Nach dem Abendessen, als er mit der Familie bei dem Kaminfeuer saß und so, wie Turner eine Cigarre rauchte, fiel ihm der Neger wieder ein, und er fragte halb verwundert, weßhalb derselbe sich noch nicht gezeigt habe, da er doch ein so guter Freund der Familie sein solle. Turner entgegnete ihm etwas verlegen, daß der Schwarze ihn vor Kurzem verlassen habe, um wieder auf See zugehen, weil ihm dort ein besserer Verdienst zu Theil werde.

Der Häuptling sah Carl mit einem triumphirenden Blick an, und sagte: »Glaubst Du nun noch an die Freundschaft eines Negers, junger Mann? Dein geliebter Daniel ist ein eben solcher Freund gewesen, wie mein schwarzer Panther; auch sein Herz ist so schwarz wie seine Haut.«

Carl gab dem Indianer keine Antwort, was dieser für Anerkennung seiner ausgesprochenen Ansicht hielt und darauf das Gespräch auf einen andern Gegenstand lenkte.

Der Abend verstrich in traulicher Unterhaltung und ehe der Häuptling dann von dem für ihn bereit gehaltenen Ruhelager auf Daniels Bett Gebrauch machte, begab er sich nach seinen Leuten, um ihnen zu sagen, daß er bei seinen weißen Freunden schlafen werde.

Am folgenden Morgen hatte Madame Turner schon sehr zeitig das Frühstück bereitet, weil ihr Gast mit Sonnenaufgang seine Weiterreise antreten wollte. Nach beendigtem Mahle wurde dem Häuptling sein Pferd vor das Fort gebracht, er nahm einen herzlichen Abschied von seinen Freunden, versprach, im nächsten Herbst sie wieder zu besuchen, und bemerkte dabei, daß Carl ihn dann auf einige Wochen begleiten und mit ihm jagen müsse. Der Knabe geleitete ihn darauf zu seinem Lager, und brachte die Indianer bis zu dem Weg, welcher durch den Wald nach dem Choctawbache führte, damit seine Freunde mit weniger Schwierigkeiten das Holz durchreiten könnten. Nochmals versprach er hier dem Häuptling, im Herbst mit ihm zu jagen, und sah mit erleichtertem Herzen die Delawaren dahinziehen, weil er die Minute kaum erwarten konnte, wo er Daniel in die Arme fallen würde.

Der Neger hatte aber aus dem Dickicht des Waldes die Bewegungen der Indianer beobachtet, war, als er sie den Weg nach dem Choctawbache einschlagen sah, mit fliegender Eile durch den Wald nach dessen anderer Seite gerannt, und hatte den Saum erreicht, als die Delawaren schon in der Prairie jenseits angelangt waren. Er kletterte schnell auf einen der höchsten Bäume, um ihnen von dort aus weit hin mit dem Blicke folgen zu können, und als er sie endlich in der blauen Ferne verschwinden sah, da ließ er sich rasch auf die Erde nieder, und rannte nun, von der Sehnsucht seines treuen Herzens getrieben, nach dem Fort, um seinen geliebten jungen Freund wieder zu sehen. Kaum hatte er den Fleck an dem Ufer des Flusses erreicht, wo er unter überhängenden dichten Laubmassen das Kanoe verborgen hatte und dasselbe in den Strom hinein gerudert, als Carl von dem Fort hergesprungen kam, und ihm jubelnd und jauchzend entgegen eilte. Das Glück der Beiden, als sie sich in die Arme fielen, kannte keine Grenzen, und »mein Daniel, mein Carl!« war Alles, was sie hervorstammeln konnten.

Der Neger ging nun mit Carl Arm in Arm nach dem Fort zurück, wo er mit großer Freude von Turners empfangen wurde, und wo er ihnen nun mittheilte, daß er der schwarze Panther sei, der vor einer Reihe von Jahren dem Häuptling entsprungen war. Er gestand es ein, daß derselbe ihn gut und liebevoll behandelt habe, stellte aber ein jedes Unrecht, welches man in seiner Flucht finden möchte, in Abrede, da seine beiden Eltern freie Neger gewesen und von den Delawaren gewaltsam zu Sclaven gemacht waren. Sie hatten an der Indianergrenze sich eine Niederlassung gegründet, waren dort von dem Vater Leopards überfallen und fortgeführt worden. An ihm, sagte Daniel, hätten sie demnach kein Eigenthumsrecht, wenn es überhaupt ein Recht gebe, einen Menschen als Eigenthum zu besitzen, und er fühle sich durchaus frei davon, ein Unrecht gegen Leopard begangen zu haben.

Turner fragte den Neger nun, was denn der Häuptling mit ihm thun würde, wenn er ihn wieder in seine Gewalt bekäme; worauf Daniel erwiederte, daß derselbe ihn in einer grausamen Weise umbringen würde, da die Rache eines Indianers nur mit dem Tode seines Feindes ende.

»Wenn der Häuptling aber Deinen Werth in Geld ausgezahlt bekäme, würde er Dich dann nicht verkaufen?« fragte Turner.

»An Geld ist dem Indianer Nichts gelegen, weil er Alles besitzt, wonach seine Wünsche trachten. Außerdem opfert er auch Alles seiner Rache,« entgegnete der Neger, und wies alle Anerbietungen Turners, ihm sein ganzes baares Geld zur Verfügung zu stellen, als nutzlos zurück. Er suchte aber zugleich seine Freunde zu beruhigen, indem er ihnen auseinandersetzte, daß ihm keine große Gefahr drohe, da die Delawaren nur im Frühjahr und im Herbst diese Gegend besuchten, und er selbst sich dann vor ihnen leicht verborgen halten könne. Andern Indianern sagte er, wäre er nicht so genau bekannt, und so könnten die Delawaren auch nicht erfahren, daß er der schwarze Panther sei, und sich hier aufhalte.