»O nein, es wird nicht nöthig sein, Daniel wird wohl allein die Fallen herüberschaffen können.«
Er benutzte den Tag, um für seine Tante in dem Garten einige Beete mit Gemüsen zu bestellen und für Julien ein Gestell zu einer Laube aufzuschlagen, um welche er dann prächtig blühende Schlinggewächse pflanzte, die er zu diesem Zwecke gelegentlich aus dem Walde mitgebracht hatte.
Abschnitt 6.
Biberfang. – Die Bärin. – Der graue Bär. – Der Prairiebrand. – Der wilde Rappenhengst.
Noch vor Sonnenuntergang kehrte Daniel zurück und zwar mit acht eisernen Fallen, sogenannten Tellereisen, die um seinen Sattel herumhingen. Mit großer Bereitwilligkeit hatten die Ansiedler am Choctawbache ihm dieselben zum Gebrauch überlassen, zumal da die Biber aus jener Gegend schon verschwunden waren. Die Nachricht von dem Sieg Daniels und Carls über die Waco-Indianer war in der Niederlassung mit Jubel aufgenommen worden, ganz besonders aber hatten Warwicks sich darüber gefreut, weil, wie der alte Herr sagte, die Rothhäute eine gute Lehre dadurch erhalten hätten und nun sobald nicht wieder kommen würden. Die Fallen setzte der Neger sogleich sämmtlich in guten Stand und ölte sie ein, um am folgenden Tage die Jagd damit zu beginnen. Nachdem die Pferde getränkt und in ihr Nachtquartier gebracht worden waren, ruderte Daniel das Kanoe bis an das Felsstück unter dem Abhange, stieg von da auf der Leiter in das Fort und zog dieselbe dann wieder zu sich herauf.
Der folgende Tag wurde Carl sowohl, wie auch Arnold und Wilhelm unendlich lang, denn erst gegen Abend wollte Daniel nach dem Pflaumenbache reiten, um die Fallen zu legen, und den beiden jüngeren Knaben war es versprochen, mit dabei zu sein. Endlich sattelte der Neger sein Pferd, Carl folgte seinem Beispiel und für Arnold und Wilhelm wurden die beiden Schimmel aufgezäumt. Die vier Reiter vertheilten die Fallen unter sich und hingen sie an ihre Sättel und dann ritten sie vergnügt davon, während Turner das Thor verschloß. Es war verabredet worden, daß einige Schüsse vom Fort her als Aufforderung zur eiligen Rückkehr nach demselben gelten sollten, denn der Wind stand nach dem Pflaumenbache hin, so daß man den Knall eines Gewehrs sicher dort hören konnte.
Bald hatten die Reiter den Bach erreicht, da wo Daniel den Biber geschossen hatte, die todten Indianer aber waren verschwunden. Die Pferde wurden schnell an Bäume befestigt, worauf der Neger mit dem Legen der Fallen begann. Er versenkte sie aufgestellt an dem Ufer in das Wasser und zwar an solchen Stellen, wo dieses nicht mehr als einen halben Fuß tief war. Dann nahm er ein dünnes Reis, tauchte dessen eines Ende in das Bibergeil und steckte es mit dem andern Ende so in das Ufer, daß die angefeuchtete Spitze gerade über der Falle auf den Wasserspiegel zeigte. An jede Falle hatte Daniel einen Strick gebunden und an dessen Ende einen Busch, den er auf das Ufer legte. Wenn nun in der Nacht ein Biber auf den Wasserspiegel kam und das Bibergeil witterte, so lockte dies denselben zu sich heran, er kam bis über die Falle geschwommen, trat auf dieselbe und mußte an dem Fuße gefangen werden. Nach Verlauf von einer halben Stunde waren sämmtliche Fallen in Entfernungen von etwa funfzig Schritt gelegt und die Jäger begaben sich in gespannter Erwartung, wie viele Biber sich wohl fangen würden, auf den Heimweg. Gleich nach Sonnenuntergang langten sie schon wieder im Fort an, und Abends bei verschiedener Beschäftigung um den großen Tisch wurde von Nichts als von den Bibern gesprochen, deren Felle so sehr werthvoll waren.
Daniel sagte voraus, daß ganz gewiß in jeder Falle ein Biber sitzen würde und daß er binnen einer Woche die ganze Colonie auszufangen gedenke.
Kaum graute der Tag, als die vier Reiter abermals zu Rosse waren und in Galopp dem Pflaumenbache zujagten.
Die Knaben nahmen sich dort nicht einmal Zeit, die Pferde anzubinden, sondern baten Daniel, dies für sie zu thun, während sie selbst zu der ersten Falle liefen, und gleich den Busch auf dem Ufer vermißten. Er schwamm unweit des Biberhauses auf dem Wasser, also mußte die Falle von dem Gefangenen dorthin gezogen sein. Daniel kam nun mit einem sehr langen Stock, an dessen Ende er einen hölzernen Haken befestigt hatte, und zog mit demselben den schwimmenden Busch zu sich heran. Dieser wurde nun auf das Ufer gezogen und als die Falle an dem Strick folgte, hing wirklich ein todter Biber darin. Er hatte sich an einem Vorderfuß gefangen, war mit der Falle in die Tiefe getaucht und hatte sich heftig gegen dieselbe gewehrt; denn seine Bisse waren an dem Eisen zu sehen und die Schärfe seiner Zähne war abgebrochen. Das schwere Eisen hatte ihn in der Tiefe gehalten und ihn ertränkt; denn der Biber kann nur eine gewisse Zeit der Luft entbehren. Der Jubel der Knaben war grenzenlos und mit größter Erwartung rannten sie zu der zweiten Falle, die sie gleichfalls entführt fanden. Mit ihr aber kam kein Biber, sondern eine Otter hervor, denn auch diese Thiere werden durch Bibergeil herangelockt.
So ging es nun von einer Falle zur andern, und wie es der Neger vorher gesagt hatte, so saß in jedem der Eisen ein Biber. Sieben dieser werthvollen Thiere, deren Felle zu jeder Jahreszeit vollkommen gut im Haare sind, und eine Otter waren die reiche Beute der verflossenen Nacht, und mit neuen Hoffnungen wurden die Fallen wieder aufgestellt.