»Um des Himmels Willen, wenn ihm nur kein Unglück zugestoßen ist!« sagte Madame Turner und preßte ihre gefalteten Hände bebend zusammen.

Schweigend, und von Schrecken erstarrt, hefteten Alle ihre Blicke auf die beiden heranjagenden Knaben und ihre Angst, ihr Entsetzen steigerte sich mit jedem Sprunge, den die Schimmel über das Gras thaten.

Bald erkannten sie auch an den Bewegungen der Pferde deren große Erschöpfung, sahen, wie die Knaben sie mit den Peitschen zur Flucht antrieben, und wie den Thieren der weiße Schaum von den Gebissen flog.

»Wo ist Carl, um Gottes Willen, wo ist Carl?« riefen Alle zugleich den Knaben entgegen, als dieselben in Galopp den Hügel heraufgesprengt kamen, und »wo ist Carl?« wiederholten Alle, als Turner und Daniel sie aus den Sätteln hoben.

»Ein grauer Bär!« war Alles, was die entsetzten Knaben hervorstammeln konnten, die sich jetzt weinend in die Arme ihrer Eltern schmiegten.

Daniel hatte aber kaum das Wort »Bär« gehört, als er in das Gras hinunterstürzte, sein Pferd von dem Strick befreite und mit ihm nach dem Fort zurückrannte.

In wenigen Minuten hatte er es gesattelt, hatte seine Waffen ergriffen, und trat nun zu Turners in das Haus, um noch weitere Auskunft über Carls Schicksal zu erhalten, ehe er sich zu dessen Auffinden entfernte.

Er fand die ganze Familie in Thränen und Jammer, denn jetzt hatten die Knaben den Hergang der unglücklichen Begebenheit erzählt. Mit lautem Schluchzen und Wehklagen empfingen Turners den treuen Neger, und machten sich die bittersten Vorwürfe, daß sie ihre Zustimmung zu der Jagd gegeben hatten.

»Noch ist nicht Alles verloren,« sagte Daniel tröstend, »der Falbe ist ein edles Pferd und Carl ein guter Reiter. Er hat die Richtung nach dem Eichenwald genommen, und er wußte, daß der graue Bär nicht klettern kann. Noch gebe ich die Hoffnung nicht auf, daß der Himmel ihn beschützt hat.«

Hiermit sprang der Neger hinaus zu seinem Pferde, schwang sich in den Sattel und sprengte in fliegendem Lauf der Waldspitze am Pflaumenbache zu. In sehr kurzer Zeit hatte er dieselbe erreicht und dort auch die Riesenfährte des Bären erkannt. Im Galopp folgte er derselben nach der Waldinsel, wo Carl seine Brüder gerettet und den Blutdurst des Raubthieres auf sich selbst gelenkt hatte. Hier fand Daniel nun die Fährte des Falben mit der des Bären zusammen, und sie führten ihn dem Eichenwalde zu.