Die nächste Nacht lieferte nur vier Biber als Beute, und Daniel und Carl, welche diesmal allein hinausgeritten waren, um die Fallen zu untersuchen, wählten andere Plätze für dieselben, so daß die letzte Falle in der Nähe des zerstörten Dammes zu stehen kam. Als sie am andern Morgen abermals hinausritten, um nach dem Fang zu sehen, trennten sie sich, ehe sie den Pflaumenbach erreichten; Carl nahm die gerade Richtung nach dem Damme hin, und der Neger ritt nach dem kleinen See, den der Bach oberhalb bildete. Carl drang auf einem alten, wenig benutzten Büffelpfad in den Wald ein, der nach dem Biberdamme zu führen schien, aber sehr mit Ranken und Büschen überwachsen war, so daß der junge Jäger viele Mühe hatte, sich den Weg zu bahnen. Bald aber wurde dieser freier und der Falbe schritt rascher vorwärts, als sein Reiter ihn anhielt, weil vor ihm ein alter umgefallener Kiefernbaum den Pfad versperrte.

Die Entfernung bis zu demselben betrug nicht mehr als zwanzig Schritte, und Carl schaute sich links und rechts um, auf welcher Seite er wohl am leichtesten den Baum umreiten könne. In diesem Augenblicke erhob sich an der andern Seite des Stammes eine große Masse von Kiefernbüschen und trockenem Laube, es bewegte sich darin, rauschte und brach, und in der Mitte der verworrenen dunkeln Masse kam plötzlich der Kopf eines riesigen schwarzen Bären zum Vorschein. Carl hatte bei der Bewegung, die er hinter dem Stamme bemerkte, die Büchse erhoben und darauf hingerichtet, und kaum erschien der von ihm abgewandte Kopf des Ungeheuers, so gab er Feuer. Mit dem Knall der Büchse versank die ganze erhobene Masse, und Carl warf sein Pferd herum und jagte auf dem Pfade zurück, so schnell, als er sich in dem Dickicht durchwinden konnte, nach der Prairie hinaus. Er lauschte und lauschte, kein verdächtiger Ton aber drang zu seinem Ohr, dennoch wollte er es nicht wagen, ohne Daniel in den Wald zurück zu reiten.

Nicht lange hatte er aber gewartet, als die laute Stimme des Negers aus dem Holze her dringend seinen Namen rief, worauf er ihm mit allen Kräften antwortete. Nach wenigen Minuten wand Daniel sich zu Fuß aus dem Dickicht hervor und rief seinem jungen Freunde ganz außer Athem zu:

»Gottlob, daß meine Angst unbegründet war; als ich Ihren Schuß hörte, fielen mir die verhaßten Waco's ein, und es ergriff mich die Furcht, sie könnten nach Ihnen geschossen haben. Ich ließ mein Pferd zurück, weil ich nicht damit durch die Dickung dringen konnte und bin wirklich schneller hier angelangt, als ich glaubte, daß es möglich sei. Wonach haben Sie denn geschossen?«

»Nach einem sehr großen Bären; er stand vor mir aus dem Laube unter einem umgefallenen Baumstamme auf, und als ich seinen Kopf sah, gab ich Feuer. Dann bin ich fortgejagt, und habe nichts weiter von dem Thiere gehört,« entgegnete Carl.

»Nun, der wird auch wohl nicht viel mehr von sich hören lassen. Sie werden ihn wahrscheinlich aus seinem Winterschlafe geweckt haben, denn es ist jetzt die Schlafzeit der Bären, und hätten Sie ihn nicht tödtlich getroffen, so sollte er wohl bald hinter Ihnen gewesen sein. Wir wollen ihn aufsuchen, folgen Sie mir nur nach.«

Mit diesen Worten spannte Daniel seine Büchse und schritt rasch auf dem Büffelpfad durch das Dickicht hin, indem er mit seinem Jagdmesser die Ranken für den ihm folgenden Carl aus dem Wege hieb.

»Dort liegt der Baum, Daniel, nimm Dich in Acht,« rief Carl diesem zu, und machte gleichfalls seine Büchse zum Schuß bereit; doch der Neger rief lachend aus:

»Sie haben dem Freund Urian einen zu starken Schlaftrunk eingegeben, als daß er noch einmal aus seinem Pallast hervorschauen sollte. Bleiben Sie dort zurück, ich will mich um den Baum herumschleichen und sehen, wo der Eingang ist.«

Hiermit sprang Daniel in das Dickicht hinein und erschien gleich nachher auf der andern Seite des Baumes in einiger Entfernung von demselben.