»Es scheint unter dem Stamme eine Höhle zu sein, die mit trockenen Kiefernzweigen bedeckt ist,« rief er seinem Gefährten zu, warf dann mit den Worten, »Hallo, Bursche, ists gefällig aufzustehen?« ein Stück Holz gegen den Stamm.

»Wahrhaftig, es bewegt sich unter dem Reisig!« rief er aus, und erhob die Büchse. Nach einer Weile gespannter Aufmerksamkeit aber sagte er:

»Wissen Sie, was ich glaube? Sie haben eine alte Bärin geschossen, und die Jungen sind es, die in dem Laube herumspringen. Wir wollen es bald genau wissen.«

Hierauf trat der Neger nahe zu dem Baume hin und blickte mit vorgehaltener Büchse durch die Kiefernzweige.

»Richtig, wie ich Ihnen sagte, hier schaut eine Hintertatze der Alten hervor, sie liegt auf dem Rücken und zwei ganz kleine Bären sitzen auf ihr. Die wollen wir lebendig mitnehmen, sie werden Ihnen tausend Spaß machen, denn es sind allerliebste Thierchen.«

Indem Daniel dies sagte, stellte er seine Büchse an den Baum und beugte sich in die Vertiefung unter denselben, aus welcher er zwei kleine Bären hervorhob, die nicht viel größer als Kaninchen waren. Carl war vom Pferde gesprungen und zu Daniel hingeeilt, wo er laut aufjauchzte, als er die niedlichen Thiere erblickte, die ganz zutraulich seinen Finger in das Maul nahmen und daran sogen. Sein Gefährte räumte nun die Zweige und das Laub hinweg, worauf die ganze Bärin sichtbar wurde. Carl mußte ihm behülflich sein, dieselbe aus ihrem Lager hervorzuziehen, wobei Beide alle ihre Kräfte anzuwenden hatten.

Es war ein ungeheures Thier, welches wenigstens siebenhundert Pfund wog.

Carls Kugel war ihm von hinten in den Schädel eingedrungen. Daniel ging nun allein nach dem Bach, um die Fallen zu untersuchen, während Carl bei den kleinen Bären blieb, damit sie nicht abhanden kommen möchten. Nach Verlauf von einer Stunde kehrte der Neger seinem Gefährten zurück, indem er sein Pferd leitete, an dessen Sattelknopf vier gefangene Biber hingen. Dieselben wurden nun neben die Bärin gelegt, ein Tuch wurde über ihnen aufgehangen, um Raubthiere davon abzuhalten, und dann bestiegen die Jäger ihre Pferde, indem ein Jeder von ihnen einen kleinen Bären in den Arm nahm. So langten sie denn glücklich in dem Fort an, wo die verwaisten Kleinen große Freude erzeugten, und durch ihre Zutraulichkeit und ihr spaßiges Wesen das Mitleid Madame Turners, so wie Juliens erweckten. Daniel spannte schnell die Schimmel vor den leichten Wagen und fuhr mit Carl nach dem Waldsaume am Pflaumenbach zurück, um die Beute nach dem Fort zu schaffen. Dort nahm er eines der Pferde vom Wagen, führte es in den Wald zu dem Bären, und ließ diesen durch dasselbe nach der Prairie schleifen. Mit großer Anstrengung wurde das schwere Thier endlich aufgeladen, Daniel holte noch die Biber herbei, und nach Verlauf von einer halben Stunde langten sie wohlbehalten in dem Fort an. Das kostbare Fett des Bären war Madame Turner sehr willkommen, das Fleisch desselben wurde gesalzen und geräuchert, und die ungeheure Haut ward getrocknet, um dann als Decke unter dem Tisch im Wohnzimmer zu dienen.

Wie es Daniel vorhergesagt hatte, so war im Laufe von zwei Wochen die ganze Bibercolonie ausgefangen. Vierunddreißig Biber waren erlegt, und nirgends mehr war eine Spur von einem solchen Thiere zu entdecken. Der Werth der erbeuteten und sauber getrockneten Felle betrug gegen zweihundert Dollar, welche Warwick dafür an Turner bezahlte, um selbst noch beim Verkauf an einen Pelzhändler einen kleinen Nutzen daran zu machen.

Dem Maisfeld hatte die Ueberschwemmung augenscheinlich wohl gethan, denn die Pflanzen schossen ungemein kräftig empor. Die Freude und das Glück der Ansiedler über diese herrliche Aussicht für ihre erste Ernte war unbeschreiblich, denn sie nahm ihnen jede Nahrungssorge für ihre Zukunft. Zwischen die Reihen der Maisstauden hatten die Kolonisten süße Kartoffeln, Bohnen, Kürbisse und Melonen gelegt, so daß die Ernte eine überreiche und vielseitige zu werden versprach.