Der Tag verstrich in dem Glücke, welches mit Carl unter die Ansiedler zurückgekehrt war, und als der Abend kam, verließ Daniel das Fort, um in dem Walde zu übernachten, wo er überhaupt verweilen wollte, bis die Delawaren sich aus der Gegend entfernt haben würden. Er nahm einige Häute und Kochgeschirr mit sich, um sich eine Art von Wohnung im Walde einzurichten. Carl begleitete ihn, um ihm dabei behülflich zu sein, und den Platz seines Aufenthaltes zu kennen.

Der Knabe kehrte spät nach dem Fort zurück, und die Besorgniß um den Sieger minderte sich, als er die Nachricht brachte, wie derselbe sich gut versteckt habe, und sicher Niemand ihn auffinden könne. Am folgenden Morgen besuchte er seinen Freund wieder, brachte ihm Brod und andere Lebensmittel, und Tags darauf ritt er frühzeitig nach dem Choctawbache, um Erkundigungen über die Delawaren einzuziehen.

Bei Warwicks, in deren Nähe dieselben gelagert hatten, wurde Carl mit großem Jubel bewillkommnet; sie hatten schon durch die Indianer von seiner Rettung gehört und wußten es ihm besonders großen Dank, daß er nun selbst gekommen war, um sich ihnen zu zeigen. Die Delawaren hatten schon früh am Morgen ihr Lager abgebrochen und waren dem rothen Flusse zugeritten, um sich nach ihrer Ansiedelung am Kanzasstrome zu begeben.

Ungeachtet dieser erfreulichen Nachricht, die Carl seinem Freunde überbrachte, verweilte derselbe noch einige Wochen in dem Walde, da er sagte, einem Indianer dürfe man nie trauen; dann aber kehrte er in das Fort zurück, und die Besorgniß wegen der Sicherheit Daniels wurde bald vergessen.

Das Frühjahr hatte seinen ganzen Schmuck, seine ganze Pracht über Wald und Prairie ausgebreitet, und die bunte Blumenflur prangte in dem frischen Grün der Bäume und der Büsche, so wie in dem saftigen, üppigen jungen Grase. Aus dem glänzenden dunkeln Laube der Magnolien, die sich zwischen den Riesenbäumen des Waldes zum Himmel erhoben, glänzten deren alabasterweiße Blüthen wie kolossale Rosen hervor, die Tulpenbäume waren mit goldigen Blumen übersäet, der Hundeholzbaum streckte seine großen weißen Sternblüthen gegen den blauen Himmel, die Bignonie trug ihre blaßrothen Blüthenfackeln zur Schau, die Jucka hielt den dreißig Fuß langen, mit schneeigen Glocken behangenen Blüthenstengel über ihrer Stachelkrone empor, und in tausendfältigem Farbenspiel schlangen sich die blühenden Lianen von Ast zu Ast, von Wipfel zu Wipfel, und wehten wie bunte Guirlanden in der lieblich duftenden Frühlingsluft, die über die Blumenfelder der unabsehbaren Prairie gezogen kam. Der Spottvogel, der Cardinal, der Blauvogel sangen in dem schattigen Dunkel des Waldes ihre süßen Lieder, der Kolibri summte von Blüthenkelch zu Blüthenkelch, und das glänzend bunte Gefieder der Papageien blitzte und funkelte durch die reichen üppigen Laubmassen. Alles sollte neues reges Leben empfangen, und auch die Ansiedler waren von frischer Thätigkeit beseelt; denn die Arbeit gedieh unter ihren fleißigen Händen und versprach ihnen eine reiche sorgenlose Zukunft. Das Feld prangte in größter Ueppigkeit, der Garten bot ihnen Ueberfluß und der Viehstand vermehrte sich schnell. An die Gefahren, welche ihnen von Seiten der Indianer drohten, hatten sie sich gewöhnt, und dadurch hatten dieselben für sie das Fürchterliche verloren, ja, sie würden sie ganz vergessen haben, hätte nicht der vorsichtige Freund Daniel sie immer wieder daran erinnert und bei jeder Gelegenheit sie ermahnt, auf ihrer Hut zu sein. Er sorgte dafür, daß Abends die Pferde immer zeitig in das Fort gebracht wurden, daß dessen Thor immer gut und fest verschlossen ward, daß man die Hunde hinaussperrte, und daß die Waffen stets zum augenblicklichen Gebrauch in gutem Stand blieben. Auch ließ er die drei Knaben oft nach einem Ziel schießen, und hatte stets für den besten Schuß ein Geschenk zu geben, welches dann in einem Pulvermaß, einem Kugelbeutel, einer Angel, oder einer ähnlichen kleinen Arbeit seiner eigenen Hände bestand. Die Ruhe im Fort blieb jedoch ungestört, und die Ansiedler hätten jetzt ihr stilles Glück nicht mehr für alle Freuden in der großen Welt vertauscht.

Der Wald bot nun auch in den süßen überreifen Maulbeeren seine ersten Früchte, und Daniel ging regelmäßig, wenn der Abend kam, mit den Kindern über den Fluß und sammelte mit ihnen einen Korb voll dieser köstlichen Beeren.

Madame Turner brachte dieselben dann beim Abendbrod auf den Tisch, gab herrliche kühle Milch dazu und Alle labten sich dann an dem Gericht nach Herzenslust.

Es war eines Abends spät geworden, ehe Daniel mit seinen jungen Freunden aus dem Walde zurückkehrte, denn sie hatten dies Mal viele Maulbeeren gesammelt, weil Madame Turner den Kindern versprochen hatte, Fruchtkuchen davon zu backen. Turner hatte bereits die Pferde getränkt und in das Fort gebracht, als Daniel mit den Knaben dort anlangte; das Thor wurde geschlossen, die Hunde hinausgesperrt, und bald saßen die Ansiedler in traulichem Kreise um den großen Tisch, und erfreuten sich an dem einfachen guten Mahle, welches Julie aufgetragen hatte. Dann holte ein Jeder von ihnen seine Arbeit herbei; Carl mußte wieder erzählen, wie er unter den Wurzeln des Mosquitobaumes gesessen hatte, als die fliehenden Thierschaaren bei ihm vorüberbrausten und das Feuermeer über ihn hinzog; hundert Fragen mußte er beantworten, und bald wurde er bedauert, bald wurde über ihn gelacht, wobei er dann immer von ganzem Herzen mit einstimmte. Der Abend verstrich in der heitersten Stimmung und es war später als gewöhnlich geworden, ehe die Ansiedler ihr Lager aufsuchten und sich einem sorglosen Schlafe hingaben.

Friedliche Ruhe lag auf dem Fort, die Pferde hatten sich in ihren Ställen auf dem Boden hingestreckt, und Pluto lag regungslos in dem Hofe. Es war Mitternacht, als Daniel durch das ziemlich ferne Gebell der Hunde außerhalb des Forts geweckt wurde. Er richtete sich auf seinem Lager auf und lauschte dem Lärm, welcher schnell näher und näher kam. Die Hunde wichen unverkennbar vor einem Feinde zurück, und ihr Gebell wurde mit jedem Augenblick heftiger und wüthender. Jetzt klagte und heulte einer derselben laut, und alle hatten bald darauf die Pallisaden erreicht, wo nun Pluto aus dem Innern des Forts mit seiner tiefen Baßstimme in ihren rasenden Lärm mit einstimmte. Der Neger sprang aus dem Bette und wollte Carl wecken, doch dieser war auch schon auf den Füßen und fragte:

»Was mögen die Hunde vorhaben?«