwaffen ein solches riesiges Thier erlegen kann. Sie haben mir in der That das Leben gerettet; denn hätte mein Pferd auf den Lasso getreten, so mußte es mit mir zusammenstürzen und dann würde dies wohl meine letzte Büffeljagd gewesen sein. Ich versuchte, den Lasso von dem Sattelknopf zu lösen, konnte aber den Knoten während des Jagens nicht öffnen. Nun wollen wir eine Fahne über dem alten Burschen aufrichten und schnell nach Hause reiten, um sein Fleisch zu holen; er ist unglaublich feist.«

Hiermit sprang der Neger nach einem nahestehenden Mosquitobaum, hieb mit dem Jagdmesser einen langen Ast davon ab, band an dessen Spitze ein rothes seidenes Halstuch, welches er zu diesem Zwecke mitgebracht hatte, und pflanzte die Fahne über dem Büffel auf, so daß der kräftige Wind sie flatternd über demselben entfaltete. Carl hatte während dieser Zeit seine Büchse wieder geladen, und nun bestiegen die Jäger abermals ihre Rosse und lenkten sie eilig nach dem Fort zurück, wo sie noch vor Tisch anlangten.