»Es müssen Indianer sein, die sie zurücktrieben, ich hörte das Bellen der Hunde schon weit in der Prairie. Nur schnell in die Kleider und zu den Waffen, ich will Herrn Turner wecken!«

Mit diesen Worten sprang Daniel nach Turners Zimmer und wollte an die Thür klopfen, als dieser ihm schon entgegentrat und bestürzt sagte:

»Ich glaube, es sind Indianer vor dem Fort, nur schnell mit den Waffen in den Hof, ehe sie die Pallisaden übersteigen, es ist draußen so finster, daß man keine Hand vor Augen sehen kann.«

»Ich will es bald hell machen, eilen Sie, nehmen Sie die Schrotgewehre, Arnold und Wilhelm müssen helfen!« rief der Neger, und sprang in den Hof hinaus, wo es so dunkel war, daß man kaum die Spitzen der Pallisaden gegen den Himmel erkennen konnte. Dort traf er Carl, der mit der Schrotflinte in der Hand, der Doppelbüchse über der Schulter und den Revolvern im Gürtel nach der Höhe der Pallisaden spähete, während Pluto mit wüthendem Gebell an denselben auf und niederrannte.

»Geben Sie Acht, junger Herr, daß keiner der Wilden übersteigt, ich will schnell die Feuer anzünden und dann gehen Sie in jenen Thurm,« rief Daniel, eilte zu dem einen der früher erbauten Galgen, und füllte den Eisenkorb mit Kienspänen. In diesem Augenblick sprang Pluto mit rasender Wuth an der andern Holzwand in die Höhe, und über derselben erschien eine dunkle menschliche Gestalt.

»Carl, Carl, dort, sehen Sie!« schrie der Neger, als er den Indianer auf den Pallisaden erblickte; da blitzte es aber schon aus Carls Flinte, und der Wilde verschwand mit einem gellenden Schrei. Der Krach des Gewehrs und der Schrei des Indianers aber wurden von einem höllischen Zetergeheul außerhalb des Forts beantwortet, als würde es von hundert Kehlen angestimmt.

Nun loderten die Flammen des angezündeten Kienholzes aus dem Eisenkorbe auf, und im nächsten Augenblick hatte Daniel denselben emporgezogen, so daß der Hof und die Umgebung des Forts blendend erhellt waren. Ein noch stürmerisches Geschrei erschallte jetzt außerhalb der Festung, und Carl, der in einen der Vorbaue gesprungen war und durch eine Schießöffnung blickte, sah, wie die Indianer in verworrenen Haufen in wilder Flucht den Hügel hinabrannten.

»Das haben sie nicht erwartet!« rief Daniel, indem er sich beeilte, den zweiten Eisenkorb mit Holz zu füllen und anzuzünden. »Sie haben einen Schrecken bekommen, werden aber doch bald zurückkehren.«

Auch der zweite Korb schwang sich nun mit seiner Feuergluth über die Pallisaden, und Turner trat mit Arnold und Wilhelm in den Vorbau daneben, während Daniel sich zu Carl in die andere Ecke der vordern Holzwand begab. Die Wilden hatten sich außer Schußweite von dem Fort in dem hohen Grase gesammelt, und die Belagerten erkannten zu ihrem Schrecken, daß die Zahl ihrer Feinde über hundert betragen mußte. Daniel aber ermuthigte seine Gefährten und versicherte sie, daß sie die Wilden sicher von dem Fort zurückhalten würden, wenn sie tüchtig mit Schrot unter sie schössen, denn so viele Kugeln in einem Schusse sei ihnen etwas Neues und würde sie mit Entsetzen davon jagen. Er benutzte den Augenblick, um sämmtliche Gewehre aus dem Hause zu holen und noch Vorrath von Pulver und Schrot herbeizuschaffen. Nachdem er Waffen und Munition vertheilt, trat er wieder zu Carl und schaute nach den Indianern hinaus.

»Sie berathen sich, auf welche Weise sie stürmen wollen,« sagte er zu Carl. »Es sind Reiterindianer, denn dort etwas weiter in der Tiefe sehe ich ihre Pferde. Jetzt laufen sie zu denselben hin; was mögen sie vorhaben?«