»Könnten wir doch den armen Leuten in unserer alten Heimath unsern Ueberfluß an Lebensmitteln und an Holz abgeben,« sagte Turner eines Abends, als sie Alle um den Tisch herum saßen. »Der Segen in diesem Lande ist doch unglaublich. Jetzt liegt in Deutschland die Natur noch im Winterschlafe, und die Felder sind wahrscheinlich mit einer Schneedecke überzogen; wir dagegen holen uns täglich frische Gemüse aus dem Garten, und diejenigen Bäume und Sträuche, welche vor wenigen Wochen das vorjährige Laub verloren hatten, treiben schon wieder junge Knospen. Und welchen Reichthum von Wild haben wir hier gefunden! Hunderte von Hirschen und Antilopen können wir fast täglich vor uns auf der Prairie weiden sehen, gar nicht der Tausende von Büffeln zu gedenken, die so häufig die Umgegend, so weit das Auge reicht, bedecken.«
»Und die Bären nicht zu vergessen,« fiel Madame Turner ein, »sie sind mir der wichtigste Artikel in meiner Haushaltung; wie wollten die armen Leute in Deutschland jeden Tropfen von deren kostbarem Oel verwenden!«
»Und doch haben die Bären hier schon abgenommen, gegen jene Zeit, als noch kein Ansiedler am Choctawbache wohnte,« fiel Daniel ein. »Ich habe häufig hier mit den Indianern, unter denen ich lebte, Jagd gemacht, und erinnere mich recht gut, daß wir ein Dutzend starke Bären in einem Tage an diesem Flusse schossen. Daher hat er ja auch seinen Namen. Auch trafen wir hier einmal einen Grisleybären an; dies fürchterliche Thier tödtete uns einen jungen Krieger, dessen Pferd es in vollem Laufe einholte und ihn dann von demselben herabzog und zerriß.«
»Das ist ja erschrecklich; jetzt giebt es doch wohl hier solche Thiere nicht mehr?« sagte Madame Turner entsetzt.
»Sie waren auch damals nur Fremdlinge in diesen flachen Gegenden. Ihre Heimath ist in den weiter westlich liegenden Gebirgen, aus denen sie im Winter, wenn dort die Nahrung spärlich wird, sich herab in die Niederungen ziehen und dann in dem Walde am rothen Flusse mitunter bis in diese Länder vordringen. Die Ansiedler aber bieten Alles auf, um ihrer gleich habhaft zu werden, denn einen gefährlichern Feind für sich selbst und für ihre Heerden giebt es nicht. Ein Grisleybär nimmt ein zweijähriges Pferd in die Arme und trägt es fort. Auch holt er jedes Pferd auf die Dauer ein; denn seine Kräfte halten länger aus, als die irgend eines andern Thieres. Ich habe Grisleybären erlegen helfen, die gegen zweitausend Pfund wogen. Der Himmel mag sie fern von uns halten, sonst wäre es bös für unser Vieh.«
»Das muß ja ein wahres Ungeheuer sein,« bemerkte Turner, »vor einem solchen Thiere wäre ja Flucht kaum möglich.«
»Außer wenn man einen Baum ersteigen kann. Der Grisleybär kann zum Glück nicht klettern,« entgegnete Daniel.
»Geht denn eine Kugel durch sein Fell?« fragte Carl.
»Das wohl, aber oft sind zwanzig Kugeln nöthig, um ihn zu tödten, wenn nicht zufällig eine gleich auf den rechten Fleck kommt,« antwortete der Neger.
»Nun, den Fleck könnte man ja wohl treffen,« bemerkte Carl lachend.